«Man merkt, wie klein der einzelne Mensch ist»
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Oliver Heer segelt jeden Tag:«Man merkt, wie klein der einzelne Mensch ist»

Aber Oliver Heer plant schon nächstes Abenteuer
Solo-Weltumsegler kann nach Rückkehr nicht mehr durchschlafen

Segler Oliver Heer erzählt von seiner Vendée-Globe-Erfahrung und plant bereits die nächste Teilnahme 2028, obwohl er einen Monat nach der Rückkehr an einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet und seine Frau wegen seiner Schlafprobleme ins Gästezimmer zog.
Publiziert: 28.03.2025 um 14:50 Uhr
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Aktualisiert: 14:39 Uhr
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Oliver Heer, der erste Deutschschweizer, der die Vendée Globe segelte.
Foto: BENJAMIN SOLAND

Der Rapperswiler Oliver Heer (36), schaffte das, was vor ihm kein einziger Deutschschweizer vollbrachte: Er segelte die Vendée Globe, das härteste Segelrennen der Welt. Jetzt ist er, einen Monat nach der Erfüllung seines grössten Traumes, zum ersten Mal wieder auf dem Wasser. Auf dem Zürichsee. Hier, wo alles begann, erzählt Heer Blick von seinem Riesen-Abenteuer auf den Weltmeeren, während er lässig eine Yacht der WS-Bootsschule steuert.

Über drei Monate allein auf See

99 Tage war der Skipper unterwegs, nachdem er am 10. November in Les Sables d'Olonne in Frankreich in See gestochen war. Er sah für über drei Monate keine Menschenseele und war voll und ganz auf sich allein gestellt. «Der Moment, in dem ich den Stress am meisten spürte, war für mich, als ich fast mit einem Eisberg kollidiert bin», erzählt Heer. «Das war nicht der beste Moment. Wobei, im Nachhinein, wenn mich in 20 Jahren jemand fragt, was der speziellste Moment dieser Vendée Globe war, habe ich das Gefühl, dass es wahrscheinlich auch dieser Eisberg sein wird.»

Um eben solche Zusammenstösse zu vermeiden, schlief der Skipper immer nur 45 Minuten am Stück. Auch heute, einen guten Monat nach dem Rennen, hat er noch Mühe, einen gesunden Schlafrhythmus zu finden. «Ich schlafe immer nur maximal zwei Stunden am Stück. Beim kleinsten Geräusch wache ich auf, und für drei Sekunden habe ich das Gefühl, ich sei immer noch auf dem Schiff.»

Seine Frau wechselt das Zimmer

Sein Sportpsychologe meint, es handle sich hierbei um eine posttraumatische Belastungsstörung. Heers Körper sei sich den Stress so gewohnt, dass er ihn gar nicht mehr abbauen kann. «In der ersten Woche hat es meine Frau noch herzig gefunden. In der zweiten Woche hat es sie angefangen aufzuregen. In der dritten Woche ist sie dann ins Gästezimmer gezogen», schmunzelt Heer.

Und das, obwohl der Zürcher eigentlich gar kein kompetitives Rennen gefahren ist. Mit einem Schiff, das schon viel zu alt ist, um noch konkurrenzfähig zu sein, und einem Budget, das eines der kleinsten der ganzen Flotte war, hatte sich Heer einfach nur die Ankunft in Les Sables d'Olonne als Ziel gesetzt. Dies gelang ihm zwar, jedoch bildete er auf dem 29. Platz eher das Schlusslicht.

Vom 29. Platz in die Top 10?

Das ist dem Schweizer Extremsportler bei weitem nicht gut genug. Kaum hat er das Rennen beendet, ist er auch schon in Gesprächen mit neuen Sponsoren, um bei der nächsten Vendée Globe 2028 eine weitere Kampagne auf die Beine stellen zu können. «Ich bin ein sehr konservatives Rennen gesegelt. Ich bin nicht viel Risiko eingegangen. Wenn ich sehr gut sein will und zum Beispiel unter die ersten zehn segeln will, dann muss ich alles riskieren. Das heisst, die Wahrscheinlichkeit, dass etwas kaputt geht, und ich aufgeben muss, ist grösser. Gleichzeitig ist es viel anstrengender für den Kopf, immer Vollgas zu geben.» Und das, obwohl der Schweizer schon dieses Mal mit dem Stress zu kämpfen hatte.

Ausserdem braucht er gute Sponsoren. Statt drei Millionen Franken braucht er, um überhaupt Chancen auf einen Top-10-Platz zu haben, nun ein Budget von etwa zehn Millionen. Doch für Heer war die erste Vendée Globe nur der Anfang. Und dieser Mann hat schon den Sprung vom Zürichsee auf die Weltmeere geschafft, da ist sicher auch der Sprung von Platz 29 auf Platz 10 oder noch weiter nach vorne möglich.

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