Kloten war er nicht mehr gut genug
Die verrückte Geschichte von SCB-Retter Kindschi

Das Toreschiessen ist nicht seine Kernkompetenz. Doch am Sonntagabend schiesst Simon Kindschi zum Playoff-Start den Ausgleichstreffer in Zug, den Tristan Scherwey zum Sieg für den SCB veredelt.
Publiziert: 18.03.2024 um 11:42 Uhr
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Torschütze Simon Kindschi (links) wird nach dem 3:3 gegen Zug von den Bernern Thierry Bader, Samuel Kreis, Colton Sceviour und Simon Moser (von links) gefeiert.
Foto: keystone-sda.ch
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Stephan RothStv. Eishockey-Chef

Plötzlich taucht Verteidiger Simon Kindschi (27) vor Zug-Goalie Leonardo Genoni auf. Der SCB-Verteidiger schiesst und der leicht abgelenkte Puck landet im Tor. Es ist der rettende 3:3-Ausgleichstreffer. Und die Berner gewinnen danach dank Scherweys Treffer, nachdem sie 1:3 zurückgelegen waren, und führen in der Viertelfinal-Serie 1:0.

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Nun ist Kindschi keiner, der das Toreschiessen erfunden hat. 202 NL-Spiele war er ohne Treffer geblieben, ehe er vor etwas mehr als drei Wochen erstmals wieder traf – ebenfalls bei einem wichtigen Sieg für den SCB in Zug. «Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn», sagte er damals ins MySports-Mikrofon. Kecke Sprüche hat er diesmal nicht mehr auf Lager. «Glücklich, dass er reingefallen ist», sagt er lachend. «Das war sehr wichtig.»

Manchmal muss sich der Davoser wohl kneifen. Bis kurz vor Weihnachten spielte er noch für Kloten. Ein Verein, der gegen den Abstieg kämpfte, ehe sich herausstellte, dass es in dieser Saison gar keinen Absteiger geben kann, weil kein Aufstiegsaspirant aus der Swiss League mehr übrig geblieben ist. Wobei, gespielt hatte Kindschi bei den Flughafenstädtern, bei denen er phasenweise in der Swiss League noch Captain gewesen war, nur noch selten. Wenn er nicht überzählig war, bekam er meist nur Eiszeit in winzigen Dosierungen.

So fragte sich mancher: Wie soll einer, der nicht genug für Kloten ist, dem SCB helfen können?

«Vieles hängt davon ab, ob ein Trainer auf dich setzt»

Kindschi half der Umstand, dass er genau ins Verteidiger-Profil passte, das sich SCB-Coach Tapola wünschte: gross (1,92 m) und eben nicht übertrieben am Offensivspiel interessiert. «Ich habe diese Chance bekommen und konnte zeigen, was ich kann», sagt Kindschi. «Es ist sehr gut gelaufen in den ersten Spielen und dann bekommt man Vertrauen und kann wieder mehr spielen.»

Wie kam es dazu, dass der Mann, der mit seinem Stammklub HCD 2015 Meister als 18-Jähriger unter Del Curto Meister wurde, in Kloten aus dem Team rutschte? «Ich weiss nicht, ob ich nach dem Aufstieg etwas länger gebraucht habe, um mich wieder an das Spiel in der National League zu gewöhnen. Und das hat sich dann fortgesetzt. Vieles hängt davon ab, ob ein Trainer auf dich setzt oder nicht.»

In der Swiss League hatte sich Kindschi einen Stil angewöhnt, mit dem er jetzt auch unter Tapola keine Chance bekommen würde: Er beteiligte sich am Offensivspiel und buchte einmal 40 Punkte (und 7 Tore) und im Aufstiegsjahr deren 35 (9). In der Endphase in Zug, als der SCB Risiken eingehen musste, entdeckt er seinen Vorwärtsdrang wieder.

«Ich gebe jeden Tag mein Bestes und dann sehen wir, was dabei rausschaut», sagt Kindschi. Beim SCB schaute bald auch ein Vertrag für nächste Saison heraus.

Kindschi ist nicht der einzige Defensivspezialist, der in Zug für den SCB trifft. Das 1:0 geht auf das Konto des schwedischen Türstehers Patrik Nemeth. «Zwischendurch kommen auch wir mal zum Schuss und der Puck landet im Tor», sagt Kindschi. «Wenn es so ist wie diesmal, nehmen wir es umso lieber.»

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3
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52
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52
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