Darum gehts
- Die USA kommt für die Schweiz auf angebliche Importzölle von 61 Prozent auf US-Produkte
- Trumps Berechnung basiert auf Handelsdefizit, nicht auf tatsächlichen Zöllen
- Schweizer Güterexport in die USA beläuft sich auf 63,4 Milliarden Franken
In den letzten Tagen sind Lobbyisten aus aller Welt in den USA vorstellig geworden, mit dem Ziel, das Schlimmste für ihre Länder abzuwenden. Ohne Erfolg, wie sich nun jedoch zeigt. Die Trump-Regierung hat den Zoll-Hammer ausgepackt: Für Schweizer Produkte gelten beim Export in die USA bald Zölle von 31 Prozent, wie die US-Regierung am Mittwoch mitgeteilt hat. Am Donnerstag hat sie dann plötzlich angepasste Werte publiziert und der Zollsatz für die Schweiz steht neu bei 32 Prozent. Damit ist das Zoll-Chaos perfekt. Donald Trump (78) wirft der Schweiz vor, US-Produkte mit Zöllen von 61 Prozent zu belasten. Doch wie kommt der US-Präsident auf diese 61 Prozent? Schliesslich hat die Schweiz Industriezölle im letzten Jahr abgeschafft.
Erst ging man davon aus, dass die Zölle eine Währungsmanipulation durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) und auch die Mehrwertsteuer in der Schweiz enthalten könnten. Dass also eine komplexe Rechnung hinter dem Zollhammer steckt. Die Erklärung des Zolls ist nun aber so banal, dass sie kaum zu glauben ist.
So hat die Trump-Regierung das Defizit im Warenhandel mit dem jeweiligen Handelspartner den US-Importen aus ebendiesem Land gegenübergestellt. Konkret: Die USA erzielen im Warenhandel mit der Schweiz ein Defizit von 38,5 Milliarden Franken. Heisst: Die Schweiz exportiert mehr Güter in die USA, als sie importiert.
Der Güterexport der Schweiz in die USA beläuft sich auf 63,4 Milliarden Franken. Dividiert man das Defizit von 38,5 Milliarden durch 63,4 Milliarden, entspricht das 60,7 Prozent – gerundet also 61 Prozent. Von dieser Zahl hat die US-Regierung dann den neuen Zoll für Schweizer Exportgüter abgeleitet.
Das muss man sich mal vorstellen: Die Regierung der grössten Wirtschaftsmacht der Welt hat eine Rechnung aufgestellt zu haben, die bestenfalls mit einer Milchbüchleinrechnung vergleichbar ist. Und die völlig fern jeder etablierten Praxis ist.
Trump stellt sich als gnädig dar
Stellt man die gleiche Rechnung für Japan an, kommt man auf 46 Prozent. Wenig überraschend wirft die USA Japan vor, US-Produkte mit Zöllen von 46 Prozent zu belasten. Deshalb hat Trump für Japan nun Zölle von 24 Prozent erhoben. «Gnädigerweise», wie er sagt. Eigentlich wäre eine viel stärkere Erhöhung der Zölle gerechtfertigt gewesen, wie Trump am Mittwoch erklärt hat.
Auch in weiteren Beispielen wie Indonesien oder Indien kommt man bei dieser Rechenart auf die angeblichen Exportzölle der US-Handelspartner. Die US-Regierung straft also einfach alle Länder ab, die mehr Güter in die USA exportieren als sie von dort importieren. Dabei klammert die US-Regierung den Dienstleistungssektor mit grossen US-Techgiganten wie Meta oder Alphabet völlig aus. Die USA exportieren nämlich viel mehr Dienstleistungen in die Schweiz, als sie importieren. Berücksichtigt man diesen Sektor mit, fällt die Handelsbilanz zwischen den beiden Ländern ziemlich ausgeglichen aus.
Die Basiszölle von 10 Prozent sollen am 5. April in Kraft treten. Die höheren Zölle gelten ab dem 9. April, wie Trump angekündigte.