Ducrot Still.png
3:00
CEO Vincent Ducrot:«Es ist für die SBB eine schwierige Situation»

SBB-Chef Ducrot
«Reparatur im Gotthard dauert mehrere Monate»

Am Donnerstag ist im Gotthard-Basistunnel ein Güterzug entgleist. Seitdem steht der Verkehr still – wie lange noch? Darüber informierten die SBB am Mittwoch.
Kommentieren
1/10
Neue Bilder vom Mittwoch zeigen die entgleisten Waggons im Gotthard-Tunnel.
Foto: SBB

Die Reparaturarbeiten im Gotthard-Basistunnel werden mehrere Monate dauern. Das verkündete SBB-CEO Vincent Ducrot am Mittwoch höchstpersönlich. Die Schäden sind grösser als angenommen, wie die SBB am Mittwoch mitteilten. Der Güterverkehr soll am 23. August wieder rollen. Wann wieder Normalbetrieb auf der Strecke herrscht, ist zeitlich völlig offen.

Der Reiseverkehr wird weiter über die Panoramastrecke umgeleitet. Preisermässigungen für Reisende sind nicht vorgesehen.

Rund drei Güterzüge können, sobald das Go erfolgt ist, in der Stunde durch die unbeschädigte Oströhre fahren, teilte Rudolf Büchi, stellvertretender Leiter Infrastruktur, am Mittwoch bei einer Medienkonferenz mit. Diese können entweder in Richtung Nord-Süd oder Süd-Nord verkehren.

Ob ein Teil der Reisezüge wie der Güterverkehr die Oströhre im Einspurbetrieb befahren kann, wird von der SBB zusammen mit dem Bundesamt für Verkehr (BAV) geprüft. Um den Reiseverkehr ebenfalls durch die Oströhre führen zu können, braucht es ein Evakuierungskonzept. Dieses muss allerdings noch entwickelt werden.

ING2 CH6 Subclip Still.png
2:04
Rösti zum Gotthardtunnel-Unglück:«Bin froh, dass es keine Verletzte gab»

Arbeiten bei 40 Grad

Nach wie vor stehen 16 entgleiste und zum Teil schwer beschädigte Güterwagen im Tunnel. Untersuchungen haben laut SBB gezeigt, «dass das Ausmass der Schäden deutlich grösser ist als nach ersten Schätzungen angenommen». «Es ist ein Trümmerfeld da drinnen», stellte Büchi fest.

Insgesamt müssten acht Kilometer Gleise und 20'000 Betonschwellen ersetzt werden. Diese Arbeiten werden mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Sust ermittelt

Büchi beschrieb die Lage im Tunnel so: «Es ist dunkel und heiss im Tunnel. Wir arbeiten ungefähr bei 40 Grad. Das ist sehr anstrengend. Wir müssen Erholungspausen gewährleisten, können nicht länger als sechs Stunden am Stück arbeiten.»

Die SBB rechnen damit, dass Anfang 2024 beide Tunnelröhren wieder ohne Einschränkungen befahren werden können. «Wir werden aus diesem Fall lernen, davon bin ich überzeugt», versprach SBB-CEO Vincent Ducrot (60).

17 Walter von Andrian_  Still.png
1:53
Bahn-Experte zu Gotthard-Crash:«Die totale Sicherheit gibt es nicht»

Hergang und Ursache des Unfalls werden von der Sust und der Staatsanwaltschaft geklärt. Im Südtessin meldete ein entgegenkommender Lokführer eine Rauchentwicklung am späteren Unfallzug. Bei einer Kontrolle in Bellinzona wurde eine festsitzende Bremse an einem Wagen gelöst. Dabei handelte es sich nicht um den Wagen, der mutmasslich als erster entgleiste. Anschliessend wurde der Zug für die Weiterfahrt freigegeben. Zwischen Bellinzona und dem Tunnel passierte der Zug die automatischen Kontrolleinrichtungen. Diese lösten keinen Alarm aus. (nad/SDA)

In diesem Artikel erwähnt
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen