Das Spiel
Ein Nachtreten, das für Diskussionen sorgt. Choreos, Rauch. Alu-Pech für GC bei einem traumhaften Volley aus 30 Metern. Und dann das Pfosten-Glück für den FCZ. Es ist viel Zunder drin im 289. Zürcher Derby. Zehn Minuten in dieser Partie fassen die Stimmungslage der beiden Teams gut zusammen. In der 58. Minute zieht GC-Persson per Volley von weit ausserhalb des Strafraums ab, der Ball fliegt wie ein Geschoss Richtung FCZ-Tor und knallt dann in der Nähe des Lattenkreuzes ans Gebälk. Ein paar Zentimeter weiter links und es wäre das Super-League-Tor der Runde geworden. Frust bei GC. Wenig später auf der anderen Seite: Krasniqis Kopfball fliegt Richtung GC-Tor, küsst den Pfosten an der Innenseite und landet im Netz (68.). Der FCZ freut sich über die 2:0-Führung. So einfach ist es dann doch nicht mit dem Alu-Glück und -Pech. In der Schlussphase knallt der Schuss von Bojang beim GC-Anschlusstor via Latte ins Tor, die Hoffnung der Hoppers ist zurück. Doch in der 91. Minute vergibt Schmitz die grosse Chance zum Ausgleich. Das war sie, die letzte Chance auf einen Derby-Punkt für GC.
Das Tor
45+2. Minute, 0:1, Jean-Philippe Gbamin: Ex-Hopper Steven Zuber ist hauptbeteiligt am Führungstor. Zuerst erzwingt er den Corner, dann provoziert er mit einem guten Kopfball den Abpraller, den Gbamin zum ersten Treffer seit seiner Unterschrift beim FCZ einschiebt.
68. Minute, 0:2, Bledian Krasniqi: Nach einer Flanke von Chouiar kommt Krasniqi zum Kopfball. Der Ball findet via Pfosten den Weg ins Tor.
82. Minute, 1:2, Adama Bojang: Nun ist die Torumrandung GC hold. Per Knaller via Latte bringt der Gambier in der Schlussphase die Hoffnungen der Hoppers zurück.
Die Stimmen
GC-Verteidiger Benno Schmitz bei Blue zur Szene in der 32. Minute, wo er von Mendy getroffen wird. «Jede Woche sprechen wir hier über den Schiedsrichter. Ich hole aus: Der Spieler blockt schon in der 10. Minute einen Freistoss, den wir schnell ausführen wollen. Das ist bereits eine klare Gelbe Karte, die der Schiedsrichter nicht gibt. Und die Szene danach ist für mich dann eine ganz klare Tätlichkeit. Der Ball war weit weg, er läuft mir hinterher, tritt mir mit der offenen Sohle in die Wade. Entschuldigung, worüber sollen wir diskutieren? Wir haben Videoschiedsrichter, wenn es schon die Schiedsrichter auf dem Feld nicht sehen oder sehen wollen. Einfach ärgerlich.» Fühlt man sich benachteiligt? Schmitz: «Definitiv. Ich kann Spiele in der ganzen Saison aufzählen, wo es wirklich gegen uns läuft. Ich denke mal, nicht beabsichtigt. Aber es ist wirklich sehr bitter und ärgerlich, dass wir jedes Wochenende über dieses Thema diskutieren.»
GC-Trainer Tomas Oral bei Blue: «Die Emotionen herausgenommen: Wir waren heute nicht bereit, ein Derby so zu bestreiten, wie man es bestreiten muss. Wir hatten schon von Anfang an Probleme in verschiedenen Phasen. Am Ende des Tages muss ich mir das selbst ankreiden.» Und die Szene mit Mendy und Schmitz (32.)? Oral: «Ich habe die Bilder nicht gesehen. Aber: Es geht darum, wie wir heute aufgetreten sind. Der Gegner war reifer und hat mit den Verpflichtungen von Zuber und Gbamin richtig Qualität dazugekommen. Sie bilden eine Achse und sind Führungsspieler. Aber wir sind nicht so aufgetreten, wie man ein Derby spielen muss. Ich bin absolut enttäuscht heute.»
Der Beste
Bledian Krasniqi ist der Mittelfeldmann, der GC im Derby den Stecker zieht. Im Mittelfeld ordnet der 23-Jährige das Spiel des Favoriten, und in der 68. Minute verschafft er dem FCZ mit seinem Kopfballtor zum 2:0 den kursweisenden Vorteil. Dass er sich im Luftduell gegen den 17 Zentimeter grösseren Verteidiger Tsiy Ndenge durchsetzt, spricht für sein Timing bei der perfekten Flanke Chouiars. Mit zehn Skorerpunkten in 25 Super-League-Spielern gehört das FCZ-Eigengewächs zu den Gewinnern der aktuellen Saison.
Der Schlechteste
Einmal mehr genügt Benjamin Mendy den Ansprüchen nicht. Nach 45 mässigen Minuten und einem Nachtreten gegen Benno Schmitz (32.) ist für den früheren Millionen-Mann vorzeitig Dienstschluss. Einziger Pluspunkt: Er leitet mit seinem Corner das 1:0 von Jean-Philippe Gbamin ein.
Das gab zu reden
Der Tritt des Weltmeisters. Benjamin Mendy steht nach vier Teil-Einsätzen und einigen Unebenheiten zum ersten Mal seit seiner Ankunft in Zürich in der FCZ-Startformation und leistet sich in der 32. Minute einen veritablen Aussetzer. Nach einem Foul von Gegenspieler Benno Schmitz setzt der Franzose zum unmittelbaren Revanche-Foul an. Über Rot hätte sich der Verteidiger mit prominenter Vergangenheit in England nicht beschweren dürfen.
Die Schiris
Luca Cibelli ist im lange nicht allzu hektischen Derby nach knapp einer halben Stunde erstmals gefordert. Das Nachtreten von Mendy sanktioniert der Schiedsrichter mit Gelb. Der VAR schaltete sich nicht ein, weil das Foul Mendys gemäss Blue-Schiedsrichter-Experte Klossner keine grobe Unsportlichkeit gewesen sei und somit kein klarer Fehlentscheid vorliege: «Für eine Tätlichkeit braucht es übermässige Härte oder Brutalität.»
Die Fans
21’497 Zuschauer füllen den Letzigrund – die höchste Zahl im vierten Saison-Duell. Die beiden Lager ziehen sich gegenseitig mit Choreo-Botschaften auf. Die Anhänger der Hoppers erinnern ihre Widersacher daran, dass GC zehn Jahre vor dem Erzrivalen gegründet worden sei (1886). Die FCZ-Fans lassen mit ihren Transparenten die wilden und erfolgreichen Geschichten der letzten 20 Jahre aufleben: unter anderem den Meistertanz des früheren Präsidenten Sven Hotz. Steven Zuber erlebt ein relativ ruhiges Wiedersehen mit den Anhängern seines Jugend-Klubs.
So gehts weiter
Englische Woche in der Super League. Bereits am Mittwoch empfängt der FCZ im Letzigrund Lausanne (20.30 Uhr). GC gastiert am Donnerstag in Basel (20.30 Uhr).
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
---|---|---|---|---|---|
1 | Servette FC | 30 | 9 | 51 | |
2 | FC Basel | 29 | 28 | 49 | |
3 | BSC Young Boys | 30 | 11 | 49 | |
4 | FC Lugano | 30 | 5 | 48 | |
5 | FC Luzern | 29 | 8 | 47 | |
6 | FC Zürich | 30 | 1 | 46 | |
7 | FC Lausanne-Sport | 30 | 5 | 41 | |
8 | FC St. Gallen | 29 | 1 | 39 | |
9 | FC Sion | 30 | -7 | 35 | |
10 | Yverdon Sport FC | 30 | -18 | 32 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 29 | -12 | 27 | |
12 | FC Winterthur | 30 | -31 | 23 |