Darum gehts
- Angela Mygind betreibt seit fast fünf Jahren einen eigenen Finanzblog
- Frauen zögern häufig, ihr Geld renditeorientiert anzulegen, und suchen mehr Sinnhaftigkeit
- Die Finanzbloggerin erklärt, wie man das Risiko eines Wertverlusts beim Investieren reduziert
Fast jeder Platz ist besetzt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer decken sich mit Sandwiches ein und schauen gespannt auf Angela Mygind (36) aus Luzern. Sie betreibt seit knapp fünf Jahren den Blog «Miss Finance» und sagt: «Du trägst die Verantwortung für deine Finanzen.» Die Bloggerin spricht beim EqualVoice-Lunch von Ringier Medien Schweiz (RMS) im Zürcher Seefeld über den selbstbestimmten Umgang mit Geld.
EqualVoice ist eine Initiative von RMS, die sich für die gleichberechtigte Sichtbarkeit von Frauen und Männern in den Medien einsetzt. Zudem sind regelmässig Fachpersonen zu Besuch, um den Mitarbeitenden ein bestimmtes Thema näherzubringen. Dieser Lunch richtet sich gezielt an Frauen – genauso wie «Miss Finance». Braucht es denn für das Thema Finanzen eine geschlechtsspezifische Herangehensweise?
«Frauen suchen Sinnhaftigkeit»
Ja, meint Mygind: «In Gesprächen mit meinen Freundinnen habe ich festgestellt, dass sich alle um ihre Finanzen kümmern möchten, es aber nicht tun.» Frauen seien grundsätzlich weniger auf schnelle Gewinne aus und würden mehr Wert auf Sinnhaftigkeit legen. «Sie wollen genau verstehen, warum und worin sie investieren.» Studien bestätigen ihren Eindruck: Verglichen mit Männern zögern Frauen deutlich häufiger, ihr Geld renditeorientiert anzulegen.
Die Finanzbloggerin kommt bei den Teilnehmenden gut an. Qendresa Llugiqi (34), Newsreporterin bei Blick, sagt: «Angela Mygind wirkt sympathisch und bodenständig. Sie macht keine falschen Versprechen vom schnellen Geld.» Llugiqi möchte erfahren, wie andere Frauen mit dem Investieren umgehen: «Wie sind sie gestartet, welche Erfahrungen haben sie gemacht und wie reagieren sie auf Verluste?» Ihr Ziel sei es, eigenständig Geld anzulegen, um sich und ihrer Familie gemeinsame Ausflüge leisten oder ihren Kindern einmal den Fahrausweis finanzieren zu können. Bisher habe sie nicht den Mut und die Sicherheit dazu gehabt.
Was eine Aktie mit einem Praliné gemeinsam hat
Das Risiko, beim Investieren grosse Verluste zu machen, verunsichert auch Ravena Frommelt (30), Gesellschafts-Praktikantin bei Blick. Sie sagt: «Was passiert, wenn die Kurse einmal stark abstürzen?» Das Thema ETFs (Exchange-Traded Funds, auf Deutsch börsengehandelte Fonds, Anm. d. Red.) würde sie sehr interessieren, da sie darüber noch wenig wisse. Zudem frage sie sich, wie sich ihre finanzielle Situation entwickeln werde, falls sie nicht immer Vollzeit arbeiten könne.
Um das Investieren anschaulich zu erklären, nutzt Angela Mygind eine Pralinéschachtel als Vergleich. Eine Aktie steht dabei für ein Praliné: Mit einem Fonds oder einem ETF kauft man sich eine ganze Schachtel. Ähnlich wie bei diesen Süssigkeitenschachteln habe es auch bei ETFs oder Fonds solche drin, die man nicht mag. Da man mit einem Produkt aber sehr breit aufgestellt investiere, verteile sich das Risiko eines Verlusts auf mehrere Hundert oder sogar Tausend Unternehmen.
Kompromisse beim Geld anlegen
Lea Haberl (23), Videoredaktorin bei Blick, empfindet Finanzen normalerweise als trocken und komplex. «Solche anschaulichen Vergleiche motivieren mich, mich mit dem Investieren und der Vorsorge zu beschäftigen.» Frauen, die nachhaltig investieren wollen, müssen gemäss Mygind lernen, Kompromisse einzugehen.
Genau das hat Ramona Rosati (23), Gesellschafts-Praktikantin bei Blick, bisher vom Geldanlegen abgehalten. «Mir ist es wichtig, in welche Firmen ich investiere. Ich habe mich bei der Bank beraten lassen, aber die Unternehmen waren mir einfach nicht ‹grün› genug.»
Auch wenn nicht alle Teilnehmerinnen am EqualVoice-Lunch jetzt grad sofort investieren, ihr Ziel hat die Finanzbloggerin erreicht. Frauen dazu zu ermutigen, über den Umgang mit Finanzen zu reden – denn nur so könnten wir voneinander lernen.