Darum gehts
- US-Vizepräsident Vance ist für Iran-Verhandlungen in der Schweiz angekommen
- Erste diplomatische Direktkontakte zwischen USA und Iran seit Jahrzehnten
- Vance reist mit seiner hochschwangeren Frau Usha
Vance reist ab – «so schön dieser Ort auch ist»
Der Bürgenstock-Gipfel hat am Wochenende die Konfliktparteien USA und Iran nähergebracht. Unter anderem wurde ein Gesprächskanal eingerichtet, der Missverständnisse und Zwischenfälle in der Strasse von Hormus vermeiden soll. In spezifischen Arbeitsgruppen wurden weitere Themen wie die Lage im Libanon besprochen.
Nun soll innerhalb von 60 Tagen ein Rahmenabkommen ausgehandelt werden, das den Weg zu einem langfristigen Frieden ebnen soll. Der Bürgenstock-Gipfel markierte den ersten Schritt auf diesem Weg, der noch lange dauern dürfte. Die führenden Köpfe der Delegationen dürften bald abreisen.
US‑Vizepräsident J. D. Vance hat vor den Medien erklärt, dass er die Schweiz verlassen werde. «So schön dieser Ort auch ist, ich kann nicht die nächsten 60 Tage hierbleiben», so Vance auf dem Bürgenstock.
Kurz nach der Abreise des 42-Jährigen entschied das Finanzdepartement, iranische Ölexporte bis einschliesslich August zu genehmigen. «Als Teil dieses Rahmens hat das Finanzministerium eine befristete 60-Tage-Generallizenz erteilt, die die Produktion, Lieferung und den Verkauf von iranischem Öl genehmigt», kommentierte Finanzminister Bessent den Entscheid.
An dieser Stelle beenden wir unseren Ticker zum Bürgenstock-Gipfel. Auf Blick.ch bleibst du jedoch weiterhin über die neusten Entwicklungen rund um die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran auf dem Laufenden.
Bürgenstock-Gipfel soll noch tagelang weitergehen
Es wird ein Verhandlungsmarathon: Gemäss den Vermittlernationen Katar und Pakistan soll noch die ganze Woche weiter auf dem Bürgenstock um einen Frieden zwischen den USA und dem Iran gerungen werden. Ziel in der Woche sei es, wie im Rahmenabkommen vorgesehen innerhalb von 60 Tagen ein «finales Abkommen» zu erreichen, erklärten die Mediatorstaaten in einer gemeinsamen Erklärung Montagmorgen.
In Arbeitsgruppen werden spezifische Themen etwa das iranische Atomprogramm und westliche Sanktionen diskutiert. «Es wurden ermutigende Fortschritte erzielt, inklusive der Schaffung eines Mechanismus für weitere Gespräche», hiess es in der Erklärung.
Ein Gesprächskanal wurde eingerichtet, der Missverständnisse und Zwischenfälle in der Strasse von Hormus vermeiden soll. Er hat zum Ziel eine sichere Passage für kommerzielle Schiffe durch die wichtige Meerenge zu gewährleisten.
Ferner wurde ein Forum zur Einhaltung der Waffenruhe im Libanon geschaffen. Dort kommt es immer wieder zu Kampfhandlungen zwischen der israelischen Armee und der proiranischen Hisbollah-Miliz. Das bereits zwischen den Konfliktparteien abgeschlossene Rahmenabkommen sieht ein Ende der Kämpfe im Libanon vor. Israel hält davon allerdings wenig. Die Gefechte zwischen israelischen Soldaten und den Terroristen hatten die Verhandlungen Ende der vergangenen Woche fast platzen lassen.
«Ermutigende Fortschritte»: USA und Iran einigen sich auf Fahrplan für Gespräche
Katar und Pakistan melden ermutigende Fortschritte bei Verhandlungen zwischen den USA und Iran auf dem Bürgenstock. Dazu gehören ein Mechanismus für technische Folgegespräche sowie ein Kommunikationskanal zur Sicherung der Durchfahrt von Handelsschiffen durch die Strasse von Hormus.
Auch die Einstellung von Kampfhandlungen im Libanon soll koordiniert werden. Irans Aussenminister Abbas Araghtschi hob «wesentliche Fortschritte» in den Gesprächen über die Beendigung des Krieges zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon hervor – eine Schlüsselbedingung für Teheran, sich mit den USA zu einigen.
Katar und Pakistan spielen eine zentrale Rolle in den Verhandlungen. In der Nacht erliessen sie eine gemeinsam Erklärung, die zum Abschluss der ersten Verhandlungsrunde im Rahmen der US-iranischen Absichtserklärung von «ermutigenden Fortschritten» sprach.
Die USA und der Iran einigten sich demnach auf einen Fahrplan für ein endgültiges Abkommen innerhalb von 60 Tagen. Der iranische Aussenminisger Araghtschi erklärte dazu, dass Exportbeschränkungen für Öl und Petrochemikalien aufgehoben, die Hormus-Blockade beendet und einige eingefrorenen Vermögenswerte freigegeben wurden. Auch werde ein umfassender Wiederaufbau- und Entwicklungsplan für den Iran gestartet, zitiert die «Times of Israel» den iranischen Chefdiplomaten.
Die Verhandlungsführer beider Seiten dürften am Montag abreisen. Die technischen Gespräche werden für den Rest der Woche hoch über dem Vierwaldstättersee fortgesetzt.
US-Diplomat: Verhandlungen über Nacht
Tag zwei der Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran auf dem Bürgenstock. Nach Verwirrung um einen angeblichen Gesprächsabbruch durch die Iraner am Sonntag bleibt das Treffen offenbar auf Kurs.
Hinter verschlossenen Türen wird offenbar durch die Nacht verhandelt. «Die Iraner sind nie abgereist und verhandeln immer noch bis tief in die Nacht», zitiert Reuters einen an den Gesprächen beteiligten US-Diplomaten. «Wir haben unter anderem über die Strasse von Hormus, den Libanon, Atomfragen und Details zur Umsetzung der Absichtserklärung gesprochen.»
Demnach konzentrieren sich die Gespräche darauf, «einige verwirrende Botschaften aus dem Iran bezüglich der Strasse von Hormus zu klären und Mechanismen zur Vermeidung von Konflikten zu entwickeln, um sicherzustellen, dass die Strasse vollständig offen bleibt.»
Die Gespräche auf höchster Ebene werden voraussichtlich am Montag abgeschlossen. Technisches Personal bleibe für weitere Verhandlungen vor Ort.
Trump sieht seine Iran-Politik auf Kurs
Wütend hat sich US-Präsident Donald Trump gegen Kritik geäussert, dass seine Iran-Politik nicht viel erreicht habe. Auf Truth Social nahm er konkret die «New York Times» ins Visier. Die meldete, dass sich nach vier Monaten Krieg nicht viel geändert habe.
Trump dagegen sieht die Iraner arg bedrängt. «Wirklich?», fragt er rhetorisch. «Ihr Militär ist am Ende, ihre Marine ist weg, ihre Luftwaffe ist weg, ihre Startrampen, Raketen, Drohnen und deren Produktion sind fast weg, ihre beiden obersten Führungsriegen sind weg, die Inflation liegt bei 250 Prozent, ihre Wirtschaft ist am Boden, ihre Soldaten bekommen kein Gehalt, die Strasse von Hormus ist offen, das Öl sprudelt und der US-Aktienmarkt und die Beschäftigungszahlen erreichen Rekordhöhen. Das ist es, was sich geändert hat, ihr korrupten und unethischen Feiglinge, und noch viel mehr!»
Die offenbare Überlegenheit der USA, von der Trump spricht, äussert sich noch nicht mit konkreten Verhandlungserfolgen auf dem Bürgenstock.
Turbulenter erster Gesprächstag
US-Vizepräsident J. D. Vance hatte vor seinem Abflug am späten Samstag aus den USA noch gewarnt, er habe bloss einen bis zwei Tage Zeit für Verhandlungen in der Schweiz mit dem Iran.
Der erste turbulente Verhandlungstag machte klar: Die Diplomatie steht unter extremem Zeitdruck. Für konkrete Ergebnisse dürfte das erste, historische Bürgenstock-Treffen zwischen dem Iran und den USA kaum genügen.
Symbolisch für den harzigen Gesprächsstand verweigerten die Iraner am Tag eins nach 80 Minuten Direktgesprächen ein Gruppenfoto mit den Amerikanern. «Kein PR-Termin», titelte die Online-Ausgabe der «Tehran Times» dazu: «Iran will Taten, keine Händeschütteln.»
Auch ohne Durchbruch, die Gespräche scheinen zunächst weiterzulaufen. Irans Finanzminister Seyed Ali Madanizadeh kündigte wirtschaftliche Entspannung für sein Land an – denn trotz hartem Verhandeln braucht Iran einen Deal: Madanizadeh sprach vom Ende von Öl-Sanktionen, dem freien Export von Rohöl sowie der Freigabe blockierter Gelder – wichtige Schjritte zur Bewältigung von Irans schwerer Wirtschaftskrise mit einer Inflation von 77,2 Prozent, dem höchsten Wert seit dem Zweiten Weltkrieg.
Der erste Verhandlungstag endete ohne greifbare Ergebnisse. Beide Seiten loteten ihre Positionen aus. Die iranische Delegation hatte nach einer «beleidigenden Botschaft des US-Präsidenten» den Verhandlungsort verlassen, kehrte später aber in ihr Hotel zurück. Es ist unklar, wann Gespräche wieder aufgenommen werden sollen.
Iran aus Protest abgereist?
Während über den Frieden verhandelt wurde, drohte Trump erneut. Mit Folgen: Die Verhandlungen sind unterbrochen. Und: Die iranische Delegation soll aus Protest sogar abgereist sein. Das berichten iranische Staatsmedien.
Trump hatte erneut mit drastischen Massnahmen gegen den Iran gedroht. In einem 20-minütigen Telefonat mit Fox News erklärte er: «Wir werden die Meerenge notfalls übernehmen. Wenn sie keine Einigung erzielen, werden wir Mautgebühren erheben.»
Und damit nicht genug. Ausserdem soll Trump laut CNN zu iranischen Beamten gesagt haben: «Wenn ihr sie (die Strasse von Hormus) schliesst, habt ihr kein Land mehr.» «Ihr werdet nicht einmal mehr in euer verdammtes Land zurückkehren können.»
Der iranische Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf meldet sich kurz nach der Abreise auf X zu Wort. Er schreibt direkt an die USA gerichtet: «Kommt ihnen denn nie der Gedanke, dass sie heute nicht so verzweifelt wären, wenn ihre Drohungen tatsächlich gewirkt hätten?»
Die Drohung der USA würde sie nicht ernst nehmen. «Sie sollten besser auf ihre Worte achten. Unsere Streitkräfte sind bereit, ihnen auf andere Weise eine Antwort zu geben. Egal, wie viel sie reden – wir sind es, die handeln.»
In einer früheren Version berichteten wir, dass die Delegation bereits abgereist sei. Bisher gibt es dafür keine offizielle Bestätigung.
Cassis nach Treffen mit J. D. Vance: «Wir tauschten uns aus»
Ignazio Cassis hat sich auf dem Bürgenstock mit US-Vizepräsident J. D. Vance getroffen. «Wir tauschten uns über die laufenden Gespräche zur Umsetzung des US-Iran-Memorandums aus und ihre Bedeutung für Frieden und Stabilität im Nahen Osten aus», schreibt Cassis auf X.
«Dass das hier eine Hauruck-Übung war, merkt man nicht»
Mehrere Polizeiposten im Kanton Luzern bleiben am Montag zu
Wegen der Friedensgespräche auf dem Bürgenstock werden zu Beginn der kommenden Woche im Kanton Luzern mehrere Polizeiposten kurzfristig geschlossen bleiben. «In sämtlichen Regionen des Kantons bleibt jedoch weiterhin ein Polizeiposten in Ihrer Nähe geöffnet und die Einsatzbereitschaft der Luzerner Polizei ist dadurch nicht eingeschränkt», betont diese in einer Medienmitteilung. Welche Posten konkret geschlossen bleiben, schreibt die Luzerner Polizei nicht.
Diese Polizeiposten bleiben am Montag und Dienstag von 8.30 – 11.30 Uhr und 13.30 – 17 Uhr geöffnet:
- Ebikon
- Emmen
- Hochdorf
- Kriens
- Luzern Hirschengraben 17a
- Schüpfheim
- Sursee
- Willisau
Die Verhandlungen um die Absichtserklärung (MoU) zwischen Washington und Teheran zogen sich Wochen in die Länge. Auch das auf Freitag geplante Treffen zwischen den US- und iranischen Delegationen auf dem Bürgenstock NW musste verschoben werden. Am späten Samstag kurz vor Mitternacht MESZ machte sich US-Vizepräsident J. D. Vance (41) endlich auf den Weg in die Schweiz.
Mit an Bord: seine hochschwangere Frau Usha (40). Die Second Lady der Vereinigten Staaten erwartet im Juli das vierte Kind der Familie – einen Sohn.
Bühne der Weltpolitik
Am frühen Sonntagmorgen bestätigte ein Sprecher der US-Regierung dem französischen Sender BFMTV: Vance ist in der Schweiz eingetroffen. Leserreporter fotografierten gegen 6.30 Uhr morgens einen US-Konvoi in Emmen LU, Fürigen NW und Stansstad NW, der sich auf dem Weg zum Bürgenstock befand. Eine Leserreporterin aus Stansstad meldete zur Vorbeifahrt des US-Vizepräsidenten: «Alle Strassen waren vorübergehend gesperrt. Wir durften auch nicht zur Strasse.»
«Wir begrüssen die Ankunft der Delegation der Vereinigten Staaten in der Schweiz», schrieb das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) auf X. Die Delegation sei auf dem Weg zum Bürgenstock.
Ebenfalls am Sonntagmorgen in der Schweiz gelandet ist der pakistanische Armeechef Syed Asim Munir, der wohl wichtigste Vermittler zwischen den Konfliktparteien. Das berichtet Al Jazeera.
Am Sonntag wird die Zentralschweiz nach dem Ukraine-Gipfel vor zwei Jahren somit einmal mehr zur Bühne der Weltpolitik werden. Hoch über dem Vierwaldstättersee starten heikle Gespräche zwischen den USA und dem Iran.
Iran kommt in fliegendem Mahnmal in die Schweiz
Die Iraner waren schon am Samstag angereist. «Wir begrüssen die Ankunft der iranischen Delegation in der Schweiz», teilte das Schweizer Aussenministerium auf X mit.
Auf dem Bild verdeckt: Die Maschine der Iraner trug auf dem Bug die grosse Aufschrift «Minab168» – als fliegendes Mahnmal für 168 primär Schulkinder und Lehrkräfte, die Ende Februar bei einem US-Angriff auf eine Schule im südiranischen Minab getötet wurden.
Vor Mitternacht war in Stansstad ein grosser Autokonvoi auf der Durchfahrt zum Bürgenstock zu sehen – offenbar die vielköpfige iranische Delegation, der laut «Tehran Times» Parlamentssprecher und Verhandlungsführer Mohammad Bagher Ghalibaf (64), Aussenminister Abbas Araghtschi (63) und Zentralbankchef Abdolnaser Hemmati (69) angehören.
Erzfeinde am selben Tisch
Auch weitere Akteure werden im hermetisch abgeschirmten Resort erwartet – Vertreter aus Pakistan und möglicherweise aus Golfstaaten, die grünes Licht für einen 300-Milliarden-Dollar-Sonderfonds für den Iran gaben, um Teheran zum Einlenken zu bewegen.
Die Gespräche gelten bereits deshalb als Erfolg, weil die USA und der Iran seit Jahrzehnten keine diplomatischen Beziehungen unterhalten. Jetzt setzen sie sich an den gleichen Tisch – in der Schweiz, die seit 1980 offiziell als Schutzmacht der USA im Iran fungiert.
Fragile Lage
Die Erwartungen sind gedämpft. Die Lage im Nahen Osten ist weiterhin äusserst fragil. Die Strasse von Hormus bleibt Spannungsherd, und Waffenruhen zwischen Israel und dem Libanon – eine Hauptbedingung für den Iran – sind so zahlreich wie brüchig.
Vor seiner Abreise in die Schweiz zeigte sich US-Verhandlungsführer Vance zuversichtlich. Er hoffe auf Fortschritte sowohl im Atomstreit als auch bei der Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon. Die Lage im Libanon habe sich zuletzt etwas entspannt. Ziel sei es, die fragile Waffenruhe zu stabilisieren und die Region sicherer zu machen.
Drohung Trumps
US-Präsident Donald Trump (80) wies am späten Samstag iranische Drohungen einer Schliessung der Strasse von Hormus zurück: Die Durchfahrt bleibe offen. Gebühren würden höchstens als Entgelt für Schutzleistungen für den US-«Schutzengel» erhoben – sollte kein Abkommen zustande kommen.