Vorbild von Nivio (12) ist Spider-Man, denn er sei sympathisch und rettet Menschen. Für die dreizehnjährige Angelina ist ihre Mutter ein Vorbild: «Sie macht alles für mich.» Ob Comicfigur oder reale Person: Gerade in der Kindheit sieht man in anderen Vorbilder.
So startet auch die neue Heldenausstellung «geliebt, gelobt, gehypt» im Stadtmuseum Aarau in einem als Kinderzimmer inszenierten Bereich, mit Fan-Postern an den Wänden, Lego-Sets und Video-Interviews mit Kindern wie Nivio und Angelina.
Idole sind Spiegel der Gesellschaft
Das Heldenthema ist alltagsnah, bester Stoff für persönliche Erinnerungen und Geschichten. Doch Vorbilder und Idole sind nicht nur ein individuelles Thema: Wen wir als Helden oder Heldin betrachten, sagt viel über unsere Gesellschaft aus.
Krisen bringen neue Heldenfiguren hervor – etwa Klimaaktivistin Greta Thunberg, Flüchtlingsaktivistin Carola Rackete, oder das Forscherpaar Uğur Şahin und Özlem Türeci, das innert Kürze einen Corona-Impfstoff entwickelte.
Andere Heldenfiguren verkörpern nicht mehr die Werte der heutigen Gesellschaft und werden im wahrsten Sinne vom Sockel geholt. So haben zum Beispiel Demonstrierende im Jahr 2020 in Grossbritannien im Zuge der Bewegung Black Lives Matter die Statue eines Sklavenhändlers gestürzt und im Hafen versenkt.
Hunderte Fotos aus dem Ringier Bildarchiv
Die Ausstellung beleuchtet Inszenierungsformen wie die Homestory, erklärt Erzählmuster wie die Heldenreise und beleuchtet die Fankultur. Ein wahrer Schatz an Fotografien – die meisten davon aus dem Ringier Bildarchiv – illustriert die verschiedenen Facetten des Themas. Und die «Heldothek» zeigt in einem überdimensionierten Setzkasten private Fan-Objekte von Kindern und Erwachsenen.
Mit KI auf die persönliche Heldenreise
Dies wäre schon reichhaltig genug, um Besuchende eintauchen, sie in Illustrierten, Bildwelten und Fanartikeln schmökern und sie über eigene Vorbilder nachdenken zu lassen. Doch die Ausstellung bietet noch eine weitere Ebene: die künstliche Intelligenz, welche das Museum als erstes in der Schweiz als Ausstellungsbegleiterin einsetzt.
An fünf Stationen führen Besuchende mit der KI Gespräche – wahlweise auch auf Schweizerdeutsch. Sie werden selbst auf eine Heldenreise geschickt, bekommen Superkräfte zugeschrieben und einen Sidekick zur Seite gestellt.
Ist KI eine Heldin?
Die Auseinandersetzung mit der KI im Museum soll Menschen die Basis geben, an gesellschaftlichen Diskussionen darüber teilzunehmen. «Wir fragen: Kann die künstliche Intelligenz eine Superkraft sein für uns Menschen – wenn sie richtig eingesetzt wird?», sagt Laura Schuppli (36), die gemeinsam mit Laura Aellig (39) die Ausstellung kuratiert hat.
Marc Griesshammer (44), Leiter des Stadtmuseums Aarau, bringt übermenschliche Comicfiguren und KI in Verbindung: «In Bezug auf Superhelden ist eine Faszination da, aber gleichzeitig fürchtet man sich davor, dass sie zu mächtig sein könnten. Denselben Diskurs sehen wir bei der künstlichen Intelligenz.»
Und: Wie jede Heldenfigur hat auch die KI Schwächen. Dies ist in der Ausstellung direkt erfahrbar, wenn die KI Nonsens antwortet oder der Besucherin auf dem künstlich generierten Foto am Schluss des Rundgangs eine zweite Gestalt aus dem Bauch heraus ragt.
Stadtmuseum Aarau, «geliebt, gelobt, gehypt – eine Ausstellung über Held:innen, Vorbilder und Idole», bis 27. April 2025