Blick begleitet eine unangekündigte Tierschutz-Kontrolle
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Letzte Reise zum Schlachthof:Blick begleitet eine unangekündigte Tierschutz-Kontrolle

Gewerbler starten provokante Kampagne mit Nuggis
Metzger Vogt will keine «Staats-Nanny»

Schweizer Gewerbler lancieren eine Kampagne, um gegen zunehmende staatliche Eingriffe zu protestieren. Auch der Ostschweizer Metzger Michael Vogt ist an vorderster Front dabei. Gegen ein Fleischverbot posiert er selbst mit Nuggi im Mund.
Publiziert: 04.04.2025 um 18:17 Uhr
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Aktualisiert: 04.04.2025 um 18:43 Uhr
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Metzger Michael Vogt setzt sich vehement gegen Fleisch-Regulierungen ein.
Foto: Hinterhof Metzgerei

Darum gehts

  • Metzger Michael Vogt will über Fleisch aufklären und nachhaltigen Konsum fördern
  • Verbände lancieren Kampagne gegen Bevormundung durch den Staat
  • Vogt übernahm vor viereinhalb Jahren einen stillgelegten Schlachthof in Staad SG
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Joschka SchaffnerRedaktor Politik

Metzger Michael Vogt (47) will über Fleisch aufklären. Denn die Schweizerinnen und Schweizer essen am liebsten nur Filet. «Ich will den Menschen wieder zeigen, dass das ganze Tier wertvoll ist», sagt Vogt.

Nachhaltiger soll der Fleischkonsum werden – er soll aber auf keinen Fall reguliert werden, findet der Ostschweizer. Aufklären soll man, nicht bevormunden. Dafür steht er hin, vor den Medien und auf Plakaten. Auf Letzteren schaut der bärtige Fleischer grimmig in die Kamera. Auf dem Kopf trägt er seine markante Dächlikappe, in seinem Mund steckt ein gelber Nuggi. «Steaks bald verboten?» steht gross daneben.

Mit Nuggi gegen die Bevormundung

Die Gewerbler in der Schweiz fühlen sich bemuttert. Die Politik setze immer mehr auf Verbote. «Bin kein Baby», rufen Gewerbeverband (SGV), Gastrosuisse und die Swiss Retail Federation, der Verband der Detailhandelsunternehmen, deshalb. Sie möchten sich wieder wie Erwachsene fühlen.

Am Freitag lancierten die Verbände ihre Kampagne gegen den «Nanny State», den Bevormundungsstaat. Den Bürgerinnen und Bürger würde bald vieles weggenommen, warnen sie. Schottergärten, Feuerwerk, Kirchenglocken, Autofahren, Alkohol, Zucker und Fleisch – um nur einiges zu nennen. Auch das geplante Werbeverbot in Zürich ist den Initianten ein Dorn im Auge.

Als Quereinsteiger zum Steak-Fachmann

Neben Michael Vogt stehen auch der Bäckermeister Jean-François Leuenberger (61), SGV-Vizepräsidentin Daniela Schneeberger (57) und Babette Sigg (62), Präsidentin des Konsumentenforums hinter der Kampagne.

«Wir wollen die Schweizer Konsumenten mit der Kampagne aufrütteln», sagt etwa Schneeberger. «Die Wahlfreiheit wird uns immer mehr genommen», so Sigg. Und Bäcker Leuenberger führt aus, wie die Lebensmittelkontrollen zur Belastung würden und wie der Bund zum Zuckerfeind geworden sei. Das sei fatal für sein Handwerk, sagt Leuenberger.

Auch Michael Vogt ist mit Herzblut dabei, wie er klarstellt. Es gehe ihm aber vor allem ums Fleisch. Der gelernte Offsetdrucker sattelte vor viereinhalb Jahren um, in Staad SG übernahm er einen stillgelegten Schlachthof. Er hat sich besonders auf das Fleisch «alter» Schweizer Mutter- oder Milchkühe und auf spezielle Schnitte festgelegt. Das sei seine Lösung, das Fleischessen in der Schweiz nachhaltiger zu gestalten, sagt Vogt.

«Wir wollen wachrütteln»

Um Lösungen geht es den Verbänden in ihrer Kampagne aber eher weniger. Hauptsächlich wollen sie sich vehement gegen weitere staatliche Eingriffe wehren – egal, ob diese durch eine Volksinitiative, einen Parlamentsentscheid oder direkt durch den Bundesrat in einer Verordnung geschehen.

Auch ob dies nun in den Gemeinden, kantonal oder auf Bundesebene passiert – die Gewerbler unterscheiden dies nicht. So stellt sich unentwegt die Frage: Welcher «Nanny State» ist denn jetzt gemeint?

Die Verbände machen an ihrer Medienkonferenz klar: Mit «Bin kein Baby» soll vor allem provoziert werden. «Wir wollen die Bürgerinnen und Bürger wachrütteln», sagt Daniela Schneeberger. Die Schweizer seien ja grundsätzlich ein «freiheitsliebendes Volk». Die Gewerbler möchten ihnen dies in Erinnerung rufen.

An ein Fleischverbot glaubt auch Vogt nicht

«Wir wollen auch keine demokratischen Entscheide umstossen», sagt Schneeberger – auch im Hinblick auf das Werbeverbot in Zürich oder die kommende Volksabstimmung bezüglich eines nationalen Feuerwerksverbots. Und man habe auch nichts gegen das Rauchverbot in den Beizen oder die Gurttragepflicht im Auto, fügt Konsumentenvertreterin Babette Sigg an. «Es hört einfach mit den Verboten nicht mehr auf und wird immer schlimmer», sagt sie.

«Fleisch wird wohl nicht gerade verboten – aber immer wieder schlechtgeredet», sagt Vogt. «Deshalb müssen wir darüber sprechen.» Denn die Tierhaltung sei wertvoll für den Menschen und die Natur. Der Bund dürfe den Konsum tierischer Produkte also sicher nicht mit Alkohol oder Zigaretten gleichstellen. Für das ist der Steak-Fachmann an diesem Freitag vor die Medien getreten – nicht mehr, nicht weniger.

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