Arbeitgeber unter Lupe
Jede zehnte Bewerbung landet im Nirwana

Bewerbungsprozesse in der Schweiz weisen laut einer Studie erhebliche Lücken auf. Mangelnde Cybersicherheit und träge Reaktionszeiten sind Hauptkritikpunkte. Es geht auch anders: Ein Versicherer wird als bester Recruiter gekürt.
Publiziert: 02.04.2025 um 16:49 Uhr
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Aktualisiert: 02.04.2025 um 22:44 Uhr
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Heute bewerben sich viele online.
Foto: IMAGO/peopleimages.com

Darum gehts

  • Studie zeigt Mängel in Bewerbungsprozessen bei Schweizer Unternehmen
  • Cybersicherheit und Reaktion auf Interessentenanfragen sind oft unzureichend
  • 59 Prozent der Unternehmen antworten nicht auf Anfragen von Interessenten
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Jean-Claude RaemyRedaktor Wirtschaft

Hast du auf eine Bewerbung schon mal gar keine Antwort erhalten? Fehlen dir in Stelleninseraten Angaben zur Kontaktperson oder zu allfälligen Benefits? In mühseligen Bewerbungsprozessen liegen bei Arbeitssuchenden oft die Nerven blank. Dabei ist ein kühler Kopf zentral im Kampf um die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die Studie «Best Recruiters» erscheint seit 2013 jährlich und kürt die besten Recruiter, analysiert aber auch generell die Bewerbungsprozesse. Dies anhand von 330 Einzelkriterien in 10 Kategorien. Die wesentlichen Erkenntnisse der diesjährigen Studie sind teilweise ernüchternd.

Kein Interesse an Interessenten

Diese stellt zum Beispiel grosse Lücken in Bezug auf die Cybersicherheit fest. In Zeiten, in denen sich viele online für einen Job bewerben, ein gravierender Mangel. Nur 6 Prozent der Karriere-Websites seien technisch gegen Datenabgriff abgesichert. Wichtige Massnahmen wie Security Header oder verschlüsselte Verbindungen fehlen meist. So ist der Datenschutz kaum gewährleistet. Und es ist bekannt, dass Betrüger zunehmend Recruiter ins Visier nehmen und versuchen, via Bewerbungen an Personendaten zu kommen.

Unbefriedigend ist auch die Behandlung von Interessenten-Anfragen. Für die Studie schrieb ein fiktiver 17-Jähriger eine E-Mail mit der Bitte um Kennenlern- und Schnuppermöglichkeiten für erste Berufserfahrungen oder eine Lehrstelle, mit Verweis auf eine Vermittlung durch das RAV (Regionale Arbeitsvermittlung). 59 Prozent der Unternehmen antworteten nicht, nur 29 Prozent reagierten innerhalb von drei Werktagen.

Immerhin: Vier von zehn Bewerbungen wurden innerhalb von einem bis drei Werktagen abgeschlossen – ein kleiner Anstieg um zwei Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Abschluss bedeutet hierbei eine Absage oder eine Einladung in die nächste Runde. Ebenfalls leicht, um einen Prozentpunkt, gestiegen ist der Anteil Bewerbungen mit einem Abschluss innerhalb von vier bis zehn Werktagen. Der Anteil jener Bewerbungen, die gar nicht abgeschlossen wurden, ist im Vergleich zum Vorjahr mit 11 Prozent stabil.

Schwächen in der Social-Media-Interaktion

Auffällig ist ferner der Vormarsch von Social Media für die Anwerbung von Mitarbeitern. Auf Instagram haben 49 Prozent der Arbeitgeber ein Profil für Recruiting-Zwecke angelegt. Tiktok wird von 17 Prozent der Arbeitgeber genutzt. Diese beiden Kanäle haben zugelegt. X (vormals Twitter) hingegen ist nur noch bei 6 Prozent der Arbeitgeber im Einsatz. Am weitesten verbreitet für Recruiting ist Linkedin, mit einer Quote von 94 Prozent.

Aber: Die Arbeitgeber versäumen es, auf Kommentare ihrer Community zu reagieren. Die Interaktionsrate auf Social-Media-Plattformen bewegt sich zwischen 6 Prozent auf Instagram und 9 Prozent auf Linkedin. So holt man Bewerber der Gen Z nicht ab. Auch wenn 72 Prozent der Karriere-Websites und jede fünfte Stellenanzeige inzwischen Videoinhalte einsetzen. Studienleiter Christian Pasteka hält fest, dass der gezeigte Video-Content Relevanz für die Bewerbenden aufweisen sollte: «Ein Image-Video, das nichts mit dem Job zu tun hat, bekommt nur kurz Aufmerksamkeit.»

Wer machts am besten?

Die Studie kürt auch die Unternehmen mit den besten Bewerbungsprozessen. Die Top-Ten-Rangliste wollen wir natürlich nicht vorenthalten:

  1. Helsana Versicherungen
  2. Migros Bank
  3. Graubündner Kantonalbank
  4. Promea Sozialversicherungen
  5. Helvetia Versicherungen
  6. Migros-Genossenschafts-Bund
  7. Universitäts-Kinderspital Zürich
  8. Hilti
  9. Bell Food Group
  10. SBB

Vorjahressieger Migros Bank wurde auf Platz zwei verwiesen. Die Helsana lag im Vorjahr noch auf Platz fünf. Auffällig: Gleich drei Versicherer sind in den Top Five.

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