Robert Valentin. Der Name klingt nach Filmschauspieler oder Zirkusartist. Und tatsächlich ist der 30-jährige Schweizer beides – zumindest ein bisschen. Also eigentlich ist er Käfigkämpfer, MMA-Sportler. Mixed Martial Arts nennt sich die Sportart, bei der verschiedenste Kampfstile kombiniert werden. Valentin beschreibt es so: «Das ist rohe Urgewalt, die da angewendet wird. Wir holen raus, was tief in uns Menschen schlummert.»
Robert und Valentin, das sind die beiden Vornamen des in Deutschland geborenen und im Kanton Schwyz aufgewachsenen 1,88 Meter grossen Modellathleten. Aus den Vornamen ist sein Künstlername entstanden. Doch Robert Valentin hat auch noch einen Kampfnamen: Robzilla. Und mit diesem macht er sich gerade auf, die USA zu erobern. Die Champions League für MMA-Kämpfer. UFC wird das in den Staaten genannt: Ultimate Fighting Championship.
Wer dort zum Star aufsteigt, kann Millionen verdienen. Robert Valentin bestreitet am 5. April seinen ersten offiziellen UFC-Kampf, nachdem er sich schon als Teilnehmer der US-TV-Serie «Ultimate Fighter» bei Kampffans weltweit einen Namen gemacht hat. Auch dank seiner Auftritte in dieser Reality-Show, die zur UFC gehört, bekam er kürzlich einen Vertrag über fünf Kämpfe. Für dieses neue Kapitel bereitete er sich auf der Insel Phuket in Thailand vor. Einem Land mit langer Kampftradition, wo sich viele Fighter aus der ganzen Welt treffen und zusammen trainieren.
«Purste Form des Wettstreits»
Robzilla kämpft im Mittelgewicht, hat bisher 14 Profikämpfe bestritten, 10 davon gewonnen. Nach seinen Siegen ballt er die Fäuste und brüllt «Ooooooodiiin» durch das Oktagon, wie die Bühne der MMA-Fighter wegen ihrer acht Ecken genannt wird. Das Oktagon ist mit einem Maschendraht umzäunt und eigentlich ein Käfig. «Damit die Kämpfer nicht herunterfallen», heisst es offiziell. Doch augenscheinlich ist: Einmal drin, gibt es aus dem Käfig kein Entrinnen. «Es ist wie früher, als die Gladiatoren in den Arenen gekämpft haben», sagt Valentin. Mann gegen Mann, ungefiltert, der Stärkere und Schlauere gewinnt. «MMA ist die purste Form des Wettstreits. Das ist es, was mich so daran fasziniert.»
Odin ist der höchste Gott der nordischen Mythologie. Diesem Gott widmet Valentin seine Siege wie eine Opfergabe. Die Kämpfe bestreitet der Rotbärtige unter dem Motto: «Sieg oder Valhalla». Wobei Valhalla der Götterpalast der gefallenen Helden ist, die im Kampf ruhmreich gestorben sind und nun an diesem Ort mit den Ahnen und Göttern speisen und festen können, bis in alle Ewigkeit. Reichlich martialisch das Ganze, doch der Schweizer sagt, das sei Teil der Unterhaltung. «Der Showaspekt gehört zu diesem Sport wie das Kämpfen. Die Fans wissen, dass sie beides von mir kriegen. Ohne Show kein Preis.»
Glaubt er tatsächlich an Valhalla? «Robzilla würde dir mit einem klaren Ja antworten, von Robert bekämst du wohl eine andere Antwort.» Schon als Kind sei er fasziniert gewesen von den nordischen Sagen, den Heldengeschichten. «Ich identifiziere mich mit der Mentalität der Wikinger: kämpfen, wild sein, Blut und Gewalt.»
Mit 18 hat er sich Runen auf die Brust tätowieren lassen. Er habe damals nicht gewusst, dass manche dieser Zeichen von den Nazis im Dritten Reich in abgeänderter Form verwendet und missbraucht wurden. Einige der Runen sind bis heute höchst umstritten, weil sie in rechtsextremen Kreisen immer noch in Gebrauch sind und Gesinnung markieren.
«Ich bin wegen der Tattoos schon öfters auf den Rechtsextremismus angesprochen worden, aber ich habe mit diesen Kreisen nichts zu tun», betont Valentin. «Die Runen, die ich tätowiert habe, sind viele tausend Jahre älter als das Dritte Reich.» Es sei nicht seine Schuld, dass die Nazis den Symbolen eine andere Bedeutung gegeben hätten. «Ich finde Extremismus, egal ob religiös oder politisch, absolut das Letzte.» Für ihn sei der Ursprung wichtig, die originale Bedeutung der Runen. «Ich habe mir meine passend für mich ausgesucht. Sie stehen für Sachen, wo ich dahinterstehen kann, die mir wichtig sind im Leben – beispielsweise Verbundenheit mit der Erde und mit der Herkunft, der Schutz der Liebsten, die Unterstützung für Schwächere.
«Politik ist ein Drecksgeschäft»
Robert Valentin unterstreicht die Abgrenzung zum Extremismus mit Nachdruck, aber er will auch Haltung zeigen und Klartext sprechen. Er denkt konservativ am rechten Rand und spricht aus, was er richtig findet, auch wenn er damit anecken könnte. Er hat vor der Wahl in Deutschland via seine sozialen Kanäle Werbung für die AfD gemacht. Er wünscht sich, «dass sich Länder wie Deutschland und die Schweiz, so wie es die USA jetzt unter Trump versprechen, zuerst um die eigenen Leute kümmern und dann erst um den Rest der Welt.» Aber ganz grundsätzlich findet er Politik ein Drecksgeschäft, das von Lobbys gesteuert wird. «Jeder Politiker verfolgt doch bloss die Interessen, von denen er selber profitiert.»
In Thailand gebe es Organisationen, die Plastikmüll aus dem Meer fischen. Solche Aktionen imponieren ihm, dem Naturburschen. «Aber die Politik unterstützt das mit keinem Rappen, weil sie dabei nichts verdienen kann. Darum glaube ich, dass jeder selber schauen muss, was er Gutes tun kann, damit auch die nächsten Generationen auf diesem Planeten gut leben können.»
Valentin betont, dass er gute Freunde habe, die aus den verschiedensten Kulturen stammen. «Wir diskutieren viel über Politik, tauschen Argumente aus, hören uns zu. Ich bin kein Ideologe und respektiere auch andere Meinungen.» Seine Freundin und er haben ein US-Visum für zwei Jahre bekommen und möchten nach dem Fight in Las Vegas gern in den Staaten bleiben, um dort so viele Kämpfe wie möglich zu bestreiten. Und ja, Kinder sind auch ein Thema. Eine kleine Familie gründen, ein gutes Einkommen haben, das klingt nach schönem Lebensplan.
Wenn Robert Valentin am Samstag in der Glücksspielstadt gegen den noch ungeschlagenen US-Fighter Torrez Finney antritt, der sich «The Punisher» nennt, der Bestrafer, dann werden potenziell Millionen von Fans aus der ganzen Welt via Pay-per-View übers Internet zuschauen. «Während des Kampfes ist man fokussiert, denkt nicht an die vielen Zuschauer», sagt der Schweizer. «Aber danach staunt man, wie viele Fans da begeistert zugeschaut haben. Und dann weiss man, dass man das Richtige macht.»
«Anfang eines neuen Kapitels»
Egal, wie brutal und blutig der Kampf im Käfig auch sein wird: Danach wird man sich in den Armen liegen und dem Gegner Respekt zollen. «Dieser Sport hat mich vieles gelehrt, vor allem auch Respekt, Anstand und Demut.» Früher sei er Türsteher an der Zürcher Langstrasse gewesen. Die Leute hätten ihn gern gehabt, weil er gewusst habe, wie er mit respektvollem und ruhigem Verhalten auch den Anstand der anderen einfordern konnte. «Ich musste nicht ständig mit Gewalt drohen, wie das andere machen, die in dieser Branche tätig und durch ihr Gehabe völlig fehl am Platz sind.»
Von der Zürcher Langstrasse zum Jackpot in Las Vegas? Nein, so schnell geht es nicht. Valentin muss sich in der UFC nun erst mal beweisen. «Ich bekomme 15’000 Dollar für den Kampf am 5. April. Wenn ich gewinne, kommen nochmals 15’000 dazu. Und die UFC bezahlt verschiedene Boni, da könnte also noch was draufkommen. Ich sehe das als Anfang eines neuen Kapitels und werde alles dafür tun, dass es ein gutes wird. Bei jedem Auftritt kämpfe ich auch für den MMA-Sport in der Schweiz, der da noch in den Babyschuhen steckt, aber immer mehr an Aufschwung gewinnt. Ich möchte ein Beispiel für die Jungen sein, ihnen zeigen, dass man Lebensträume realisieren kann, wenn man bereit ist, alles dafür zu geben.»