Neue Drohungen gegen die EU, Kanada, Mexiko und China – die Schweiz zittert
Ist Donald Trumps Zoll-Poker nur ein riesiger Bluff?

Donald Trump kündigt Zölle in Höhe von 25 Prozent gegen die EU an. Doch die Drohung bleibt vage und bisher liess der US-Präsident seinen Worten kaum Taten folgen. Sind die Zolldrohungen nur Verhandlungstaktik, um Zugeständnisse zu erzwingen?
Publiziert: 16:57 Uhr
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Aktualisiert: 18:11 Uhr
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«Tariff Man» («Zollmann») Donald Trump sorgt mit immer neuen Zolldrohungen für Aufsehen in den Medien.
Foto: Getty Images

Auf einen Blick

  • Trump droht mit neuen Zöllen auf EU-Importe, Märkte reagieren gelassen
  • 25-Prozent-Strafzölle gegen Kanada und Mexiko kommen vielleicht doch
  • Unklare Handelspolitik sorgt für Unsicherheit bei Handelspartnern, Gefahr der ungewollten Eskalation
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Gabriel KnupferRedaktor Wirtschaft

Es ist ein Doppelpack à la Donald Trump (78): Am Mittwoch drohte der US-Präsident mit Zöllen in Höhe von 25 Prozent auf Waren aus der EU. Am Donnerstagmorgen legte er auf seinem Kurznachrichtendienst Truth Social nach – und sagte an die Adresse von Kanada und Mexiko gerichtet, dass die bisher ausgesetzten Strafzölle auf Waren in der Höhe von 25 Prozent am 4. März in Kraft treten werden. Und gegen China solls zusätzliche Strafzölle in der Höhe von 10 Prozent geben.

An der Börse sorgte die neueste Drohung am Donnerstag für keine Reaktion der Anleger. Sie sind relaxed – warum auch nicht? Denn bisher liess Trump seinen Worten kaum Taten folgen. Eine Ausnahme ist China. Die USA verhängten am 1. Februar Strafzölle auf alle chinesischen Importe von zusätzlich 10 Prozent. Dennoch spricht vieles dafür, dass Trump in erster Linie blufft, um die Handelspartner unter Druck zu setzen.

Verwirrung um Startdatum

Ein Beispiel sind die Strafzölle von 25 Prozent auf Waren aus Kanada und Mexiko, die Trump Anfang Februar ankündigte. Kurz darauf wurden sie nach Zugeständnissen für 30 Tage ausgesetzt. Am Mittwoch hiess es noch, die Strafzölle sollen erst im April kommen. Jetzt könnten sie nach Trumps neusten Äusserungen angeblich am 4. März in Kraft treten.

Die kanadische Regierung wartet ab. Kanada werde reagieren, wenn Trump das Dekret für die Zölle unterzeichnet habe, sagte Innovationsminister Francois-Philippe Champagne (54).

Unklare Handelspolitik

Die Märkte lassen sich von Trumps Drohungen nicht mehr ins Bockshorn jagen. «Vor ein paar Monaten waren die Zölle das Hauptthema. Jetzt schenkt ihnen der Markt keine Beachtung mehr», sagte Marija Veitmane, leitende Aktienanalystin bei der US-Grossbank State Street. «Fast 40 Prozent der Volatilität an den Aktienmärkten liessen sich mit dem Thema Handelskrieg erklären. Jetzt sind es nur noch weniger als 2 Prozent», so die Expertin letzte Woche gegenüber Reuters.

Niemand weiss zum heutigen Zeitpunkt, wann und in welcher Form die USA Zölle verhängen werden. Und auch die Ziele von Trumps Handelspolitik insgesamt sind unklar. Die Anleger glauben aber nicht mehr daran, dass es zu einem globalen Handelskrieg kommt, in dem sich die USA und ihre Handelspartner gegenseitig mit Zöllen überziehen.

Trump weiss selber, dass eine Eskalation nicht im Interesse der USA wäre. Führt er tatsächlich flächendeckend hohe Zölle ein, werden die US-Konsumenten unter höheren Preisen leiden. Und die Gegenmassnahmen der Handelspartner könnten die US-Wirtschaft ebenfalls hart treffen. 

Nächster Handelsstreit mit der EU

Klar ist aber: Einige Zölle muss Trump einführen, wenn er die Drohkulisse glaubwürdig aufrechterhalten will. Dabei besteht immer die Gefahr einer ungewollten Eskalation. Schon in Trumps erster Amtszeit (2017 bis 2021) gab es einen Handelsstreit mit der EU. Unter anderem verhängte Trump Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus fast allen Ländern.

Diese Zölle hat der US-Präsident in verschärfter Form ab dem 12. März wieder in Kraft gesetzt. Es ist zu erwarten, dass die EU wie schon 2018 erneut mit gezielten Sonderzöllen auf US-Produkte reagieren wird.

«Albtraum» für die Schweizer Industrie

Für Schweizer Unternehmen sei dieses Umfeld der Unsicherheit ein «Albtraum», kritisierte Swissmem-Präsident Martin Hirzel (55) an der Jahresmedienkonferenz der Schweizer Tech-Industrie. «Die für uns wichtige Verlässlichkeit des staatlichen Handels und die Planungssicherheit hinsichtlich der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen haben sich in Luft aufgelöst.»

Zwar scheint Trumps Säbelrasseln vor allem Verhandlungstaktik. Trotzdem ist die Unsicherheit Gift für die Wirtschaft. Und gerade die exportorientierte Schweiz ist auf einen funktionierenden Welthandel angewiesen.

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