Darum gehts
- Pirmin Zurbriggen tritt überraschend als Swiss-Ski-Vizepräsident zurück
- Zurbriggens Entscheidungen und Kritik an Kollegen kamen nicht überall gut an
- Frauen-Team holte nach Trainerwechsel nur drei Podestplätze in einer Saison
Was ist genau passiert?
Am 14. April 2011 hält die Spitze des Schweizerische Skiverbands ihre ordentliche Präsidiumssitzung ab. Nach einem völlig normalen Morgen verabschieden sich Präsident Urs Lehmann (55) und Präsidiumsmitglied Urs Winkler (62) um 12.30 Uhr an die Exekutivratssitzung von Swiss Olympic. Kurz danach knallt es im Haus in Muri BE. Denn Pirmin Zurbriggen (62) teilt den übrig gebliebenen, nichts ahnenden Kollegen seinen sofortigen Abgang mit.
Er habe realisiert, dass der Aufwand, um auf nationaler Ebene Veränderungen bewirken zu können, weit über seinem zur Verfügung stehenden Rahmen liege, gibt er danach bekannt. Schnell stellt sich auch die Frage: Ist Zurbriggen das Opfer eines internen Hahnenkampfs mit Boss Urs Lehmann? Der Abfahrtsolympiasieger von 1988 sei zunehmend frustriert gewesen in seiner Rolle als Nummer zwei. Der fünffache Familienvater und Hotelier war sich gewohnt, selbst entscheiden und handeln zu können. Das Gefühl, nichts oder viel zu wenig bewegen zu können, hätte ihn zermürbt.
In der Abgangsmitteilung gibt Swiss-Ski bekannt, dass man den Abgang Zurbriggens bedauere. Im Hause Swiss–Ski finden sich aber nur wenige, die nach Zurbriggens Rücktritt Tränen vergossen haben. Denn: Zurbriggen und seine Entscheidungen kamen nicht überall gut an. So machte er sich im Jahr 2010 gegen Frauen-Boss Hugues Ansermoz (61) und für Mauro Pini (60) stark. Weil nicht alle Kollegen in der Führungsetage auch wollten, drohte Zurbriggen angeblich mit seinem Rücktritt. Folge: Ansermoz wurde abgesägt, Pini kam ins Amt. Die Resultate fielen aber deutlich schlechter aus, den ganzen Winter durch holten die Frauen disziplinenübergreifend nur gerade drei Podestplätze.
Auch seine Giftpfeile in Richtung Männer-Cheftrainer Martin Rufener (66), er sei nie bei einem FIS-Rennen anwesend, kamen nicht überall gut an. «Ein Cheftrainer hat weiss Gott andere Aufgaben, als bei FIS-Rennen zu sein», lachte Beat Feuz (38) darüber. Böse Zungen behaupteten, dass Zurbriggen Rufener nur deshalb bei den FIS-Rennen sehen wollte, weil dort seine Söhne Pirmin (33) und Elia (34) am Start stehen.
Warum ist das Thema so wichtig?
Weil es sich der Schweizer Skiverband mit dem erfolgreichsten Schweizer Skirennfahrer aller Zeiten verscherzt hat. Und auch weil sich die Beförderung von Mauro Pini als einer der grössten Flops der Swiss-Ski-Geschichte entpuppt. Der Tessiner tritt im Frühling 2012 nach vielen Misserfolgen zurück, die Frauen-Abteilung befindet sich in einer tiefen Krise.
Was ist seither geschehen?
Weil das Tischtuch endgültig zerschnitten ist, wird nach einer Nachfolge gesucht. Diese findet man in Florence Koehn (63). Die Präsidentin von Ski-Romand komplettiert das siebenköpfige Team und wird zur ersten Frau im Präsidium der Swiss-Ski-Geschichte. Zurbriggen konzentriert sich fortan auf sein Amt beim Walliser Skiverband, seine beiden Hotels und seine Familie.
Die neue Reihe «Blick zrugg» erzählt historische Momente der Schweiz seit der Gründung von Blick 1959 in neuer Form. Wir zeigen dir, was damals passiert ist und wie der Blick darüber berichtet hat. Gleichzeitig ordnen wir das Geschehnis ein und bilden ab, was sich seither getan hat.
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