Darum gehts
Vor einem Jahr wirkte Fribourg-Captain Julien Sprunger in den Playoffs wie ein Mann, der einer langen Karriere Tribut zollen muss. Er wirkte kraft- und saftlos. Er verbuchte lediglich einen Assist. Ihm fehlte der Punch und vielleicht auch der Mut, dort hinzugehen, wo mit Widerstand zu rechnen ist.
Doch ein Jahr später sieht man einen ganz anderen Sprunger. Er ist wieder präsent, er setzt entschlossen nach. Und schiesst Tore. 13 waren es in der Quali, drei sind es nun bereits in den Playoffs.
Und es sind wichtige Tore. So wie jenes, dass er am Donnerstag in der zweiten Verlängerung in Lausanne kurz vor Mitternacht erzielt. Ein erstes Mal scheitert er noch, doch im Nachsetzen lässt er sich durch nichts und niemanden aufhalten und bezwingt Goalie Kevin Pasche zum 3:2, das Gottéron eine 2:1-Führung in der Serie gegen den Qualisieger einbringt.
Alibis wären genügend vorhanden
Vom für einen Hockeyspieler fortgeschrittenen Alter von 39 Jahren ist nichts zu spüren. Sprunger sprüht vielmehr vor Energie und ist das Symbol für diese Fribourger, die nach einer schwierigen Saison schon so viel mehr erreicht haben (Spengler-Cup-Sieg, Top 6, Erzrivale SCB im Viertelfinal eliminiert), als man erwarten durfte, und nach den gewichtigen Ausfällen von Lucas Wallmark und Jacob De la Rose ein gutes Alibi hätten, die Waffen zu strecken.
Doch Sprunger & Co. scheinen die Strapazen von zehn Playoff-Spielen, wovon fünf erst in der Overtime entschieden wurden, nicht zu spüren. Oder nicht spüren zu wollen.
Gerade die vier Oldies, von denen Goalie Reto Berra mit 38 der Jüngste ist, wirken nimmermüde und gehen voran. Der Schuss von Verteidiger Ryan Gunderson (39), wohl noch abgelenkt von Samuel Walser, leitet die Wende ein. Und in der 94. Minute ist es der Team-Senior, der im gestreckten Galopp nach vorne stürmt und so Sprungers Tor vorbereitet.
Bei Gottéron muss der Amerikaner Gunderson, der vor 13 Jahren in Schweden mit Brynäs seinen einzigen Meistertitel holte, Ende Saison gehen. Doch auch nach über 1100 Profi-Spielen beweist er noch seinen Wert und hat mit 240 Minuten und 18 Sekunden schon mehr Eiszeit in den Playoffs weggesteckt als jeder andere.
Kein neuer Vertrag? Kein Problem!
Auch Raphael Diaz (39) hat bei Gottéron keinen Vertrag mehr bekommen. Seine Zukunft ist allerdings längst geregelt. Er wird zu seinem Stammklub EV Zug zurückkehren, mit dem er 2021 Meister wurde. Wie Gunderson und Sprunger stürzt er sich entschlossen in die Zweikämpfe und spielt seine Erfahrung aus, wobei er zwar immer wieder vor dem gegnerischen Tor auftaucht, aber noch keine Skorerpunkte vorweisen kann.
Nichts scheint Fribourg aus der Ruhe zu bringen. Das gilt nicht zuletzt für Berra. Wie Sprunger hat der Zürcher Unterländer auch nächste Saison einen Vertrag in Fribourg.
Von einer schwierigen WM, an der er nur zwei (glücklose) Drittel gegen Österreich bestritt, aber sein zweites WM-Silber holte, hat er sich erholt. 95,65 Prozent aller Schüsse wehrte er am Donnerstag ab. Und schon in den Spielen davor hatte er mit Abwehrquoten von 96,15 Prozent, 93,55 Prozent und 96,67 Prozent geglänzt. Dabei verkam sein Fehler im Game 1 gegen Lausanne zur Randnotiz mit Schmunzelfaktor, zumal Berra in der heissen Endphase die Kohlen mit einer Spektakel-Parade aus dem Feuer holte. Die nimmermüden Gottéron-Oldies haben noch lange nicht genug.