Durchbruch in der Coronavirus-Forschung
Ist das der Schlüssel im Kampf gegen die nächste Pandemie?

Forscher der Universität Bern haben einen neuen Ansatz zur Bekämpfung von Coronaviren entdeckt. Das Nsp1-Protein spielt dabei eine Schlüsselrolle bei der Virusreplikation. Die Ergebnisse könnten die Entwicklung antiviraler Medikamente beschleunigen.
Publiziert: 02.04.2025 um 17:29 Uhr
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Aktualisiert: 03.04.2025 um 09:31 Uhr
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Forscher der Universität Bern haben einen neuen Ansatz zur Bekämpfung von Coronaviren entdeckt.
Foto: Getty Images/Science Photo Library RF

Darum gehts

  • Coronavirus-Forschung: Neuer Ansatz zur Bekämpfung von Viren entdeckt
  • Nsp1-Protein manipuliert Wirtszellen, um Virusproduktion anzukurbeln
  • Entwicklung eines breit wirksamen Medikaments könnte mehrere Jahre dauern
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Daniel MacherRedaktor News

Für die meisten Menschen ist das Coronavirus kaum noch ein Thema. Infektionen nehmen sie gelassen hin. Meist verläuft die Krankheit mild – wenn sie überhaupt erkannt wird. Selbsttests, einst in der Pandemie unverzichtbar, führen Erkrankte heute nur selten durch.

Doch das Virus, das die Welt zwei Jahre lang in Atem hielt, ist nicht verschwunden. Hochrisikopatienten fürchten weiterhin eine Ansteckung. Auch Post- und Long-Covid bleiben nach einer Infektion eine Gefahr. Umso erfreulicher ist die Nachricht, dass die Wissenschaft einen neuen Ansatz zur Bekämpfung von Coronaviren präsentiert.

Ein Schlüssel im Kampf gegen künftige Pandemien

Im Zentrum der Forschung steht das Nsp1-Protein, eines der ersten Virusproteine, die bei einer Infektion mit Sars-CoV-2 oder Mers-CoV in menschlichen Zellen entstehen. Nsp1 manipuliert die Wirtszelle, um die Virusproduktion anzukurbeln. «Dies gelingt Nsp1 durch zwei Mechanismen: einerseits durch die Hemmung der Produktion von zelleigenen Proteinen. Andererseits durch die gezielte Zerstörung der zelleigenen mRNA, die die Baupläne für lebenswichtige Wirtsproteine enthält», erklärt der Biochemiker Evangelos Karousis im «Tagblatt».

Diese Erkenntnisse könnten die Entwicklung antiviraler Medikamente beschleunigen, teilt die Universität Bern mit. Angesichts möglicher künftiger Coronavirus-Epidemien seien solche Wirkstoffe dringend nötig.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass Nsp1 die Wirtszelle dazu bringt, mehr Virusproteine als zelleigene Proteine zu produzieren. Die aktuelle Forschung beleuchtet diesen Mechanismus genauer. Sie bestätigt, dass Nsp1 die infizierte Zelle auf zwei Arten manipuliert: Es blockiert die Produktion zelleigener Proteine und zerstört die mRNA der Zelle.

Ein Medikament liegt noch in weiter Ferne

Die zweite Funktion – der Abbau der mRNA – tritt jedoch nicht bei allen Coronaviren auf. Laut der Universität Bern sollte sich die Medikamentenentwicklung daher auf die Bindung von Nsp1 an menschliche Ribosomen konzentrieren, nicht auf den mRNA-Abbau.

Die Studie deutet darauf hin, dass ein breit wirksames Medikament entwickelt werden könnte, das eine Infektion frühzeitig stoppt. Karousis betont jedoch: «Die Entwicklung eines solchen Medikaments würde mehrere Jahre dauern – abhängig von Fortschritten in der Wirkstoffforschung sowie der präklinischen und klinischen Entwicklung.» Die Forschung steckt noch in den Anfängen, liefert aber einen wichtigen Baustein für künftige Therapien gegen Coronaviren.

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