Trailer zu Schneewittchen sorgt für Aufregung
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Neue Verfilmung:Trailer zu Schneewittchen sorgt für Aufregung

Computer-Zwerge bei «Schneewittchen» sorgen für Wirbel – das sagen Schweizer Kleinwüchsige
«Man hätte Schauspieler einsetzen sollen»

Rote Köpfe statt schneeweisser Haut – Disneys neuer «Schneewittchen»-Film wird international kontrovers diskutiert. Zwei kleinwüchsige Schweizer Künstler äussern sich zu den computergenerierten Zwergen.
Publiziert: 23.03.2025 um 16:14 Uhr
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Aktualisiert: 23.03.2025 um 17:00 Uhr
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Im neuen «Schneewittchen»-Film spielt Rachel Zegler die titelgebende Hauptrolle, Gal Gadot die böse Stiefmutter. Die Zwerge wurden mittels CGI (Computer Generated Imagery) erstellt.
Foto: Disney

Darum gehts

  • Neuer «Schneewittchen»-Film sorgt für Kontroversen wegen Darstellung der Zwerge
  • Kleinwüchsige Schauspieler kritisieren Disneys Entscheidung für computergenerierte magische Kreaturen
  • Die beiden kleinwüchsigen Schweizer Künstler Sam Jimmyjoe und Alain Bader äussern sich zum Thema
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Hannes BoosRedaktor

Eine nicht gerade schneeweisse Latina-Prinzessin, zwei Hauptdarstellerinnen, die sich auf verschiedenen Seiten des Nahost-Konflikts positionieren: Der neue «Schneewittchen»-Film mit Rachel Zegler und Gal Gadot sorgt für Kontroversen. Besonders zu reden gab Disneys Entscheidung, die sieben Zwerge am Computer zu generieren; in alten Realverfilmungen haben kleinwüchsige Darsteller diese Rollen übernommen.

Grund für den Entscheid war offenbar die Angst vor einem Shitstorm. So bezeichnete es Peter Dinklage («Game of Thrones») im Vorfeld als «rückständig», überhaupt eine Geschichte über sieben Zwerge erzählen zu wollen. Disney verkündete daraufhin, die Thematik besonders behutsam anzupacken, statt «Zwergen» wird neu von «magischen Kreaturen» gesprochen. Kleinwüchsige Schauspieler sind mit der Herangehensweise nicht einverstanden. «Sie würden kein CGI (Computer Generated Imagery, Anmerkung der Red.) für grosse Charaktere benutzen, warum tun sie es dann bei Zwergen?», fragt etwa Choon Tan bei «Daily Mail». Beim Film hätte er gerne mitgespielt.

«Man hätte Schauspieler einsetzen sollen», stimmt Sam Jimmyjoe (35) im Gespräch mit SonntagsBlick zu. Der Schweizer Künstler ist 135 Zentimeter gross und stand selbst schon als Zwerg vor der Kamera. Kleinwüchsige werden oft für weniger intelligent als andere Menschen gehalten, sagt Jimmyjoe. Er halte es für hilfreich, wenn man dem Kinopublikum zeige: «Die können ja schauspielern.» So haben etwa Warwick Davis («Harry Potter») und Dinklage zu einer Entstigmatisierung von Kleinwüchsigkeit beigetragen.

Performance und Realität

Auch Alain Bader, 117 Zentimeter gross und Berner Variété-Schauspieler, findet den Entscheid schade; geeignete menschliche Darsteller gebe es. «Wenn man als Kleinwüchsiger mit Schauspielern anfangen will, dann wird man zuerst bei einer Zwergenrolle landen.» Bader selbst stand schon als Zwerg auf der Bühne, ebenso als Engel, Teufelsfigur oder Götterbote. Peter Dinklage sei zwar eines seiner Vorbilder, befinde sich aber auch in seiner privilegierten Position, da er seine Rollen fast frei wählen kann. Ob Bader bei «Schneewittchen» mitspielen würde? «Wenn die Gage stimmt.»

Wichtig findet Bader, dass der Zuschauer Filmfigur und Schauspieler gedanklich trennen kann. «‹Schneewittchen› ist ein Märchen. Hier darf man dem Publikum zutrauen, dass es das einordnen kann.» Problematischer seien dagegen Zirkusnummern mit kleinwüchsigen Clowns, wo die Grenzen zwischen Performance und Realität zu verwischen drohen.

Früher oder später werde er sich den neuen «Schneewittchen» auch anschauen, sagt Bader. «Weil ich Disney+ habe.» Bei Sam Jimmyjoe stösst der Film auf wenig Interesse. «Ich finde Gal Gadot einfach keine gute Schauspielerin.»

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