Politökonom David Bach zur US-Zollmauer
Trumps Rundumschlag könnte nach hinten losgehen

US-Präsident Donald Trump verspricht der US-Bevölkerung einen riesigen Wirtschaftsaufschwung. Doch der Zollkrieg könnte nach hinten losgehen, meint Politökonom Bach. Durch ihn droht den USA ein globaler Bedeutungsverlust, bei dem der Rest der Welt zusammenrückt.
Publiziert: 04.04.2025 um 12:14 Uhr
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Aktualisiert: 04.04.2025 um 13:00 Uhr
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US-Präsident Donald Trump wirft den Handelspartnern vor, die USA «unfair» zu behandeln. Doch was ist da dran?
Foto: Getty Images
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Martin SchmidtRedaktor Wirtschaft

Die armen US-Bürger werden vom Rest der Welt übers Ohr gehauen: Mit diesem Vorwurf hatte US-Präsident Donald Trump (78) seine Handelspartner monatelang eingedeckt. Am Mittwoch machte der mächtigste Mann der Welt nun Nägel mit Köpfen und liess den Zoll-Hammer auf zahlreiche Länder niedersausen. Für Schweizer Produkte soll ab 9. April ein Zollsatz von 32 Prozent gelten.

Trump erklärt die harte Gangart mit den «unfairen Handelspraktiken anderer Länder». Politökonom David Bach (50) kann diesem Argument nichts abgewinnen. «Das Grossartige an unserem internationalen Handelssystem ist ja gerade, dass in einem Bereich wir profitieren und unsere Handelspartner in einem anderen. So gewinnen im Endeffekt alle», sagt Bach, der als Professor am renommierten Internationalen Institut für Managemententwicklung (IMD) in Lausanne doziert.

Diese Spielregeln haben sich seit dem Zweiten Weltkrieg global etabliert. Die Länder öffneten ihre Grenzen und haben sich wirtschaftlich verflochten. «Damit steigt nicht nur unser Wohlstand, sondern wir haben auch mehr Frieden und Stabilität in der Welt», so Bach.

«Für Trump mag das politisch attraktiv sein»

Doch Trump fokussiert sich allein auf den Warenhandel. Was zählt, sind Fabriken, in denen Arbeiterinnen und Arbeiter greifbare Güter herstellen. Bei der Präsentation der horrenden Zölle gegen zahlreiche Handelspartner steht er im Rosengarten des Weissen Hauses, flankiert von Fabrikarbeitern. Den so starken Dienstleistungssektor der USA klammert der US-Präsident völlig aus. «Für Trump mag das politisch attraktiv sein, stichhaltig sind die Argumente aber nicht», so Bach.

Er lebte 16 der letzten 30 Jahre in den USA und pflegt dort nach wie vor enge Kontakte. «In den USA gibt es derzeit zwei Lager. Die überwältigende Mehrheit der Experten und Führungskräfte in Unternehmen sehen die Zölle als schlimmen Fehler an, der schlecht für die US-Wirtschaft und den globalen Einfluss der USA ist.»

Die US-Bevölkerung zahlt die Zeche

Auf der anderen Seite stehen die Menschen in Regionen wie dem Rustbelt. In der ehemaligen Industriehochburg im Nordosten der USA gingen durch Fabrikschliessungen in der Vergangenheit unzählige Jobs verloren. «Diese Leute sehen sich als Verlierer des Welthandels. Sie sind deshalb für Zölle und sie glauben an Trumps Versprechen, dass er Industrie und Jobs wieder zurück nach Amerika holt», so Bach. Der Blick auf Trumps erste Amtszeit von 2017 bis 2021 zeige jedoch ein anderes Bild: «Damals haben seine Zölle wenige Jobs zurückgeholt. Im Gegenzug sind deutlich mehr Jobs verloren gegangen.»

Hohe Zölle führen auch immer zu steigenden Preisen: «Die amerikanische Bevölkerung wird die Zeche für den Zollkrieg bezahlen», ist Bach überzeugt. Einerseits müssen US-Amerikanerinnen und Amerikaner für importierte Waren im Geschäft mehr Geld hinblättern. Andererseits werden auch amerikanische Hersteller reagieren und ihre Preise anheben. Nämlich so weit, dass sie noch ein wenig günstiger sind als die ausländische Konkurrenz. «Diverse Studien zeigen, dass eine durchschnittliche Familie in den USA wegen der Zölle wohl zwischen 2500 und 5000 Dollar mehr pro Jahr ausgeben müsste», ergänzt Bach. Bei diesen Studien sei man erst noch von deutlich tieferen Zöllen ausgegangen.

Rückt die restliche Welt zusammen?

Trumps Rundumschlag könnte nach hinten losgehen, ist Bach überzeugt. «Seine Strategie ist riskant. Trump überschätzt die Macht der USA. Das Land ist für den globalen Handel nicht so zentral, wie er und seine Berater glauben.» Auf jeden zusätzlichen Dollar im Handel mit den USA würden 10 Dollar an zusätzlichem Handel in der restlichen Welt kommen. «Die Wachstumsmöglichkeiten für europäische Unternehmen in Südamerika, Asien und teilweise auch in Afrika sind unglaublich.» Die Zölle treffen den globalen Handel kurzfristig schwer. Doch die Länder könnten schneller neue Absatzmärkte finden, als man denke, so Bach.

Vorausgesetzt, die übrige Welt beginnt nun nicht damit, sich gegenseitig mit Zöllen zu bekriegen. Bach kann sich aber auch gut das Gegenteil vorstellen. Dass andere Länder gegenseitige Handelshemmnisse abbauen und die USA so mittelfristig an Bedeutung verlieren. Ein Teil des Schadens scheint bereits angerichtet. «In den letzten Wochen haben mir mehrere CEOs erzählt, dass die US-Politik unberechenbar geworden und die USA für sie auch nach dem Ende von Trumps Amtszeit kein attraktiver Standort mehr sei.»

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