Fassnacht und Mendy im Cup-Fokus
FCZ vs. YB – das Millionen-Duell um Europa

Alles oder nichts. Im Cup-Viertelfinal-Kracher zwischen dem FCZ und YB am Donnerstag im Letzigrund geht es für beide Teams um viel. Denn zum vorerst letzten Mal ist der Cup der schnellste Weg, sich das Ticket für eine europäische Gruppenphase zu sichern.
Publiziert: 10:53 Uhr
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Aktualisiert: 10:54 Uhr
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Im Duell zwischen dem FCZ und YB geht es für beide um viel. Hier Ebrima Colley (YB) gegen Samuel Ballet (FCZ) im November 2024.
Foto: Pius Koller

Auf einen Blick

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«Do or die.» So sagt es FCZ-Trainer Ricardo Moniz (61) am Tag vor dem Duell mit YB. Für beide Teams bietet sich im K.o.-Wettbewerb die Chance, eine bis anhin verkorkste Saison allenfalls zu retten, falls in der Liga der Schuss am Ende nach hinten losgehen sollte. Zwar sind beide noch in Tuchfühlung mit dem Spitzenquartett, im schlimmsten Fall droht aber die Verbannung in die Abstiegsrunde.

Bis auf Weiteres ist es die letzte Saison, in der sich der Cupsieger direkt für eine europäische Gruppenphase qualifizieren kann, weil die Schweiz im Uefa-Ranking zurückgefallen ist. Wie beschwerlich der Weg ist, sich via Quali für eine Gruppenphase zu qualifizieren, hat der FCZ im letzten Sommer am eigenen Leib erfahren. In der dritten Runde blieben die Stadtzürcher gegen Guimarães chancenlos.

FCZ: Europacup-Gruppenphase als präsidiale Vorgabe

Das Team, das am 1. Juni im Wankdorf die Cup-Trophäe in die Höhe stemmen wird, steigt in den Playoffs für die Europa League ein – und erhält im Fall eines Scheiterns mit der Teilnahme an der Conference League mehr als ein Trostpflaster. Inzwischen ist auch im kleinsten der drei Wettbewerbe gutes Geld zu verdienen. Achtelfinalist Lugano hat bislang knapp sieben Millionen Euro (6,5 Mio. Franken) an Prämien eingespielt. Hinzu kommen noch Zuschauereinnahmen, die im Fall eines attraktiven Loses einschenken könnten.

Vor allem für den FCZ ist das Geld fast überlebenswichtig. Nicht umsonst gab Präsident Ancillo Canepa (71) zu Beginn des Jahres die Teilnahme an einer europäischen Gruppenphase als unmissverständliches Ziel aus, nachdem er und seine Frau in der letzten Saison ein Defizit von 7,5 Millionen Franken decken mussten. Einen besonderen Druck verspürt Trainer Moniz deswegen aber nicht: «Druck hast du jeden Tag. Damit musst du umgehen können, sonst musst du nicht bei uns spielen.»

YB: Es lockt für die Spieler die erste Prämie 2025

Für den FCZ wären Conference-League-Einnahmen in der Höhe von sechs, sieben Millionen Franken viel Geld. Nicht ganz dieselbe Relevanz hätten sie beim viermaligen Champions-League-Teilnehmer YB, dem Liga-Krösus, der mit einem Eigenkapital von über 50 Millionen Franken einer der gesündesten Klubs von Europa ist. Allein die Teilnahme an der Königsklasse brachte dem Meister rund 38 Millionen Franken ein. Das, ohne einen einzigen Punkt geholt zu haben. «Die Millionen haben wir nicht im Kopf», sagt YB-Star Christian Fassnacht. (31) «Es gibt kaum etwas Spannenderes, als sich international zu messen. Klar, die Champions League steht über allem. Aber es wäre auch cool, Conference League zu spielen. Zumal die mir noch fehlt.»

Der schnellste Weg dahin führt über drei Cupspiele. Drei Siege. Und bei einem Weiterkommen gibts in diesem Wettbewerb auch Geld für die Spieler. In der Meisterschaft warten sie nach wie vor auf den ersten müden Franken, da es nur Prämien gibt, wenn man unter den ersten Drei ist. So lockt der erste Prämienfranken 2025 für Fassnacht seit seiner Rückkehr zu YB. «Aber motivierter bin ich deswegen nicht. Die grösste Motivation sind der Kitzel eines K.o.-Spiels und das Weiterkommen.» Und eine weitere Revanche am FCZ. Jene für 2018.

Fassnachts langer Rachefeldzug

Was war 2018? Rollen wir auf mit Zahlen, die der nackte Wahnsinn sind! 23-mal hat Fassnacht gegen seinen Ex-Klub FCZ gespielt – und ein einziges Mal verloren. Den Cupfinal 2018 (1:2). Bedeutet: In der Meisterschaft hat der Zürcher in 21 Partien nie verloren. YB hat wohl dreimal in der Meisterschaft den Kürzeren gezogen, als Fassnacht unter Vertrag stand. Aber da war er jedes Mal verletzt. Bei acht Siegen der Berner traf er. Zweimal buchte er das Game-winning-Goal!

«Diese Statistik habe ich nicht gekannt», sagt er. Und fragt kurz darauf rhetorisch: «Nicht so schlecht – oder?» Wahrlich nicht. «Aber ich habe ja auch lange eine offene Rechnung gehabt. So waren es Spiele, die mir einen Extra-Boost gegeben haben …» Doch kann diese Sache 16 Jahre anhalten? Mittlerweile hätten sich die Revanchegelüste gelegt, so Fassnacht. «Ich habe gute Gespräche gehabt mit den Leuten, die damals involviert gewesen sind. Doch eigentlich muss ich jenen dankbar sein, die damals nicht auf mich gesetzt haben. Sonst wäre ich vielleicht nicht in Bern gelandet und hätte nicht die Karriere gemacht, die ich mache.» Zur Erinnerung: In der U15 wurde Fasi junior für zu klein und schmächtig befunden, weshalb er zu Red Star ging.

Und wie war das mit dem Cupfinal 2018? «Das war eine der schmerzhaftesten Niederlagen meiner ganzen Karriere. Vielleicht mit dem EM-Viertelfinal-Aus im Penaltyschiessen gegen Spanien vor vier Jahren.» Die einzige Niederlage gegen den FCZ hätte nicht in jenem Spiel sein müssen ...

Moniz' Lob für Mendy

Neben Fassnacht werden heute Donnerstag im Letzigrund die Augen vor allem auf Benjamin Mendy (30) gerichtet sein. Die Verpflichtung des französischen Weltmeisters sorgte aufgrund von dessen Vergangenheit für viel Wirbel und Kritik. Moniz stellt sich klar hinter den Spieler: «Wir sind froh, dass er hier ist.» Zwar bezeichnete er dessen Einwechslung am Samstag gegen Yverdon wegen mangelnder Fitness und Spielpraxis als Risiko, das mit Mendys Assist zum 2:1 aber belohnt wurde.

«Physisch ist er bei 70 Prozent, im Kopf aber bei 120», sagt Moniz. Im Training sei Mendy ein Leader, der viel spreche, die Jungen an der Hand nehme, gut für die Balance im Team sei. Mendy wie auch Steven Zuber (33) seien Spieler, die im heutigen Fussball rar seien. «Wir haben sehr viele kreative Spieler. Die müssen in diesem Jahr zeigen, ob sie nur Durchschnitt sind oder den nächsten Schritt machen.» Die nächste Chance bietet sich ihnen heute im Millionen-Duell gegen YB.

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