In der Schweiz gilt bis Ende 2025 ein Moratorium für den Anbau von gentechnisch veränderten Organismen. Dann aber könnte sich vieles ändern: Bis zum Sommer will der Bund die Vorlage für eine Anpassung der entsprechenden Regeln präsentieren – und sich dabei an der Europäischen Union orientieren. Es soll künftig erlaubt sein, Pflanzen und Saatgut anzubauen, die mit neueren gentechnischen Verfahren hergestellt wurden.
Es ist noch offen, ob Konsumentinnen und Konsumenten es erfahren, wenn sie Lebensmittel kaufen, die durch Eingriffe ins Erbgut modifiziert wurden.
Befürworter der Lockerung argumentieren, dank Gentechnik könne die Landwirtschaft ökologischer werden und sich unter anderem besser an den Klimawandel anpassen.
Dagegen formiert sich nun entschiedener Widerstand einer Allianz aus dem Biobauernverband Bio Suisse, europäischen Bio-Organisationen und Forschenden mehrerer Universitäten. An einer Pressekonferenz des europäischen Bio-Dachverbands verlas die ETH-Agrarökologin Angelika Hilbeck (63) am Freitag einen Protestbrief, den mehr als 70 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Schweiz und anderen Ländern unterzeichnet haben. Sie kritisieren, dass weder der Nutzen der Gentechnologien erwiesen noch deren Risiken ausreichend erforscht seien. Zwar sei geplant, die Biolandwirtschaft von gentechnischen Eingriffen freizuhalten. Doch sei dies mit den vorgesehenen Lockerungen in der Praxis nicht umsetzbar.
Gentechnik soll die Landwirtschaft retten – und zugleich den Klimawandel stoppen. So lautet das Reklame-Versprechen grosser Agrochemieunternehmen und Saatguthersteller wie Bayer oder Syngenta. Die ETH-Agrarökologin Hilbeck forscht seit bald 30 Jahren zur Gentechnik und widerspricht. Von den «Zigtausenden» Versuchen mit neueren gentechnischen Verfahren in Labors und Gewächshäusern habe sich in der Praxis bisher «so gut wie nichts» bewährt: «Pflanzen verhalten sich auf einem Feld ganz anders als in künstlich kontrollierten Umgebungen wie Gewächshäusern.» Es sei unrealistisch, die Gewächse mittels Gentechnik resistent gegen Hitze und Trockenheit zu machen. «Das ist viel zu komplex. Solche Eigenschaften werden von fein abgestimmten Netzwerken von Hunderten von Genen gesteuert, die man kaum kennt.»
Bisher stand fest: Bio ist ohne Gentechnik
Dieselbe Position vertritt Bio Suisse: «Bislang ist keine Nutzpflanze auf dem Markt, die tatsächlich gegen Hitze oder Trockenheit wiederstandsfähig ist oder weniger Pestizide braucht», sagt David Herrmann, Sprecher des Dachverbands, und präzisiert, man müsse etwas am System ändern, statt die Hoffnungen auf Gentech zu setzen: «Wir sollten auf Forschung setzen, die Böden und Pflanzen gesünder und damit resistenter machen will. Und auf Biozüchtungen, die besser mit Starkregen, Hitze und Trockenheit klarkommen.»
Lockerungen des Gentech-Moratoriums würden Biolandwirte vor eine unmögliche Aufgabe stellen, erklärt Herrmann. Wenn beispielsweise eine Biene von einem Feld mit Gentechnik auf ein Bio-Sonnenblumenfeld fliegt und dort Pflanzen bestäubt, sei das Feld nun einmal nicht mehr frei von Gentechnik.» Bisher war immer klar: Bio ist ohne Gentechnik. Wir wollen sicherstellen, dass alle die Wahl haben, auf ihrem Feld oder Teller auf Gentechnik zu verzichten.»
Nicht alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler teilen die Skepsis gegenüber gentechnischen Verfahren. Das Moratorium wirke hemmend auf die Forschung, argumentiert etwa Roland Peter vom Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung in der Zeitschrift «Schweizer Bauer». Gentechnische Verfahren hätten durchaus das Potenzial, die Produktivität und Stresstoleranz von Pflanzen zu verbessern. Auch ein Bericht des Bundesrats attestierte im Februar neuen Gentechnologien «Potenzial», zu einer nachhaltigen Landwirtschaft beizutragen. Das zuständige Bundesamt für Umwelt liess eine Anfrage des SonntagsBlicks unbeantwortet.
Die Biobauern stellen sich zur Sicherheit bereits auf die drohenden Neuerungen ein. Bio-Suisse-Sprecher Herrmann: «Die Vorarbeiten, wie wir unsere Höfe mit all ihren Tieren und Pflanzen vor den neuen Gentechniken schützen können, laufen auf Hochtouren.»
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