Niemand zeigte die emotionale Berg-und-Tal-Fahrt im Nati-Achtelfinal so unverfälscht wie Luca Loutenbach (28): Erst zerriss es ihm bei der Frankreich-Führung das Fan-Herz, später platzte er vor Freude über Gavranovics Ausgleich zum 3:3.
Die Fernsehkameras filmten ihn. Und der Jurassier wurde über Nacht zum Social-Media-Star. Die Bilder seiner emotionalen Achterbahnfahrt gingen um die Welt. Und werden bereits als Werbung für Unternehmen eingesetzt, wie das Beispiel der Güterzugsparte der Deutschen Bahn, DB Cargo, auf Twitter zeigt.
«Steht stellvertretend für Leidensgeschichte»
Es gibt natürlich auch Firmen, die höflich sind und bei ihm nachfragen. Keine 48 Stunden nach dem Nati-Exploit klopfen sie wie auch Schweizer Organisationen reihenweise bei Loutenbach an. Auf Twitter verspricht ihm Swiss einen Gratisflug zum Viertelfinal in St. Petersburg. Loutenbach nimmt dankend an.
Red Bull wird ihm für die Reise Energydrinks zuschicken. Schweiz Tourismus (ST) bietet dem Super-Fan nach der nervenaufreibenden Wundernacht ein Wellness-Wochenende zum Relaxen an. Laut ST-Sprecher André Aschwanden ganz nach dem Motto: «Ich brauch Erholung, ich brauch Schweiz.» Auch dieses Angebot nimmt Loutenbach dankend entgegen.
Sogar der Luzerner Milchverarbeiter Emmi wolle ihn als Werbeträger gewinnen, sagt Loutenbach gegenüber Blick.
Wieso werfen sich jetzt alle Firmen auf den Super-Fan? «Er steht stellvertretend für die Leidens- und Erfolgsgeschichte der Schweizer Nati», sagt der Marketing-Experte Felix Murbach (54). Die Emotionen seien echt, Luca Loutenbach komme authentisch rüber: «Der Super-Fan wurde gefunden und nicht gesucht. Genau das ist auf Social-Media-Kanälen wie Instagram heute gefragt.»
Mit dem Kopf bei der Nati
Den aussergewöhnlichsten Anruf bekam Loutenbach aber vom Bundesamt für Gesundheit (BAG). Es will ihn als «Impffluencer» gewinnen. Er soll der Social-Media-affinen Jugend den Piks schmackhaft machen. Denn unter den Jungen ist die Impfbereitschaft nur mässig.
Zu Blick sagt Loutenbach, dass er sich für die BAG-Kampagne zur Verfügung stellen werde. Zu den anderen Angeboten äussert er sich noch zurückhaltend. Mit dem Kopf sei er die ganze Zeit nur beim EM-Viertelfinal vom Freitag. Ans Kassemachen mit der Bekanntheit denkt er nicht. Marketing-Experte Murbach sagt, Loutenbach werde nun zwar ein paar Zückerchen bekommen, Geld werde er mit seiner Bekanntheit aber kaum machen.