Darum gehts
- China plant Überschallflugzeug C949 als Concorde-Nachfolger
- C949 soll leise wie ein Haartrockner sein
- Reichweite von 11'000 Kilometern, Shanghai nach Los Angeles nonstop in 5 Stunden wäre möglich
Jetzt steigt auch China in den Wettkampf um die Einführung eines neuen goldenen Zeitalters der Überschallluftfahrt ein. Wie chinesische Medien, darunter die «South China Morning Post», berichten, plant das Reich der Mitte den Bau eines Flugzeugs, das der legendären Concorde Konkurrenz machen soll.
Die Commercial Aircraft Corporation of China (Comac) soll den Berichten zufolge in einer kürzlich erschienenen wissenschaftlichen Arbeit Pläne für die C949 veröffentlicht haben. Ein Jet, der es auf Mach 1,6 (1975 km/h) bringt und weiter und schneller fliegen könnte als das britisch-französische Gemeinschaftsprodukt: Blick nennt die Vor- und Nachteile des Projekts und liefert einen Überblick über die US-amerikanische Konkurrenz.
Die Vorteile
Die C949 soll ein Flüster-Flieger werden. Angeblich soll die Maschine so leise sein wie ein Haartrockner. Das soll durch den gekrümmten Flugzeugkörper erreicht werden, heisst es im «South China Morning Post»-Bericht. Die Lärmreduzierung ist von entscheidender Bedeutung, denn vielerorts sind Überschallflüge über Land verboten.
Und: Mit einer Reichweite von 11'000 Kilometern soll der Vogel die Strecke von Shanghai nach Los Angeles nonstop in fünf Stunden zurücklegen – ein herausragender Wert. Auch ein Flug von Grossbritannien nach Malaysia wäre ohne Zwischenhalt möglich.
Die Nachteile
Die C949 soll nur Platz für 28 bis 48 Passagiere bieten. Die Chinesen zielen auf Business-Reisende ab. Der Pöbel hat in der C949 also keinen Platz. Zum Vergleich: In der Concorde gab es 100 Sitzplätze.
Zudem gibt es ein politisches Problem: Comac steht wegen seiner Kooperation mit dem chinesischen Militär auf amerikanischen Sanktionslisten. Das staatliche Unternehmen hat sich das Ziel gesetzt, die Abhängigkeit vom Ausland zu verringern. Noch ist man davon aber weit entfernt. Schlüsselkomponenten wie Triebwerke oder Bordelektronik müssen weiter importiert werden.
Und: Bei der C949 steckt man noch in einer frühen Planungsphase. Einen flugfähigen Prototypen gibt es höchstwahrscheinlich erst in den 2030er-Jahren.
Die Konkurrenz
Seit der Ausserdienststellung der Concorde im Jahr 2003 ist kein ziviles Überschallflugzeug mehr im Einsatz, doch derzeit sind nicht nur die Chinesen dabei, Überschallflugzeuge zu entwickeln. Die Raumfahrtbehörde Nasa und der US-Hersteller Lockheed Martin arbeiten in den USA an der X-59. Das im vergangenen Jahr vorgestellte Flugzeug soll ebenfalls geräuscharm unterwegs sein. Im Flug soll es gerade mal so laut sein wie das Geräusch, das entsteht, wenn man eine Autotür schliesst. Die X-59 bringt es auf eine Reisegeschwindigkeit von Mach 1,4 (etwa 1730 km/h) und ist damit langsamer als der chinesische Konkurrent. Der Erstflug soll noch in diesem Jahr stattfinden.
Das private US-Unternehmen Boom Supersonic bringt aktuell zudem die XB-1 an den Start. Angeblich gibt es schon Verträge mit United Airlines, American Airlines und Japan Airlines.
Auch Russland schläft nicht: Eine Tupolew Tu-144 soll zum Überschalljet umgerüstet werden. Die Entwicklung eines eigenen Überschallflugzeugs wäre ein seltener Erfolg der von den Sanktionen stark betroffenen russischen Aviatikindustrie.