Auf einen Blick
- Dreharbeiten zum Spielfilm «Hallo Betty» über Betty-Bossi-Erfinderin Emmi Creola-Maag in Winterthur ZH
- Gesellschaftskomödie mit Witz und Tiefe erzählt Emanzipationsgeschichte im Wirtschaftsboom
- 5,3 Millionen Franken teure Produktion, Aufnahmen dauern bis März 2025
«Heute müssen wir viel Geduld haben und flexibel sein», sagt Regisseur Pierre Monnard (49, «Winter Palace») zur versammelten Schauspielschar, darunter auch Hauptdarstellerin Sarah Spale (44). Blick besucht am Dienstagmorgen die Dreharbeiten zum Spielfilm «Hallo Betty», der das Leben von Betty-Bossi-Erfinderin Emmi Creola-Maag (1912–2006) und die einmalige Erfolgsgeschichte hinter der Marke Betty Bossi nacherzählt.
Für die 5,3 Millionen Franken teure Produktion hat C-Films seit Oktober 2024 grosse Teile der stillgelegten Spinnereifabrik Rieter in Winterthur ZH gemietet. Die Aufnahmen dauern bis März, der Film läuft im November 2025 an.
Sogar Heidi Abel lebt wieder
Die Handlung beginnt 1956, als Creola-Maag den Auftrag bekommt, für die Speiseölfirma Astra in Steffisburg BE – später Unilever – eine Werbekampagne zu entwickeln. Im Verlauf der Jahrzehnte entsteht eine ikonische Fantasiefigur, die den Hausfrauen als Freundin und Ratgeberin gleichzeitig dient.
Am Tag des Setbesuchs werden gerade Szenen im eigens aufgebauten Studio des Schweizer Fernsehens aufgenommen, das sich ursprünglich im Zürcher Seefeld befand. Dabei wird auch die vor vierzig Jahren verstorbene TV-Moderatorin Heidi Abel (1929–1986) zum Leben erweckt, gespielt von der Baslerin Antoinette Ullrich (27).
Nebenan wartet als nächster Schauplatz das Interieur einer Filiale des damaligen Lebensmittelvereins Zürich LVZ – heute Coop, dem Betty Bossi gehört. Für die stimmige Patina wird ein immenser Aufwand mit mehreren Tausend Requisiten und Hunderten von Statisten betrieben.
«Betty Bossi kennen alle»
«Vor rund fünf Jahren sassen wir für ein Brainstorming zusammen und suchten nach einer zündenden Idee für einen neuen Schweizer Film», erzählt Produzent Peter Reichenbach (70). «Schliesslich landeten wir bei einem Begriff, den alle kennen: Betty Bossi. Ich habe dann bei Betty Bossi angerufen und gefragt, ob es grundsätzlich möglich wäre, so etwas in Angriff zu nehmen.» Geld floss zur Umsetzung keines. «Wir wollten und mussten unabhängig bleiben. Die einzige Auflage von Betty Bossi war, nichts Rufschädigendes darzustellen, was wir auch einhalten.»
Die Gefahr droht tatsächlich kaum. «Hallo Betty» ist eine Gesellschaftskomödie mit Witz und Leichtigkeit. «Doch auch Ernst und Tiefe fehlen nicht», sagt Reichenbach. Der Film erzählt eine Emanzipationsgeschichte, angesiedelt in einer Zeit des beginnenden Wirtschaftsbooms, als der Krieg schon lange genug vorbei ist und die Menschen wieder ans Geniessen denken können.
André Küttel (55), der mit Monnard und Spale schon bei «Platzspitzbaby» kooperierte, hat das Drehbuch verfasst und dafür mehrfach mit Creola-Maags Tochter Ines Diacon gesprochen. Einige Figuren sind fiktiv, im Ganzen hält sich «Hallo Betty» aber stark an die realen Ereignisse. «Es ist wie im Leben: Mit ein bisschen Dekoration schmeckt alles besser», sagt die pensionierte Creola-Maag am Ende des Films in einer provisorischen Szene, die Blick bereits sehen konnte.
Meryl Streep der Schweiz
Nach «Wilder» und «Platzspitzbaby» ein weiteres ideales Feld für Sarah Spale und ihre schauspielerischen Qualitäten. «Für mich ist sie die Meryl Streep der Schweiz», schwärmt der sichtlich begeisterte Reichenbach.
Apropos Begeisterung: Blick testet anschliessend auch das Mittagessen für die Crew, Rindssteak aus dem Lendenbereich mit Kräuterbutter, Wintergemüse oder natürlich auch ein vegetarisches Angebot. Fazit: Betty Bossi hätte ihre hellste Freude gehabt.