Auf einen Blick
- PUK-Bericht zur Credit Suisse: Isabelle Chassot präsentiert Ergebnisse am Freitag
- Vier PUK gab es bisher, zwei Präsidenten wurden später Bundesräte
- Chassot gilt als potenzielle Kandidatin - mit Bilderbuchkarriere
Am Freitagmorgen werden in Bern alle Augen auf eine Frau gerichtet sein: Isabelle Chassot (59). Die Freiburger Mitte-Ständerätin wird die Ergebnisse der Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) rund um den Untergang der Credit Suisse vorstellen. Chassot hat die Kommission geleitet, die ein mögliches Versagen bei Bund und bei der Finanzmarktaufsicht untersuchte. Es waren anderthalb Jahre harte Arbeit. Das Resultat: ein Ermittlungsbericht, der mehrere Hundert Seiten dick ist.
Vielleicht wird dieser Freitag auch über die weitere Karriere von Isabelle Chassot entscheiden. Wenn ihr Auftritt und ihre Ermittlungstätigkeit überzeugen, dürfte dies ihr Standing in Bern stärken und sie für weitere Ämter qualifizieren. Das zeigt der Blick zurück: Vier PUK gab es in der Schweiz vor der CS-Untersuchung. Zwei Mal wurde ein PUK-Präsident auch Bundesrat.
Zuerst war es der St. Galler CVP-Politiker Kurt Furgler (1924–2008). Der schneidige und rhetorisch begabte Brigadier untersuchte ab 1963 die Beschaffungsaffäre rund um die Mirage-Kampfflugzeuge. Das war nicht zum Nachteil des «Inquisitors»: Ab 1971 sass er im Bundesrat.
SP-Mann Moritz Leuenberger (78) hatte dann ab 1989 den Abgang der gefallenen FDP-Bundesrätin Elisabeth Kopp (1936–2023) zu untersuchen. Er amtete aber auch gleich noch als Aufdecker in der Fichenaffäre und rückte wenige Jahre später in den Bundesrat auf.
Man nannte sie «Königin Isabelle»
Wird der PUK-Bericht auch für Chefermittlerin Chassot zum Karrieresprungbrett? Klar ist: Mitte-Bundesrätin Viola Amherd dürfte nicht mehr jahrelang in Bern bleiben. Und Fakt ist ebenso: Bereits in der Vergangenheit wurde Chassot immer wieder als Bundesratskandidatin gehandelt, etwa als es um die Nachfolge von CVP-Mann Joseph Deiss (78) oder FDP-Doyen Pascal Couchepin (82) ging.
Zumindest auf dem Papier bringt die CVP-Frau alles mit, was man von einer idealen Bundesratskandidatin erwartet. Von Exekutiverfahrung über Einblicke in die Bundesverwaltung bis hin zur guten Vernetzung in Bern. Zweisprachig ist Chassot so oder so: Als Tochter eines Welschen und einer Österreicherin wuchs sie im Kanton Freiburg auf. Mit 26 sass sie bereits im Kantonsrat, dann war sie persönliche Mitarbeiterin der CVP-Bundesräte Arnold Koller und Ruth Metzler.
Bereits mit 41 wurde sie Mitglied der Freiburger Kantonsregierung und präsidierte zeitweise auch die Schweizer Erziehungsdirektorenkonferenz. «Reine Isabelle», zu deutsch: Königin Isabelle, wurde die mächtige und bestgewählte Freiburger Staatsrätin genannt.
Und dann, 2013, folgte ein überraschender Karriereschritt: Ihr Freiburger Bekannter Alain Berset (52) holte sie als Chefin des Bundesamtes für Kultur nach Bern. Niemand hatte mit ihr gerechnet. Schon 2021 kam die nächste Überraschung: Sie verliess den Bund, kandidierte für den Ständerat und schnappte der Freiburger SP den Sitz weg.
Privatleben: unbekannt
Eine Bilderbuchkarriere also. Nur über ihr Privatleben weiss man wenig: Das hält sie strikt aus der Öffentlichkeit. Bekannt ist, dass sie klassische Musik mag und Fan des Hockeyclubs Fribourg-Gottéron ist. Kritiker sagen: Weder als Kulturchefin des Bundes noch als Chefin der Erziehungsdirektorenkonferenz sei sie mit Visionen vorgeprescht.
Tief im Thema war sie nicht, als sie Kulturchefin des Bundes wurde, und auch als PUK-Präsidentin wies sie kein Fachwissen über Banken vor. Man attestiert ihr aber, sich sehr rasch in Dossiers einarbeiten zu können.
Auch in das höchste Schweizer Regierungsamt? Den «Freiburger Nachrichten» sagte sie einst: «Das Bundesratsamt ist für mich weder ein Traum noch ein Albtraum.» Und wenn sich keine Gelegenheit ergebe, sei dies auch nicht so schlimm. Mehrmals betonte Chassot aber auch: Sie beantworte solche Fragen erst dann, wenn sie sich stellen. Vielleicht schon bald?