Reideborn-Fehlgriff bringt SCB in Not
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Fribourg – SC Bern 2:1:Reideborn-Fehlgriff bringt SCB in Not

Siegen oder fliegen
Wie will der SCB das Ding gegen Fribourg noch drehen?

Wo ist Byron Ritchie, wenn man ihn braucht? Seit 2013 hat der SCB keine Playoff-Serie mehr nach einem 1:3-Rückstand gedreht. Und seit 2019 keine mehr gewonnen.
Publiziert: 22.03.2025 um 14:45 Uhr
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Byron Ritchie war gegen Servette der Retter, als der SCB 2013 letztmals einen 1:3-Rückstand drehte.
Foto: freshfocus
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Stephan RothStv. Eishockey-Chef

Gottéron hat drei Match-Pucks für den Einzug in den Halbfinal, während sich der SCB keine weitere Niederlage mehr erlauben kann, wenn man die Saison nicht mit einer grossen Enttäuschung beenden will. Der SCB ist gefordert. Der letzte Sieg in einer Playoff-Serie liegt bereits sechs Jahre zurück, als man Zug im Final 4:1 bezwang.

Was spricht noch für die Berner? Eigentlich nur zwei Dinge. Der Trend: Die Berner haben sich in den letzten Spielen gesteigert, auch wenn sie am Donnerstag trotz Dominanz und massiven Chancen-Plus in Fribourg (1:2) verloren haben. Offensiv kam der SCB viel besser zur Geltung als zuvor, auch wenn Captain Ramon Untersander bemerkte: «Und doch haben wir nur ein Tor geschossen. Da haben wir schon noch Potenzial.»

Zudem spricht die Ruhe und Zuversicht, welche Trainer und Mannschaft trotz 1:3-Rückstand ausstrahlen, für den SCB. Oder ist das alles Fake? Heute Abend wird man sehen, ob der Glauben an die Wende echt ist oder nur gute Schauspieler am Werk sind.

Jemand muss in die Ritchie-Rolle schlüpfen

Dass eine Serie, die 3:1 steht, noch auf den Kopf gestellt wird, ist eine Seltenheit. In der Schweizer Playoff-Geschichte gab es das erst 13-mal. Letztmals 2022, als erst der HCD die SCRJ Lakers noch niederrang und dann der EVZ, der im Final nach einem 0:3-Rückstand die Wende aller Wenden aufführte.

13-mal wurde ein 1:3-Rückstand gedreht
  • Final 2022: Zug – ZSC Lions 4:3 nach 0:3
  • Viertelfinal 2022: SCRJ Lakers – Davos 3:4 nach 3:0
  • Viertelfinal 2013: Bern – Servette 4:3 nach 1:3
  • Viertelfinal 2013: ZSC Lions – Davos 4:3 nach 1:3
  • Final 2012: Bern – ZSC Lions 3:4 nach 3:1
  • Viertelfinal 2010: Servette – Fribourg 4:3 nach 1:3
  • Halbfinal 2009: Davos – Fribourg 4:3 nach 1:3
  • Viertelfinal 2008: Zug – Davos 3:4 nach 3:0
  • Viertelfinal 2007: Davos – ZSC Lions 4:3 nach 1:3
  • Viertelfinal 2007: Zug – Rapperswil-Jona 4:3 nach 0:3
  • Viertelfinal 2006: Lugano – Ambri 4:3 nach 0:3
  • Halbfinal 2004: Lugano – ZSC Lions 4:3 nach 1:3
  • Final 2001: Lugano – ZSC Lions 3:4 nach 3:1
  • Final 2022: Zug – ZSC Lions 4:3 nach 0:3
  • Viertelfinal 2022: SCRJ Lakers – Davos 3:4 nach 3:0
  • Viertelfinal 2013: Bern – Servette 4:3 nach 1:3
  • Viertelfinal 2013: ZSC Lions – Davos 4:3 nach 1:3
  • Final 2012: Bern – ZSC Lions 3:4 nach 3:1
  • Viertelfinal 2010: Servette – Fribourg 4:3 nach 1:3
  • Halbfinal 2009: Davos – Fribourg 4:3 nach 1:3
  • Viertelfinal 2008: Zug – Davos 3:4 nach 3:0
  • Viertelfinal 2007: Davos – ZSC Lions 4:3 nach 1:3
  • Viertelfinal 2007: Zug – Rapperswil-Jona 4:3 nach 0:3
  • Viertelfinal 2006: Lugano – Ambri 4:3 nach 0:3
  • Halbfinal 2004: Lugano – ZSC Lions 4:3 nach 1:3
  • Final 2001: Lugano – ZSC Lions 3:4 nach 3:1

Dem SCB gelang dies nur einmal in seiner ruhmreichen Geschichte: Auf dem Weg zum Meistertitel 2013 unter Antti Törmänen und dessen Assistenten Lars Leuenberger, der jetzt an der gegnerischen Bande das Kommando hat. Damals lag man gegen Servette 1:3 zurück und gewann danach dreimal: 2:1 n.V., 4:3 n.P. und 4:1. Dabei nahm der Kanadier Byron Ritchie die Hauptrolle ein. Im Game 5 erzielte er den Overtime-Treffer, in Game 6 in Genf machte er mit zwei Treffern im Schlussdrittel aus einem 1:3 ein 3:3. Und im entscheidenden letzten Spiel stellte er die Weichen mit dem 1:0. Wo ist Ritchie jetzt, wenn man ihn braucht? Er ist inzwischen 47 Jahre alt und hat seine Karriere vor acht Jahren in Schweden beendet.

Jemand anders muss die Rolle des Retters übernehmen. Mit lediglich zwei Toren (und keinem Assist) ist Miro Aaltonen bisher der beste Skorer der Berner.

Häman Aktell wäre eine Alternative

Aus der damaligen Wende-Mannschaft sind mit Joël Vermin, der damals Ritchies Treffer in der Verlängerung assistierte, Tristan Scherwey und Samuel Kreis drei Spieler im Berner Team – und mit Christoph Bertschy einer bei Fribourg. «Jetzt spielen wir zu Hause und holen den nächsten Sieg», so die Ansage Scherwey am Donnerstagabend.

DCX STORY: doc7zuyz57n70p7xnue240 [Interview Scherwey korrigiert]

Hat auch SCB-Trainer Jussi Tapola schon einmal eine 1:3-Serie gedreht? «Ja», antwortet der Finne trocken. Und wie macht man das? «Man geht einfach raus und gewinnt das nächste Spiel. So funktioniert das.» Der Coup gelang dem 50-Jährigen in seiner ersten Saison als Headcoach von Tappara Tampere vor zehn Jahren. Sein Team drehte damals die Halbfinal-Serie gegen Lukka Rauma, scheiterte dann aber im Final in sieben Spielen an Kärpät Oulu.

Nach der bitteren Niederlage vom Donnerstag attestierte Tapola Goalie Adam Reideborn, dass er grossartig gespielt habe, obwohl der Schwede beim 1:2 von Bertschy bös daneben gegriffen hatte. Setzt er wieder auf Reideborn oder gibt es sonst eine Änderung auf den Ausländer-Positionen? Zumindest hätte er nun wieder eine Alternative zur Verfügung. Der zuletzt verletzte Verteidiger Hardy Häman Aktell machte im freiwilligen Training am Freitag einen spritzigen Eindruck, als ihn Assistenzcoach Christer Olsson auf dem Eis herumhetzte, und sagte danach, dass er sich gut fühle. Topskorer Austin Czarnik, der die beiden letzten Partien verletzt verpasste, stand allerdings nicht auf dem Eis.

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