Auf einen Blick
- Nadine Fähndrich gewinnt Bronze im Skating-Sprint bei der Nordisch-WM in Trondheim
- Persönliche Erlösung nach früheren Enttäuschungen bei Grossanlässen
- Erste Schweizer Langlauf-WM-Einzelmedaille einer Frau seit 36 Jahren
Nadine Fähndrich (29) zieht tatsächlich durch. Stark waren schon die letzten Wochen, in denen die Luzernerin insgesamt sechs Weltcup-Podestplätze einfuhr. Noch stärker ist ihr Auftritt am Donnerstagmittag an der Nordisch-WM in Trondheim (No). Bronze im Skating-Sprint – das ist vor ihr noch keiner anderen Schweizerin gelungen. Überhaupt ist Fähndrich über alle Langlauf-Disziplinen gesehen die erste Frau seit Evi Kratzer 1987 (5 km klassisch), die dem hiesigen Verband eine WM-Medaille im Einzel schenkt.
Vor allem aber ist es für Fähndrich eine persönliche Erlösung. Denn Grossanlässe waren für sie bis anhin, mit Ausnahme der Silbermedaille im Teamsprint 2021, mit Enttäuschungen einhergegangen. Sowohl an Weltmeisterschaften als auch bei Winterspielen ging sie leer aus. Nach ihrem fünften Rang im Olympia-Sprint-Final in Peking 2022 weinte sie im SRF-Interview vor laufender Kamera bittere Tränen.
Jetzt hat sie ihre Karriere endlich mit einem Einzel-Erfolg an einer WM gekrönt. Und diesmal ist ihre Laune im TV-Interview freilich ganz anders: «Ich habe alles gegeben, alles probiert, wollte die Lunge rauskotzen. Dass es gereicht hat, freut mich mega.»
Kompromisslos zum Erfolg
Die Medaille scheint eine logische Folge ihrer starken Saison zu sein. Doch noch vor einem Jahr gestaltete sich Fähndrichs Situation weitaus unsicherer. Da war einerseits ihre Herzoperation; diese wurde infolge gutartiger Herzrhythmusstörungen nötig und verlief erfolgreich, musste aber zuerst einmal verdaut werden. Und dann kam auch noch der grosse Umbruch bei Swiss-Ski dazu.
Der Verband trennte sich im letzten Frühling von den Trainern Ivan Hudac und François Faivre, die das Heu nicht auf derselben Bühne hatten, und holte neu das Ehepaar Karoline und Erik Braten Guidon an Bord. Fähndrich aber wollte ihren langjährigen Erfolgscoach Hudac nicht ziehen lassen und entschied sich kurzerhand, gemeinsam mit ihrem Bruder Cyril (25), alleine mit dem slowakischen Trainer zusammenzuarbeiten. Der Personalwirbel kam nicht überall gut an, doch rückblickend sollte Nadine Fähndrich in sportlicher Hinsicht recht behalten: Dass sie den gesamten Saisonaufbau sowie die WM-Vorbereitung mit Hudac und damit fernab des restlichen Schweizer Teams bestritt, erweist sich als goldrichtig. Ihre Erfolge sprechen für sich. Fähndrich wollte mit Blick auf die Nordisch-WM sowie auf Olympia 2026 «keine Kompromisse» eingehen.
Legende Cologna schwärmt
In Trondheim unterstreicht sie ein weiteres Mal ihre Wichtigkeit für den Schweizer Langlauf. Für ihren Bronzelauf erhält sie auch von SRF-Experte und Langlauf-Legende Dario Cologna (38) ein Sonderlob: «Bei ihr merkt man mittlerweile: Sie weiss, was sie kann. Sie muss sich nicht mehr beweisen. Und genau das macht eine Spitzenathletin aus.»
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist Fähndrichs stabiles Umfeld – Rückzugsort ist stets ihre Familie im Eigenthal, mit Mutter Käthy und Vater Kurt sowie der eng befreundeten Nachbarsfamilie Spöring. Und: Ihr langjähriger Freund Elvis Fazliu, mit dem sie in Knutwil LU eine eigene Wohnung bezogen hat. Sauna inklusive. Denn damit belohnt sie sich bei Erfolgen, nebst Glace, am liebsten.