Darum gehts
- Werner Schlegel verletzt sich am Rheintal-Oberländer Verbandsschwingfest am linken Fuss
- Samuel Giger gewinnt das Schwingfest – leidet aber mit seinem Kollegen mit
- Wie lange der Spitzenschwinger ausfällt, ist noch unklar
Plötzlich hört man nur noch die Regentropfen. Entsetzt blicken die rund 3000 Zuschauer am Rheintal-Oberländer Verbandsschwingfest auf Platz vier. Dort liegt der Eidgenosse Werner Schlegel (22) auf dem Rücken. Sein schmerzverzerrtes Gesicht macht Sorgen.
Sekunden später humpelt der Schwarzsee-Sieger des Vorjahrs aus dem Sägemehlring. Gestützt wird er von seinem Bezwinger Dominik Gasser (25). Bei einem Angriff des Berners knickte Schlegel nach hinten weg. Für den gelernten Zimmermann ist das Schwingfest vorbei.
Starker Auftritt vor dem Mittag
Sofort wird spekuliert: Ist es das Knie? Oder der Fuss? Die Antwort liefert ein Betreuer der Nordostschweiz. Gegenüber Blick erklärt dieser, dass es sich wohl um eine Bänderverletzung im linken Fuss handelt. Das Eidgenössische Schwingfest Ende August in Mollis GL sei nach ersten Abklärungen nicht in Gefahr.
Für genauere Untersuchungen wurde der Toggenburger zu einem Sportarzt in die Sportklinik St. Gallen geschickt. Ein MRI soll in den nächsten Tagen Klarheit schaffen. Bis zu seiner Verletzung war Schlegel der stärkste Schwinger in Kriessern SG. Die ersten drei Gänge gewann der achtfache Kranzfestsieger innerhalb von weniger als einer Minute.
Im Anschwingen bodigte er den Eidgenossen Martin Hersche (34). Bitter für die Nordostschweizer: Wie Schlegel musste auch Hersche den Wettkampf vorzeitig beenden. Es handle sich aber um keine gravierende Verletzung. Nach der Aufgabe von Schlegel war der Weg zum Festsieg für Samuel Giger (27) frei. Der Thurgauer zog mit fünf Siegen in den Schlussgang ein.
Verletzung als Königs-Vorteil?
Dort griff der Modellathlet mit seinem Klubkollegen Domenic Schneider (30) zusammen. Aber auch der 150-Kilo-Koloss konnte Giger an diesem Tag nicht aufhalten. So durfte sich der Thurgauer mit Siegermuni Vitello fotografieren lassen. Neben den vier Lebendpreisen dürfen sich die restlichen Schwinger auf den Gabentempel im Wert von ungefähr 150'000 Franken freuen.
Nach dem Erfolg am Lichtmess-Schwinget Anfang Februar war es für Giger der zweite Triumph in diesem Jahr. Wie bereits in Gais AR litt er auch in Kriessern mit seinem Kollegen Schlegel mit. Damals blieb dem Toggenburger im Schlussgang der Atem weg. Diesmal ist es deutlich ernster. «Ich stand am Sägemehlrand, als sich Werner verletzt hat. Das sind unschöne Bilder.» Nun hofft Giger wie alle Schwing-Fans, dass Schlegel nicht allzu lange ausfällt.
Zuversichtlich stimmt die Reaktion von Schlegel nach dem Unfall. «Er nahm das alles sehr gefasst auf. Ich hatte nicht das Gefühl, dass er geknickt war», erzählt eine enge Bezugsperson des Spitzenschwingers.
Im Lager der Nordostschweiz versucht man bereits das Positive in der Verletzung zu sehen. So glauben gewisse Funktionäre, dass ein späterer Saisonstart sogar von Vorteil sein könnte. Schlegel würde erholter nach Mollis reisen als die Konkurrenz. Vielleicht erweist sich diese Verletzung also tatsächlich noch als Glücksfall auf dem Weg zum Königstitel.