So werden die Kaffeebohnen geröstet
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Einblick in die Rösterei:Hier werden täglich fünf Tonnen Bohnen verarbeitet

Berner Rösterei-Inhaber Reto Burri schlägt Alarm
«Kaffee sollte im Supermarkt 20 bis 30 Franken pro Kilo kosten»

Der stark gestiegene Rohstoffpreis für Kaffee ist eine grosse Herausforderung für Röstereien wie Kolanda-Regina. Inhaber Reto Burri erklärt, wo das Problem liegt – und warum er den Kaffee nicht mit Wasser streckt.
Publiziert: 25.03.2025 um 00:01 Uhr
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Aktualisiert: 25.03.2025 um 13:09 Uhr
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Reto Burri ist seit 2018 Inhaber der Kaffee-Rösterei Kolanda-Regina.
Foto: Thomas Meier

Darum gehts

  • Kaffeerösterei Kolanda-Regina leidet unter gestiegenen Rohstoffpreisen
  • Klimawandel und geopolitische Unsicherheiten treiben Kaffeepreise an der Börse hoch
  • Rösterei produziert 500 Tonnen Kaffee pro Jahr für rund 2000 Kunden
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.

Es rattert und knattert in der grossen Industriehalle. Ein unverkennbarer Duft durchströmt die Luft: Kaffee. In der Rösterei Kolanda-Regina in Burgdorf BE werden pro Tag zwischen vier und fünf Tonnen Kaffeebohnen geröstet und abgepackt. Doch der sprunghaft angestiegene Rohstoffpreis macht es dem Berner KMU unmöglich, die Kosten zu decken.

«Ein Kilo gerösteter Kaffee müsste nochmals 6 Franken teurer sein, damit wir wieder gewinnbringend arbeiten können», sagt Inhaber Reto Burri (50) beim Besuch von Blick. Damit könnte die Rösterei die gestiegenen Kosten decken. Seit November ist der Rohstoffpreis für Arabica-Kaffee an der US-Börse von rund 2,40 auf zum Teil über 4,30 Dollar pro Pfund gestiegen. Die Mehrkosten trägt die Rösterei selbst. Bereits vorher hat der Rohstoffpreis angezogen – wenn auch nicht so stark.

Einerseits beeinträchtigt der Klimawandel den Kaffee-Anbau: In Brasilien, wo 40 Prozent des weltweiten Kaffees angebaut werden, gab es Ende letzten Jahres zu wenig Niederschlag. Andererseits steigt die Nachfrage nach dem Heissgetränk, das immer öfter auch in Asien konsumiert wird.

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«Der Kaffee-Preis an der Börse ist gestiegen, als Donald Trump gewählt wurde.»
Inhaber Reto Burri
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Aber auch die geopolitischen Unsicherheiten – vor allem seit der Wahl von US-Präsident Donald Trump – treiben die Rohstoffpreise an der Börse nach oben. «Der Kaffeepreis an der Börse ist gestiegen, als Trump gewählt wurde. Dann nochmals als er seine Regentschaft begonnen hat – und im Februar wegen der angedrohten Strafzölle. Man sieht ganz genau, wann die Peaks sind», so der Inhaber.

Qualität muss bleiben

Burri gehört seit 2018 die Rösterei Kolanda-Regina. Diese produziert rund 500 Tonnen Kaffee pro Jahr und vertreibt ihre Produkte in der Gastronomie sowie im Care-Bereich an Spitäler oder Altersheime. Ein kleiner Teil verkauft die Rösterei zudem im Detailhandel. Die Preise werden mit den Kunden direkt vereinbart und sind dabei vom Volumen abhängig. «Wir bewegen uns in der mittleren Preisklasse», erklärt Burri. Neben Kolanda und Regina zählen noch zwölf weitere Marken zur Rösterei.

Geröstet wird jeweils von Montag bis Mittwoch. Danach lagert der Kaffee oft noch eine Woche, bevor dieser bei einem der rund 2000 Kunden landet. «Das ist wichtig, damit der Kaffee oder Espresso optimal zubereitet werden kann», erklärt der Experte. Vieles im Betrieb – von der Röstung bis zur Verpackung – läuft automatisiert ab. Die Produktion wurde so optimiert, dass es nur zwei bis drei Personen dafür braucht.

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So sehen die Kaffeebohnen aus, bevor sie geröstet werden.
Foto: Thomas Meier

Dabei gibt es auch Tricks, wie die Herstellung günstiger wird. Wie zum Beispiel das Quenchen – die Zuführung von Wasser – beim Abkühlprozess. «Dies hat aus unserer Sicht negative Folgen auf die Qualität des Kaffees – und ist für uns deshalb keine Option», so Burri. Die Kaffeemischungen von Kolanda-Regina bestehen zum Teil aus bis zu acht verschiedenen Sorten.

Es braucht ein Umdenken

Die Preiserhöhungen bei den Rohstoffen betreffen alle Kaffeeröster gleichermassen. Trotzdem erwartet Burri nicht, dass die Politik viel ausrichten wird – dafür sei das Lobbying zu schlecht. Eine andere Möglichkeit sind die grossen Pflichtlager in der Schweiz. «Diese könnte man nutzen, um den Röster zu helfen», fügt Geschäftsführer Michael Schwarz (56) hinzu, der die operative Führung Mitte 2024 von Burri übernommen hat. So weit sei man jedoch noch nicht.

Im Detailhandel sind die Preise für Kaffee Anfang Februar bereits leicht gestiegen, wie Blick berichtete. Trotzdem gibt es nach wie vor günstige Angebote. «Gewisse Budgetlinien von den grossen Detailhändlern würden ohne Quersubventionierung gar nicht funktionieren», gibt Burri zu bedenken.

Der Inhaber wünscht sich deshalb ein Umdenken beim Konsumenten: «Kaffee ist ein Genussmittel, und man sollte ihn mit grossem Respekt geniessen.» Er hält einen Preis von 20 bis 30 Franken für ein Kilogramm Kaffee im Detailhandel für angebracht.

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«Wir haben es überlebt – jetzt wird es Zeit, dass sich etwas ändert.»
CEO Michael Schwarz
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Wie sich der Rohstoffpreis von Kaffee entwickelt, hängt nun stark von der geopolitischen Lage ab. Burri geht davon aus, dass dieser auf hohem Niveau volatil bleiben wird. CEO Schwarz fügt hinzu: «Die letzten Monate waren nicht einfach. Wir haben es überlebt – jetzt wird es Zeit, dass sich etwas ändert.»

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