Krebs-Drama um Thurgauer Kult-Beizer – Freunde starten Crowdfunding
«Um den ‹Anker› zu retten, brauche ich 70'000 Franken»

Der «Anker» in Frauenfeld steht vor dem Aus. Wirt Silvio Reinhard (62) ist schwer krank. Weil er die Miete nicht mehr bezahlen konnte, musste er die Schlüssel des Lokals abgeben. Jetzt kämpfen Stammgäste und Freunde fürs Lokal. Reinhard will sie noch einmal bedienen.
Publiziert: 21.03.2025 um 19:35 Uhr
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Aktualisiert: 22.03.2025 um 13:24 Uhr
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«Eigentlich sollte ich eine dreimonatige Chemotherapie beginnen. Doch zuerst muss ich den ‹Anker› retten», sagt Beizer Reinhard.
Foto: PD

Darum gehts

  • Silvio Reinhard muss Kult-Bar Anker schliessen, kämpft aber für Wiedereröffnung
  • Reinhard leidet an Blasenkrebs, setzt Rettung der Bar vor Behandlung
  • 70'000 Franken benötigt, 20'000 Franken bereits durch Crowdfunding gesammelt
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Patrik BergerRedaktor Wirtschaft

Silvio «Sivel» Reinhard (62) ist Wirt der kultigen Anker-Bar in Frauenfeld TG. Seit 34 Jahren führt er das Lokal an der Zürcherstrasse 212. Er lebt für den «Anker» und für seine Gäste. «Wir sind wie eine Familie, alle per du», sagt er im Gespräch mit Blick. «Bei mir verkehren alle, vom Banker über den Rocker oder Büezer bis zum Stadtammann», sagt er. Probleme gebe es nie. «Im ‹Anker› kann auch um 1 Uhr morgens eine Frau allein noch kurz ein Bier trinken kommen. Wir haben es einfach friedlich zusammen.» 365 Tage im Jahr.

Doch damit ist plötzlich Schluss. Reinhard steht vor einem Scherbenhaufen, sein «Anker» ist geschlossen. Ein Konkursverfahren läuft. Für Reinhard, der schwer an Blasenkrebs erkrankt ist, ist das ein persönliches Drama: «Der ‹Anker› ist mein Leben. Es zerreisst mir das Herz», sagt er zu Blick. Mit seiner Erkrankung geht er offen um. «Das wissen in Frauenfeld sowieso alle», meint er. Und führt aus: «Eigentlich sollte ich eine dreimonatige Chemotherapie beginnen. Doch zuerst muss ich den ‹Anker› retten, dann schaue ich zu mir.» 

Einnahmen decken die Kosten nicht mehr

Seit Oktober 2024 konnte Kult-Beizer Reinhard die Miete nicht mehr bezahlen. Ende Februar 2025 musste er deshalb die Schlüssel abgeben. Zur Pleite führten laut Reinhard vor allem Spätfolgen der Corona-Pandemie. Er gibt sich aber auch selbstkritisch und sagt: «Ich habe zu spät auf das veränderte Konsumverhalten der Gäste reagiert.» Er hätte die Öffnungszeiten anpassen sollen, meint er rückblickend. «So hätte ich viel Geld für Personal, Strom und Gas sparen können.» Als er seine Fehleinschätzung im Sommer 2024 bemerkt hatte, war es schon zu spät. «Die Einnahmen haben die Kosten längst nicht mehr gedeckt», sagt er.

Dann wurde Reinhard auch noch versetzt. Eine langjährige Bekannte stellte ihm Geld aus einem Erbvorbezug in Aussicht. «Damit hätte ich die ausstehenden Mieten bezahlen können», sagt er. Doch er wurde immer wieder vertröstet. Monatelang. Bis er auf dem Spitalbett merken musste: «Das versprochene Geld kommt nie. Ich wurde brandschwarz angelogen. Dabei hat die Bekannte auch vor Gästen immer wieder gesagt, dass sie mir helfen wird.» Die Hoffnung auf das zugesicherte Geld hat sich zerschlagen. Anfang März musste Reinhard deshalb Konkurs anmelden, wie die «Thurgauer Zeitung» zuerst berichtet hat.

«Eines Tages werde ich im ‹Anker› sterben»

Doch Reinhard gibt nicht auf. Er hat nur ein Ziel: «Ich will den ‹Anker› wieder öffnen, meine Gäste bedienen. Lieber heute als morgen», sagt er kämpferisch. Zusammen mit Freunden hat er auf Facebook ein Crowdfounding lanciert (Gruppe Anker Frauenfeld). 70'000 Franken brauche er. «In nur zwei Tagen sind schon 3000 Franken zusammengekommen», freut er sich. Sowie Zusagen in der Höhe von 17'000 Franken. 50'000 Franken fehlen noch zur Wiedereröffnung.

«Ich habe Hunderte Zuschriften und Anrufe bekommen», sagt er. Aus der ganzen Schweiz, auch aus der Motorradszene. «Alle wollen wissen, was mit dem ‹Anker› los ist. Das ist ein sehr schönes Gefühl», sagt der gelernte Gastronom. Der Zuspruch tut Reinhard gut. «Der ‹Anker› ist mein Leben. Eines Tages werde ich im ‹Anker› sterben.» Zuvor will er ihn aber noch einmal eröffnen. Und mit all seinen Freunden sein Comeback feiern.

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