Auf einen Blick
- Tiefseebergbau in Norwegen geplant, aber umstritten wegen Umweltbedenken
- WWF klagt gegen Regierung, Gericht weist Klage zunächst ab
- Metallvorkommen in Tiefsee: Schätzungen gehen von 120 Millionen Tonnen Kobalt aus
Auf dem Meeresgrund ist es stockdunkel und eiskalt, der Wasserdruck ist enorm. Trotz dieser lebensfeindlichen Bedingungen haben sich mehrere Tausend Meter unterhalb der Wasseroberfläche spezielle Tierarten entwickelt. Rund 90 Prozent der Tiefsee sind heute noch nicht erforscht, doch bekannt ist: Nicht nur Tiere befinden sich auf dem Meeresgrund, sondern auch tonnenweise begehrte Metalle. Die sogenannten «Manganknollen» sind etwa so gross wie Kartoffeln und enthalten Rohstoffe wie Mangan, Nickel, Kobalt oder Kupfer.
Manche Unternehmen und Länder planen, diese wertvollen Metalle in der Tiefsee abzubauen. So hatte Norwegen für das Frühjahr 2025 die Lizenzvergabe für grossflächige Tests im Nordatlantik geplant. «Wir brauchen diese Mineralien, um die Energiewende erfolgreich zu gestalten», erklärte Norwegens Energieminister Terje Aasland (60) im Sommer 2023. Die geplante Abbaufläche zwischen Norwegen, Grönland und Spitzbergen ist mit 280’000 Quadratkilometern grösser als Ecuador.
Doch im November 2024 zieht WWF Norwegen gegen die Regierung vor Gericht. Sie klagt, die Umweltverträglichkeit des Tiefseebergbaus sei unzureichend geprüft worden. «Es geht beim Gerichtsprozess nicht darum, ob Tiefseebergbau in Norwegen stattfinden soll, sondern darum, ob die norwegische Regierung dabei geltende Umweltgesetze einhält», sagt Jessica Battle, Leiterin des Tiefseeschutzprogramms bei WWF, zu Blick. Mitte Februar weist das Bezirksgericht Oslo die Klage ab. Es kommt zum Schluss, dass eine getätigte Umweltverträglichkeitsprüfung den Anforderungen entspreche.
Riesiges Metallvorkommen in der Tiefe
Das Interesse an den Rohstoffen am Meeresgrund steigt, da «diese Metalle benötigt werden, um bestimmte Technologien von Batterien herzustellen, die wir für die Energiewende brauchen», sagt Cyril Chelle-Michou (39), Assistenzprofessor am Departement für Erd- und Planetenwissenschaften an der ETH Zürich. Ob E-Autos, Solaranlagen oder Windturbinen – ohne diese Metalle läuft nichts.
Die Metallvorkommen in der Tiefsee sind gewaltig, Schätzungen gehen von 120 Millionen Tonnen Kobalt aus. Beim Tiefseebergbau gleiten ferngesteuerte Roboter von einem Schiff aus in die Tiefe und pflügen den Meeresboden um. Sie saugen alles auf, was sich auf dem Meeresgrund befindet, und pumpen es durch ein Panzerrohr an Deck. Die wertvollen Manganknollen werden herausgefiltert und das Sand-Wassergemisch mit den toten Lebewesen landet wieder im Meer.
Für den Tiefseebergbau gibt es heute noch kein internationales Regelwerk. Zwar diskutieren die 168 Mitgliedstaaten der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) immer wieder. Doch es gibt keine Einigung. «Es wird Jahrzehnte dauern, bis wir genug über die Tiefsee herausgefunden haben, um auf wissenschaftlicher Grundlage entscheiden zu können, ob Tiefseebergbau betrieben werden kann, ohne die Meeresumwelt zu schädigen», sagt Jessica Battle.
Doch ist der Metallabbau am Meeresgrund überhaupt notwendig? Chelle-Michou ist sich sicher: «Wir haben wirklich viele Ressourcen an Land – in vielen Ländern.» Doch die Energiewende erfordere die Eröffnung einer Vielzahl neuer Minen. Dagegen sperren sich viele Staaten.
Gegen den geplanten Tiefseebergbau in Norwegen machte sich 2024 weltweit Widerstand breit: Die EU-Kommission und rund zwei Dutzend Staaten weltweit, darunter auch die Schweiz, verlangten ein Moratorium. Unternehmen wie BMW, Samsung, Apple und zahlreiche Wissenschaftler schlossen sich der Forderung an. Der Tiefseebergbau bedrohe empfindliche Ökosysteme.
Regeneration braucht Jahrtausende
Tests zeigten: Wo die Maschinen wüten, ist alles Leben für lange Zeit ausgelöscht. Denn die Lebewesen der Tiefsee entwickeln sich nur langsam und die abgetragene Sedimentschicht braucht Jahrtausende, um sich zu regenerieren. «Diese Zusammenhänge machen deutlich, dass die Tiefsee Teil des gesamten Planetensystems ist und je mehr wir darüber herausfinden, desto mehr verstehen wir, dass wir noch sehr wenig wissen», sagt Battle.
Aufgrund des breiten Widerstands krebste die norwegische Regierung mit ihren Plänen für 2025 im Dezember zurück: Für das ganze Jahr sollen keine Lizenzen für den Tiefseebergbau in norwegischen Gewässern vergeben werden. Dabei handle es sich aber nicht um einen endgültigen Stopp, sondern um ein vorläufiges Aussetzen der Pläne, wie Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre (64) im Dezember in einem TV-Interview mitteilte.
WWF Norwegen legt nun gegen das Urteil des Bezirksgerichts Oslo Berufung ein, wie die Organisation am 25. Februar 2025 auf ihrer Webseite mitteilte. «Wir glauben, dass das Urteil mehrere schwerwiegende Fehler enthält», wird Karoline Andauer (43), CEO von WWF Norwegen, zitiert. Wie die norwegische Regierung weiterfährt mit ihren Vorhaben im Tiefseebergbau, ist derzeit unklar.
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