Auf einen Blick
- Albrecht Rychen, ehemaliger SVP-Kantonalpräsident und BDP-Mitbegründer, ist verstorben
- Rychen galt als Gegengewicht zu Blocher
- 34 Jahre lang leitete er das Berufs- und Weiterbildungszentrum Lyss als Rektor
Er war SVP-Kantonalpräsident und Mitbegründer der BDP: Der langjährige Berner Nationalrat Albrecht Rychen (†77) ist verstorben. Wie Angehörige dem Bieler Onlineportal Ajour mitteilen, sei der Herzblutpolitiker am Mittwochmorgen «friedlich eingeschlafen».
Seine letzten Jahre verbrachte Rychen in seinem Zuhause in Lyss BE, wo er von Familie und der Spitex gepflegt wurde. Er erkrankte vor rund acht Jahren an Alzheimer.
BDP-Weggefährte Grunder erinnert sich
Rychen begann seine politische Laufbahn früh – und hinterliess dabei einen bedeutenden Eindruck in der Schweizer Politik. Mit 22 Jahren trat er dem Berner Jugendparlament bei und gründete kurz darauf die Jugendabteilung der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei BGB, der Vorläuferin der SVP. Er durchlief anschliessend zahlreiche politische Ämter – vom Grossen Rat des Kantons Bern bis hin zum Nationalrat.
Hans Grunder (68), ehemaliger Berner SVP- und BDP-Nationalrat, erinnert sich an Rychen als «Vorkämpfer der BDP». «Er hatte einen starken Gerechtigkeitssinn, Anstand in der Politik war ihm immer sehr wichtig», so Grunder gegenüber Ajour.
Bei Kritikern galt er als «Weichei»
Im Nationalrat war Rychen in wichtigen Kommissionen tätig, darunter die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit sowie die aussenpolitische Kommission, die er als Präsident leitete. Besonders bemerkenswert war seine Rolle als Präsident der SVP des Kantons Bern: Er galt als starkes Gegengewicht im Richtungskampf mit Christoph Blocher (84) und seinem Zürcher Flügel.
Unter anderem in der Debatte um den Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) stand Rychen als Präsident der aussenpolitischen Kommission im Rampenlicht. Grunder erinnert sich: «Er musste deswegen viel einstecken.» So hätten ihn parteiinterne Kritiker unter anderem als «Weichei» betitelt – insbesondere weil er stets nach Sachlichkeit und Ausgleich strebte.
2017 zog sich Rychen aus der Öffentlichkeit zurück
Diese Haltung führte schliesslich zur Mitbegründung der Bürgerlich-Demokratischen Partei Schweiz (BDP) im Jahr 2008. Zusammen mit Bundesrat Samuel Schmid (78) und Hans Grunder war Rychen Mitglied der sogenannten Bubenberg-Gruppe und habe «massgeblich das erste Parteiprogramm der BDP geschrieben und geprägt», so Grunder. 2020 fusionierte die Partei mit der CVP zur Mitte-Partei.
Neben seiner politischen Karriere war Rychen auch im Bildungsbereich tätig. Nach seiner Ausbildung zum Primarlehrer und später zum Berufsschullehrer leitete er 34 Jahre lang das Berufs- und Weiterbildungszentrum Lyss als Rektor. Nach seinem Rücktritt aus der aktiven Politik war Rychen noch einige Zeit als Verwaltungsratspräsident der Krankenkasse Visana tätig. 2017 zog er sich aus gesundheitlichen Gründen zurück.