Darum gehts
Chancenlos im Viertelfinal gegen den HC Davos: Erstmals in der Ära (2018–2025) von Trainer Dan Tangnes verpassen die Zuger den Einzug in den Playoff-Halbfinal. «Das ist nicht akzeptabel», so die erste Reaktion von Sportchef Reto Kläy unmittelbar nach der vierten Pleite gegen die Bündner, «wir müssen über die Bücher.»
Was man darin finden müsste? Kapitel zu Themen wie Leistungsfähigkeit, Entschlossenheit, Leaderqualitäten, Aufopferungsbereitschaft, Erwartungserfüllung, Konstanz, Selbstvertrauen. In diesen Bereichen haben die Zuger nicht erfüllt. «Wir sind ausgeschieden, ohne jemals unserem Potenzial nahegekommen zu sein», bringt es Lino Martschini auf den Punkt. Der Stürmer gehört zu jenen Leistungsträgern, die in den Playoffs nicht mehr zur Geltung gekommen sind. Er redet von einem Kollektivversagen.
Die Gründe für das krachende Scheitern des EVZ im Viertelfinal
Immenser Leistungsabfall
Zu keinem Zeitpunkt erkämpft sich die Mannschaft Zugriff auf diese Viertelfinalserie. Manchmal wird man das Gefühl nicht los, sie ergebe sich ihrem Schicksal. Reisser? Leader? Keiner tritt vor. Einzelkritik ist daher eigentlich unfair. Dennoch ist unübersehbar, dass Spieler wie Martschini, Grégory Hofmann oder Dario Simion nicht in der Lage gewesen sind, wie noch vor einigen Jahren den Unterschied auszumachen. Ein Leistungsabfall.
Schon in der Qualifikation hat der EVZ Probleme mit der Konstanz. Auf Glanzleistungen folgen Tiefpunkte und umgekehrt. Die Achterbahnfahrten kosten mentale Energie. Die fehlt den Zugern im Viertelfinal komplett. «Wir haben gegen eine hungrige, disziplinierte Mannschaft verloren, der man deutlich ansah, dass sie auf einer Mission ist», lautet die erste Kurzanalyse von Trainer Dan Tangnes nach dem letzten Spiel.
Der Norweger hat vor allem vermisst, dass sein Team nie ein starkes Fundament aufgebaut hat, auf das es zurückgreifen kann. Tangnes’ Philosophie beruht jedoch genau darauf, die guten Gewohnheiten so stark zu festigen, dass sie zu Automatismen werden. Doch die Überzeugung der Meisterjahre ist einer Verunsicherung gewichen. Die Widerstandskraft fehlt.
Von den Ausländern kam zu wenig
Da hilft nicht, dass die neuen Ausländer Gabriel Carlsson und Fredrik Olofsson (beide Sd) schon über die ganze Saison Totalausfälle gewesen sind. Das Fachgebiet von Verteidiger Carlsson (1,95 m) sind Puckverluste, Stürmer Olofsson (1,88 m) bleibt trotz Zufallstreffer unsichtbar. Pech ist, dass andere Söldner wie Captain Jan Kovar, Niklas Hansson oder Lucas Bengtsson zur Unzeit angeschlagen oder verletzt sind. Und dass Goalgetter und Provokateur Daniel Vozenilek zu viele Gesichter hat.
Man kommt auch nicht umhin, sich zu fragen, welchen Einfluss der Trainerübergang auf die Verfassung der Mannschaft gehabt hat. Ende November schon kündigt Tangnes aus familiären Gründen seinen Abgang aus Zug an – trotz laufenden Vertrags bis 2026. Zwei Wochen später wird bekannt, dass er an seinem Familien-Wohnort Ängelholm (Sd) den ansässigen Klub Rögle übernimmt. Wiederum zwei Wochen später wird Assistent Michael Liniger (45) als künftiger Headcoach vermeldet. Eine sonderbare Konstellation. Ihnen gelingt es nicht, das Team zur Höchstleistung zu treiben.
Aufhorchen lassen muss die Klubführung Martschinis Reaktion auf die Frage nach der Identität des Zuger Hockeys. «In den letzten Jahren gab es immer eine Antwort darauf.» In diesem Moment nicht mehr.