Nach 30 Jahren kehrt die Italienerin in ihre alte Heimat zurück
Aus für das Bed & Breakfast von Bianca Bonelli (63)

Seit 25 Jahren vermietet Bianca Bonelli (63) in ihrem Einfamilienhaus bei Winterthur ZH Zimmer für Feriengäste oder Arbeiter an. Doch damit ist bald Schluss.
Publiziert: 23.03.2025 um 12:32 Uhr
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Aktualisiert: 24.03.2025 um 11:39 Uhr
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Schon 100 Jahre steht dieses Haus in Oberohringen bei Seuzach. Im Untergeschoss hat die Tochter von Bianca Bonelli, im EG sie selbst ihr Zimmer. Im obersten Stock befinden sich die Gästezimmer.
Foto: CTF

Darum gehts

  • Bianca Bonelli verkauft ihr Haus und zieht nach Italien zurück
  • Sie vermietete jahrelang Zimmer an verschiedene Menschen.
  • 30 Jahre lang lebte sie in der Schweiz, nun kehrt die 63-Jährige zurück
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Corine Turrini FluryRedaktorin Wohnen

«Für mich ist Zeit zum Weiterziehen», sagt Bianca Bonelli (63). Weiterziehen heisst für die gebürtige Italienerin, die seit 30 Jahren in der Schweiz lebt, zurück zu ihren Wurzeln nach Italien. Nicht nach Mailand, wo sie aufgewachsen ist, sondern in den Süden. Nach Kalabrien in die Wärme, nahe dem Meer. «Die Menschen dort sind freundlich, ich spreche ihre Sprache und im Gegensatz zur Schweiz kann ich dort mit der AHV gut leben.»

Früher Auszug aus dem Elternhaus

Bonelli stammt aus einer wohlhabenden Mailänder Arztfamilie mit neun Kindern. Schon früh starb ihre Mutter und der Vater heiratete wieder. «Von da an war es in unserer Familie nicht mehr schön zu Hause und mit 16 Jahren zog ich aus.», erinnert sie sich. In der Schweiz lebte sie zuerst im Tessin, bevor sie in die Deutschschweiz zog. Sie spricht fünf Sprachen fliessend.

Dank Erbschaft zum Eigenheim in der Schweiz

Vor 30 Jahren konnte die alleinerziehende Mutter von zwei inzwischen erwachsenen Kindern, das Fünfeinhalbzimmer-Haus in Oberohringen mieten. Der Ortsteil gehört zur Gemeinde Seuzach bei Winterthur. Mit dem Einverständnis des Vermieters konnte die Mutter im Einfamilienhaus Zimmer vermieten und konnte nach dem Tod ihres Vaters dank der Erbschaft das Haus kaufen und einige Renovationen vornehmen.

Seit 20 Jahren bietet Bonelli in ihrem Haus Bed and Breakfast für Touristen an und vermietet auch längerfristig Zimmer. Von Mai bis Oktober beherbergt sie jedes Jahr «Gauchos», Pferdepfleger der Polo-Spieler vom nahen Polo Park & Country Club bei Seuzach, wo sich die High Society in dieser Zeit trifft. «Ich könnte Bücher schreiben, über Erlebnisse in dieser Zeit, mit all den Menschen, die bei uns im Haus gewohnt oder ihre Ferien verbracht haben», sagt sie lachend. Da waren Ehemänner, die vorübergehend bei der frischen Trennung ein Dach über dem Kopf bei ihr hatten, bis sie eine eigene Wohnung fanden, Arbeiter aus Polen oder Italien, die temporär arbeiteten, Flughafenangestellte, neue Mitarbeitende des Spitals Winterthur oder der psychiatrischen Klink, die noch auf Wohnungssuche waren oder Angehörige von Patienten, sowie Feriengäste aus der ganzen Welt. «Ich konnte mit den Erzählungen der Feriengäste ein bisschen reisen, ohne selber zu reisen.» Mit einigen haben sich Freundschaften ergeben. Bei anderen war sie froh, wenn sie wieder weg waren. «Alkohol- oder Drogensüchtige und Personen mit schweren psychischen Störungen konnte ich nach schlechten Erfahrungen nicht mehr aufnehmen. Ich bin kein Arzt und wollte auch nicht, dass sich meine damals noch kleine Tochter im eigenen Haus unwohl fühlt», sagt Bianca Bonelli.

Zweites Standbein durch Zimmervermietung

Im Obergeschoss des Hauses sind die Zimmer, die Bonelli zur Vermietung anbietet. Das Badezimmer auf der oberen Etage muss geteilt werden. Bianca Bonelli und ihre 19-jährige Tochter, die noch zu Hause wohnt, teilen sich das zweite Bad. Im Erdgeschoss hat die Mutter ihr Zimmer. Im Untergeschoss ist das Zimmer der Tochter. Im Anbau ist ein Herr schon länger eingemietet. Für ihre Mieter und Gäste hat Bonelli einen eigenen Kühlschrank, den sie sich teilen. Mahlzeiten bietet die Italienerin, die erst mit 48 Jahren noch eine Kochlehre absolvierte, keine an. Sie arbeitet auswärts als Köchin und hat einen Partyservice. «Mit der Vermietung der Zimmer konnte ich mir ein gutes Standbein aufbauen und wir konnten uns mit dem Geld auch mal Ferien leisten», sagt Bonelli. Das hat sie auch ihrer Tochter immer wieder erklärt, die das nicht so toll findet, dass immer wieder fremde Leute im Haus sind.

Neubau mit Wohnungen geplant

Mit der Vermietung wird aber bald Schluss sein. Bianca Bonelli hat ihr Haus verkauft. «Das Haus ist schon 100-jährig und müsste umfassend renoviert werden. Das wäre viel zu teuer für mich.» Ihr Haus wird abgerissen. Stattdessen werden sechs neue Wohnungen gebaut. «Ein Renditeobjekt, wie überall», meint Bonelli trocken. Etwas Wehmut ist ihr aber schon anzumerken, dass ihr Haus, wo sie so viele Jahre lebte und mit harter Arbeit eine Existenz für sich und die Kinder aufgebaut hat, verschwinden wird. «Wenn die Bagger auffahren, werde ich sicher nicht da sein.»

Pläne in der alten Heimat

Im September wird sie für ein Jahr in ein Tiny House bei Winterthur ziehen und die Tochter in eine WG. Bianca Bonelli kehrt danach zurück in ihre alte Heimat Italien, wo sie in einer Ferienresidenz wieder Zimmer an Touristen vermieten und vielleicht auch wieder als Köchin gelegentlich arbeiten möchte. Ganz ohne Arbeit kann sie nicht sein. «Allein leben kann ich auch nicht. Ich brauche Menschen um mich.»

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