Darum gehts
- Die Schwingerkarriere von Gian Maria Odermatt wurde durch Verletzungen gebremst
- Als 17-Jähriger besiegte er einen Eidgenossen und gewann einen wichtigen Kranz
- Seither lief vieles schief – zuletzt warf ihn eine Fehldiagnose zurück
Gian Maria Odermatt (20) lancierte seine Schwingerkarriere mit einem Knall. Am Nordostschweizer Teilverbandsfest 2022 bodigte er als 17-Jähriger den Eidgenossen Martin Roth (35). Nach dem Kranzgewinn am Abend sagten ihm gewisse Experten eine grosse Zukunft voraus. Drei Jahre später sind diese verstummt.
Seit Odermatts sensationellem Auftritt in Balterswil TG gewann er nur noch drei weitere Kränze. Was ist passiert? «Vieles lief schief», seufzt Odermatt. Zunächst bremsten eine Rückenverletzung und der Militärdienst seinen Aufstieg. Dann erkrankte das Talent mit italienischen Wurzeln am Pfeifferschen Drüsenfieber. Und nun fällt Odermatt erneut wochenlang aus.
Fataler Spitalbesuch
Am Ursprung seiner jüngsten Verletzung steht eine Fehldiagnose. «Das nervt mich gewaltig», meldet Odermatt aus dem Spitalbett. Am Montag ist der Zürcher operiert worden. Die Verletzung zog er sich im Januar zu.
Ein Gegner fiel mit seinem ganzen Gewicht auf Odermatts linken Fuss. «Es tat saumässig weh! Ich hatte Angst, dass etwas kaputt ist.» Nach dem ersten Schock nahmen die Schmerzen ab. Gleichzeitig stieg bei Odermatt die Hoffnung, dass es nichts Ernstes sein würde. Positiv stimmte ihn auch der Besuch im Spital.
Auf dem Röntgenbild konnten die Ärzte nichts Auffälliges sehen. Da Odermatt mehr oder weniger normal gehen konnte, glaubten sie nicht an eine schwere Verletzung. Eine krasse Fehldiagnose. Mit dem Hinweis, den Fuss zu schonen, entliessen sie die Nordostschweizer Schwing-Hoffnung.
MRI-Resultat – ein Schock
Nach drei Ferienwochen im Ausland kehrte Odermatt ins Schwingtraining zurück. Noch immer verspürte er leichte Schmerzen. Einige Zeit später meldete er sich beim Verbandsarzt. Dieser organisierte ihm einen MRI-Termin. «Das Resultat war ein Schock.»
Die Bilder zeigten einen Riss des Syndesmosebands und des Aussenbands. Dass Odermatt trotzdem weitgehend normal laufen konnte, verdankt er seiner starken Muskulatur. Nach dem Befund entschieden zwei unabhängige Ärzte, dass die Bänder von allein zusammenwachsen würden. Die nächste Fehleinschätzung.
Der Druck steigt
Bei der Kontrolle vergangene Woche zeigte sich, dass die Bänder nicht wie gewünscht verheilt sind. Eine Operation wurde unumgänglich. Immerhin verlief diese ohne Probleme. Sechs Wochen lang darf Odermatt den Fuss nicht voll belasten.
Den Start der Kranzfestsaison Anfang Mai verpasst das Talent. «Es ist kein Weltuntergang, aber natürlich trotzdem blöd. Hätte man früher richtig gehandelt, wäre ich rechtzeitig fit geworden.»
Nun fehlen ihm einige Kranzfeste, um sich für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest Ende August zu empfehlen. Bei seiner Rückkehr muss Odermatt sofort glänzen. Das beunruhigt ihn nicht. Schliesslich weiss er, wie man sich von Rückschlägen zurückkämpft.