Gewerbeverbandschef Furrer zur rollenden Pleitewelle
«Geopolitische Unsicherheiten sind Gift»

Viele Schweizer Unternehmen kämpfen ums Überleben. Die neuen geopolitischen Unsicherheiten belasten ebenso wie Nachwehen der Stromkrise vor drei Jahren. Der Gewerbeverband nimmt Stellung und warnt.
Publiziert: 26.03.2025 um 17:37 Uhr
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Aktualisiert: 26.03.2025 um 18:04 Uhr
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Die Konkurswelle ist noch nicht vorüber.
Foto: imago/McPHOTO

Darum gehts

  • Schweizer Wirtschaft: Leichtes Wachstum erwartet, aber Risiken durch internationale Handelskonflikte
  • Konkurswelle wegen geopolitischer Unsicherheiten und nachlassender Auslandsnachfrage in einigen Sektoren
  • Strompreiserhöhungen vor drei Jahren: Steigerung um bis das Zehnfache des vorherigen Preises
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Jean-Claude RaemyRedaktor Wirtschaft

Die Schweiz befindet sich in einer wirtschaftlichen Abwärtsspirale, zahlreiche Unternehmen fahren den Laden runter – für immer. Da macht die Meldung der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) nicht unbedingt Hoffnung: Die KOF erwartet laut neusten Daten zwar ein leichtes Wachstum des Bruttoinlandprodukts für dieses Jahr – aber nur, solange sich internationale Handelskonflikte nicht verschärfen.

Eine Wachstumsprognose auf dünnem Eis. Eine Ausweitung des Handelskonflikts mit den USA brächte «erhebliche Abwärtsrisiken für die hiesige Wirtschaft mit sich», heisst es bei den Konjunkturforschern weiter.

Gewerbeverband sieht einen toxischen Cocktail

Auch Urs Furrer (52), Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands (SGV), erwartet zumindest teilweise eine anhaltende Konkurswelle. «Geopolitische Unsicherheiten sind Gift für Investitionen», hält er gegenüber Blick fest. Diese hätten Auswirkungen auf Hersteller von Investitionsgütern, Komponenten und mehr – viele davon KMU, die entweder selber ins Ausland liefern oder an exportorientierte Schweizer Firmen.

Weitere Gründe für die Konkurswelle sieht Furrer aktuell in einem «toxischen Cocktail aus nachlassender Auslandsnachfrage in einigen Sektoren einerseits sowie zurückhaltenden Abnehmern und Konsumenten aufgrund der globalen Unsicherheiten anderseits».

Den Optimismus einiger Branchenverbände, die von einer Balance zwischen Konkursen und Neugründungen sprechen, teilt Furrer nicht. «Wenn ein Restaurant mit zehn Beschäftigten schliesst, ist dies nicht dasselbe, wie wenn ein neues Tech-Unternehmen mit drei Personen entsteht.» Die konkreten Umstände könnten völlig unterschiedlich sein.

Dennoch sieht Furrer nicht nur schwarz. «Der Grad an Resilienz der Schweizer Wirtschaft ist hoch, bisher wurden viele Krisen gut gemeistert dank der Flexibilität und dem Einfallsreichtum der Schweizer KMU.» Der Einkaufsmanagerindex, ein Frühindikator zur Wirtschaftsentwicklung, zeige neuerdings wieder leicht zuversichtlich stimmende Daten. Zudem keime langsam die Erkenntnis, dass Bund und Kantone Unternehmen von Bürokratielast befreien müssten. «Bürokratie lähmt und kostet, deshalb muss sie abgebaut werden», schliesst Furrer.

Nachwehen der Stromkrise als weiterer Grund

Remo Meier (56), Inhaber der Metzgerei Fischer in Langendorf SO und Vizepräsident des Schweizer Fleisch-Fachverbands, sieht einen weiteren Faktor für die aktuelle Konkurswelle, der zuletzt in den Hintergrund rückte: «Die Strompreiserhöhungen vor drei Jahren sind ein wesentlicher Treiber.» Genau in der Zeit nach Corona hätten viele Betriebe unter massivem Druck der Stromlieferanten neue Energieverträge mit extrem hohen Strompreisen abschliessen müssen.

Diese Verträge wurden oft über vier Jahre abgeschlossen und beinhalteten eine Steigerung um bis das Zehnfache des zuvor gültigen Preises. Davon kommen Unternehmen nicht mehr weg: Diverse Stromlieferanten änderten laut Meier noch 2024 ihre Geschäftsbedingungen. Bei vorzeitiger Beendigung der Verträge drohen Strafen.

«Wegen dieser hohen Strompreise, verbunden mit einer anhaltenden Teuerung in anderen Bereichen, können viele produzierende Betriebe kaum mehr eine Rendite erwirtschaften», führt Meier aus.

Da einige Stromverträge noch ein bis zwei Jahre Laufzeit haben, erwartet Meier keine schnelle Besserung der Lage für die Unternehmen. Und auch nicht für die Konsumenten: «Private zahlen nicht nur zu Hause mehr für Energie, sondern indirekt auch in den Produkten, die sich wegen der hohen Energiepreise verteuern.»

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