Darum gehts
- Peter V. Kunz ist neuer Präsident des Schweizer Tierschutz STS
- Der Wirtschaftsjurist ist als Finanzplatz-Kritiker bekannt
- Als neuer STS-Präsident will er unter anderem aufräumen und mehr Lobbyarbeit betreiben
Peter V. Kunz (60) lässt sich kaum in einen Artikel fassen. Unzählige Vorlesungen, zwölf Bücher – das dickste über 1300 Seiten, die Bibel im Schweizer Wirtschaftsrecht. Die gesamte Schweiz kennt ihn – als knallharten Wirtschaftsrechtler, der immer dann vor die Kameras tritt, wenn es auf dem Schweizer Finanzplatz knallt.
Genau dieser Peter V. Kunz wird nun oberster Tierschützer. «Sie müssen keine Angst haben, ich werde mich nicht plötzlich an einen Mastbetrieb ketten», sagt er und lacht. Vor zwei Wochen wählte der Schweizer Tierschutz STS ihn als neuen Präsidenten – eine Wahl, die zu reden gibt.
Fehlende Regelung im Tierrecht
Wie kommt es dazu? «Dank meiner Frau», erzählt er bei einem Treffen in seinem Büro an der Universität Bern. Seine zweite Frau ist, wie er sagt, auch die dritte. Das geht so: 2018 trennt sie sich von ihm, es folgt eine «Kampfscheidung». Grob, mit hohen Kosten für teure Anwälte. Der grösste Streitpunkt: Katze Daisy. Es ist das erste Mal, dass Peter V. Kunz sich mit Tierrecht befasst. Vergebens. Denn nirgendwo im Schweizer Recht steht geschrieben, wer bei einer Scheidung die Haustiere bekommt.
Im Fall von Peter V. Kunz bekommt sie die Katze, er die Rechnungen für Tierarzt und Unterhalt. Ein halbes Jahr später heiraten die beiden wieder. «Du solltest dich im Tierschutz engagieren», sagt sie zu ihm. Er, der zwar gerne Katzen hat, sonst aber Kopfmensch ist, sieht sich nicht in Ställe einbrechen und Tiere retten. Also macht er das, was er kann: Er schreibt ein Rechtsbuch, das erste im Schweizer Tierrecht. Mittlerweile doziert er auch auf diesem Gebiet.
Schweiz als «Bananenrepublik»
Von seinen Kolleginnen und Kollegen an der Universität wird er dafür belächelt. Schliesslich ist er leitender Direktor am Institut für Wirtschaftsrecht an der Universität Bern. Doch Peter V. Kunz ist überzeugt, dass er sich das leisten kann. «Ich habe mir 40 Jahre lang das Image eines knallharten, unnahbaren Wirtschaftsanalytikers aufgebaut.»
In dieser Rolle ist er einer, der selbst den Bundesrat nicht verschont. Vor der CS-Übernahme warnte er im US-Wirtschaftsportal «Bloomberg», die Schweiz werde als «Bananenrepublik» rüberkommen. Nach der Fusion schiesst er bei Blick gegen Finanzministerin Karin Keller-Sutter. Zum Bericht der Untersuchungskommission PUK sagt er, man habe damit nur Zeit «verjoggelet».
Wenn es um die CS-Übernahme geht, redet sich Peter V. Kunz in Rage, auch heute noch. Generell hat er viel zu erzählen, auf eine Frage kann er gut und gern zehn Minuten antworten. Trotz Länge sind seine Aussagen stets präzise, verständlich und meist sehr direkt. Ob die Leute ihn mögen oder nicht, ist ihm egal. «Ich will nicht, dass die Leute einmal sagen, Peter V. Kunz war ein Netter.» Die Leute sollten denken: «Wow, das war ein unbestechlicher Experte!»
Medienauftritte als «Service Public»
Inhaltliche Korrektheit ist für Peter V. Kunz das oberste Gut. Er könne aber auch Kritik einstecken, sagt er. «Ich bin kein Boxer mit Glaskinn.» Was aber gar nicht geht: Wenn ihn jemand als «Dampfplauderi» oder «mediengeil» bezeichnet. Er suche die Öffentlichkeit nicht. Seine Medienauftritte versteht er als «Service public». Etwas zurückgeben, an die Steuerzahlenden von Bern, die seinen Lohn an der Universität finanzieren.
Interviews bereitet er bis ins Detail vor, überlegt genau, was er sagen will und was nicht. Das gilt auch, wenn er über sein Privatleben spricht oder seine Frau in den Medien «tough cooky» nennt. Alles ist mit ihr abgesprochen. Eine Ausnahme gab es bisher nur ein einziges Mal. Nach der Trennung beschrieb er in einer Kolumne die Scheidung – minutengenau. Ein Akt der Verzweiflung, den er kein zweites Mal machen würde, wie er sagt.
Knatsch beim Schweizer Tierschutz
Denn Emotionen passen nicht zu seinem Business. Er spreche als Tierrechtler genauso trocken wie als Bankrechtler. Und als Tierschützer? «Da werde ich wohl lauter und aggressiver sein», sagt der Mann, der auf den ersten Blick eher wie eine Antithese zum Tierschutz wirkt: Anzug und Krawatte, Nicht-Vegetarier, politisch ein Bürgerlicher. «Tierschutz ist nicht links oder rechts, sondern ein menschliches Anliegen.» Thematisch will er vor allem bei der Tierhaltung ansetzen. Zudem möchte er die Kommunikation ausbauen, auch im Parlament. «Ich will, dass der Tierschutz so viel Lobby betreibt wie der Bauernverband.»
An oberster Stelle steht jedoch: Das durch Skandale verlorene Vertrauen wieder aufbauen. Helfen sollen unter anderem die neuen Statuten, die der Schweizer Tierschutz erhalten hat, sowie eine interne Untersuchungskommission. Auch personell werde es wohl weitere Wechsel geben, sagt Peter V. Kunz.
Auslöser waren die Schlagzeilen, die der Schweizer Tierschutz 2023 machte. Zwei suspendierte Vorstandsmitglieder reichten Strafanzeige gegen die damalige Verbandspräsidentin ein. Der Vorwurf: Untreue Geschäftsführung und überrissene Spesenabzüge. Das Strafverfahren läuft noch, es gilt die Unschuldsvermutung.
Seine Schwester habe damals aufgehört zu spenden, so Peter. V. Kunz. Seine Frau strich den Tierschutz aus dem Testament. Beide sagten ihm: Da muss jemand aufräumen. Dieser jemand will Peter V. Kunz sein.