Darum gehts
- Tiny Houses: Kompaktes Zuhause für minimalistisches und nachhaltiges Wohnen
- Clever genutzter Platz und ressourcenschonende Bauweise sind Hauptvorteile
- Maximale Fläche von 30 Quadratmetern, oft mit umweltfreundlichen Technologien ausgestattet
Stell dir vor, du brauchst vom Spülbecken zum Sofa gerade mal einen Schritt und musst zum Bett eine steile Treppe hochsteigen. Bewohnerinnen und Bewohner eines Tiny House legen in ihrem Daheim nur ganz kurze Wege zurück und haben alles, was sie brauchen, in greifbarer Nähe.
Tiny Houses – englisch für «winzige Häuser» – sind kompakte Zuhause mit einer Fläche von maximal 30 Quadratmetern. Die Tiny-House-Bewegung stammt aus den USA. Seit einigen Jahren stösst das minimalistische und nachhaltige Wohnen auch bei uns auf grosses Interesse. Nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Paare oder sogar Familien entscheiden sich bewusst für diese minimalistische Wohnform.
Clever genutzter Platz
Tiny Houses gibt es in den verschiedensten Ausführungen: als Minihaus, in Containerform, als ausgebaute Bauwagen oder in der Variante Zirkuswagen. Allen haben gemeinsam, dass der bestehende Platz clever genutzt wird: Zum Beispiel mit Schiebewänden oder Treppenstufen, die gleichzeitig als Schränke dienen.
Die Kleinsthäuser haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber grösseren Wohnungen oder Häusern: Die Fläche ist so begrenzt, dass nur das Wesentliche darin Platz hat. Deshalb steht bei vielen Bewohnerinnen und Bewohnern von Tiny Houses ein minimalistischer und nachhaltiger Lebensstil im Vordergrund: Sie schränken ihren Wohnraum und ihre Besitztümer bewusst ein und umgeben sich nur mit den nötigsten Dingen.
Ressourcen schonen
Dieses bewusste Konsumverhalten ist ressourcenschonend und minimiert auch den Abfall, weil nur noch gekauft wird, was wirklich nötig ist und wofür Platz vorhanden ist. Zudem benötigt das Bauen eines Tiny House weniger Ressourcen, Material für den Bau und Energie für die Heizung, was die Kosten und den CO₂-Ausstoss senkt.
Häufig sind die Minihäuser auch mit umweltfreundlichen Technologien wie Solarpanels, Komposttoiletten oder Sammelsystemen zum Auffangen des Regenwassers ausgestattet. Theoretisch wären sie also unabhängig von externen Versorgungsnetzen. In der Schweiz müssen je nach Kanton aber auch Kleinsthäuser an die Wasser- oder Stromversorgung angeschlossen werden.
Weniger verbaute Fläche
Ein weiterer Vorteil der Tiny Houses ist: Mit einem kleineren Gebäude verringert sich der Bodenbedarf – es wird weniger Fläche verbaut und versiegelt, was für die Umwelt vorteilhaft ist. Weil viele Tiny House-Modelle kein Fundament brauchen, ist es nicht nötig, Erde abzutragen – dies belastet den Boden weniger.
Überlegst du dir, in ein Mini-Haus umzuziehen?
Machst du dir über ein Tiny House Gedanken? Dann solltest du dir zuerst überlegen, ob es als fester Wohnsitz an einem fixen Standort stehen soll oder ob das Mini-Häuschen mit Rädern mobil bleiben soll. Für einen festen Standplatz ist eine Baugenehmigung erforderlich, ein Stellplatz kostet zudem Miete oder Pacht.
Die Forschungsergebnisse zu Kleinwohnformen sind auf der Projektwebsite der HSLU frei verfügbar. Viele Informationen zum Thema Kleinsthäuser gibt es auch beim Verein Kleinwohnformen Schweiz.
Überlegst du dir, in ein Mini-Haus umzuziehen?
Machst du dir über ein Tiny House Gedanken? Dann solltest du dir zuerst überlegen, ob es als fester Wohnsitz an einem fixen Standort stehen soll oder ob das Mini-Häuschen mit Rädern mobil bleiben soll. Für einen festen Standplatz ist eine Baugenehmigung erforderlich, ein Stellplatz kostet zudem Miete oder Pacht.
Die Forschungsergebnisse zu Kleinwohnformen sind auf der Projektwebsite der HSLU frei verfügbar. Viele Informationen zum Thema Kleinsthäuser gibt es auch beim Verein Kleinwohnformen Schweiz.
Es gibt aber auch kritische Stimmen: Sie geben zu bedenken, dass Tiny Houses oft einen grossen Umschwung haben und sich lange Anfahrts- und Einkaufswege ergeben, wenn die Kleinsthäuser an abgelegenen, idyllischen Orten installiert werden. Wie nachhaltig sind Tiny Houses also wirklich? Mit dieser Frage beschäftigt sich inzwischen auch die Wissenschaft.
Ideal als Zwischennutzung
Mit der ökologischen Nachhaltigkeit von Tiny Houses im Vergleich zu einem Einfamilienhaus haben sich Felix Bucher und Selina Lutz vom Departement Technik & Architektur der Hochschule Luzern befasst. Sie haben diese beiden Wohnformen anhand einer Fallstudie im ländlichen Raum untersucht. Erste Ergebnisse zeigen, dass Tiny Houses im untersuchten Zusammenhang in einem Einfamilienhaus einige ökologische Vorteile gegenüber der ortsüblichen Bebauung bieten.
Vor allem, wenn man die kleinen und mobilen Tiny Houses als Ergänzung zum bestehenden Wohnraum einsetzt – beispielsweise auf Grundstücken, die noch nicht voll ausgenutzt sind. Oder als Zwischennutzung auf Grundstücken, die momentan keine feste Bebauung zulassen. Selina Lutz: «Damit kann der Abriss und Neubau und der damit eingehende Verbrauch vieler neuer Ressourcen reduziert werden.»
Die Umweltbelastung von Tiny Houses kann aber auch grösser sein. Das beginnt schon bei der Planung: Zum Beispiel, wenn für eine Anhängerkonstruktion weniger nachhaltige Materialien wie Stahl nötig sind, um deren Mobilität zu ermöglichen. Oder wenn die Anordnung einzelner Module insgesamt einen erhöhten Materialaufwand verursachen. Weil sich zum Beispiel zwei Wände überlagern, damit man die Module auch einzeln einsetzen kann.
Werkstoffe getrennt entsorgen
Vor allem in nachhaltige und langlebige Materialien sollte laut den Forschenden investiert werden, um den Lebenszyklus möglichst zu verlängern. Selina Lutz: «Zudem sollen Bauteile getrennt und Verbindungen reversibel ausgeführt werden, um die Werkstoffe am Ende des Lebenszyklus getrennt entsorgen oder wiederverwenden zu können.» Das gelte aber nicht nur für Tiny Houses, sondern auch für andere Bauten.