«Die Verarbeitung ist solider als bei Tesla»
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BYD Sealion 7 im Test:«Die Verarbeitung ist solider als bei Tesla»

China-Autoriese pompös gestartet
Träumt BYD in der Schweiz zu gross?

Mit mächtig Verspätung ist Chinas Autogigant nun offiziell auch in der Schweiz vertreten. Statt Günstigstromer überrascht BYD zum Start mit gehobener E-Auto-Kost – und selbstbewussten Preisen. Technisch überzeugen die Fahrzeuge, die Vertriebsstrategie hingegen weniger.
Publiziert: 04.04.2025 um 06:09 Uhr
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Aktualisiert: 04.04.2025 um 11:36 Uhr
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Der chinesische Auto- und Batterieriese BYD ist weltweit die Nummer 1, was den Absatz von Elektro- und Hybridautos angeht.
Foto: HU1986

Darum gehts

  • BYD startet offiziell in der Schweiz mit spektakulärem Auftritt
  • BYD setzt auf eigenes Vertriebsgeschäft statt wie einst geplant zusammen mit der Emil Frey-Gruppe
  • Bis Ende 2025 sind 15 Verkaufspunkte in der Schweiz geplant
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Raoul SchwinnenRedaktor Auto & Mobilität

Der chinesische Auto- und Batterieriese BYD (Build your dreams) träumt gerne gross. Und steht so seinem US-Rivalen Tesla um Alleinherrscher Elon Musk (53) in nichts nach. So verkündete der mittlerweile grösste E-Autobauer der Welt dieser Tage mit einem spektakulären Auftritt in der Umwelt Arena in Spreitenbach AG vor versammelter Medien- und Influencerinnenschar den offiziellen Marktstart in der Schweiz.

Die extra für die Schweizer-Show angereiste Stella Li (55), Topmanagerin und Nummer 2 des China-Autoriesen, macht auf der Bühne bei ihrer Präsentation die Ansprüche klar. Was den Absatz von Elektro- und Hybridautos angeht, sei man nun mit Abstand die Nummer 1 der Welt. Genüsslich zeigt sie das Balkendiagramm, das BYD mit 4,2 Millionen verkauften Fahrzeugen 2024 tatsächlich klar an der Spitze zeigt – deutlich vor dem bisherigen Spitzenreiter Tesla mit «nur» 1,79 Millionen Verkäufen. Was Li verschweigt und ihre Zahlen relativiert: Während Tesla ausschliesslich reine Elektroautos anbietet, fliessen bei BYD neben E-Autos eben auch Hybridfahrzeuge in die Statistik ein. Also nicht nur Elon Musk und Tesla, sondern auch BYD kann protzen.

Nach Stella Li tritt die fürs BYD-Europa-Geschäft verantwortliche und früher auch für Fiat in der Schweiz tätige Maria Grazia Davino (47) auf und verkündet stolz, wie sich BYD auf unserem Kontinent bereits erfolgreich verbreitet habe. Inklusive der Schweiz, wo der Marktstart eigentlich schon für 2024 geplant war, sind die Chinesen inzwischen auf 29 europäischen Märkten aktiv, mit bis Ende Jahr mehr als 1000 Händlern. Was Davino verschweigt: In wichtigen Märkten wie Deutschland kommen die Chinesen einfach nicht in die Gänge. Noch vor einem Jahr verkündete BYD mit einem ähnlich spektakulären Auftritt am letzten Genfer Autosalon den viel beachteten (und bestimmt nicht günstigen) Hauptsponsoring-Deal der letzten Sommer in Deutschland ausgetragenen Fussball-Europameisterschaft. Auch damals wurde mächtig getrommelt – doch die Ergebnisse sind mehr als ernüchternd. BYD kommt auf dem Schlüsselmarkt Deutschland trotz des riesigen Werbe-Engagements nicht in Fahrt, verkaufte 2023 nur rund 4000 Autos und 2024 sogar noch weniger.

Verzögerter Anlauf in der Schweiz

Aussenstehende fragen sich: Wieso? Zum einen sei es falsch gewesen, dass BYD das Importgeschäft in Deutschland der renommierten Hedin-Gruppe anvertraute, jedoch auf ein grossflächiges Händler- und Vertriebsnetz verzichtete, analysieren die BYD-Manager nachträglich. Heute managen die Chinesen das Vertriebsgeschäft in Deutschland in eigener Regie. Wie in der Schweiz übrigens auch. Letzten Frühling nach dem Autosalon Genf schien noch klar, dass BYD für den Start in der Schweiz das Händlernetz der Emil Frey-Gruppe nutzen will. Doch nach den Erfahrungen in Deutschland krebsten die Chinesen zurück – und gleisen jetzt das Schweizer Geschäft in Eigenregie auf. Das erklärt auch den fast um ein Jahr verzögerten Markteintritt in unserem Land.

«Wir wollen in Zukunft 13 Modelle in die Schweiz bringen»
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BYD-Länderchefin Stella Li:«Wir wollen in Zukunft 13 Modelle in die Schweiz bringen»

Ob das ein cleverer Schachzug ist, bleibt abzuwarten. Der Schweizer Automarkt ist eigen – und mit den restlichen Märkten in Europa nicht zu vergleichen. Immerhin: BYD setzt auch in der Schweiz auf ein klassisches Vertriebsgeschäft mit Händler- und Servicenetz. Und auf die Strategie, sofort Autos auf den Markt zu bringen und erst später die nötigen Vertriebsstrukturen zu schaffen. 15 Verkaufspunkte sind bis Ende Jahr in der Schweiz geplant; bis 2028 sollen es 80 sein. Dies verkündet wiederum der fürs Schweizer Business verantwortliche BYD-Countrymanager Jontey Li (32, nicht verwandt mit Stella Li). Seit dieser Woche bereits geöffnet hat der Store an der Zürcher Uraniastrasse. Die nächsten zwei BYD-Standorte eröffnen im Tessin, in Cadenazzo und in Lugano. Ob dies clever gewählte Standorte sind, wird sich zeigen.

Zum Start drei Modellreihen

Gespannt waren wir, mit welchen Modellen BYD in der Schweiz starten wird. Überraschenderweise nicht mit den preislich vorteilhafteren Klein- oder Kompaktwagen Seagull oder Dolphin, sondern mit den eher gehoben anmutenden elektrischen Seal (Limousine) und Sealion 7 (Crossover) im Preissegment zwischen 48’990 und 60’990 Franken sowie drei Varianten des Plug-in-Hybrid-SUVs Seal U DM-i, die ab 42’990 Franken starten.

So fährt sich der elektrische BYD Sealion 7

BYD will sich bei uns nicht mit Klein- oder Kompaktwagen in die Herzen fahren, sondern mit durchaus stattlichen Elektro-Limousinen und Plug-in-Hybrid-SUVs. Im Rahmen der grossen Eröffnungsshow in der Umwelt Arena Spreitenbach AG konnten wir den Sealion 7 fahren – ein coupéartiger E-SUV, der bei uns mit zwei Antriebsarten (Heck- oder Allradantrieb) und in drei Ausstattungsvarianten ab 49’990 Franken angeboten wird.

Wir fahren den top ausgestatteten Allradler mit je einem E-Motor vorne und hinten, total 530 PS (390 kW) Leistung und 82,5 kWh grossem Akku für Reichweiten von rund 500 WLTP-Kilometern. Der elegante Mix aus SUV und Coupé beschleunigt rasant (0–100 km/h in 4,5 s, Spitze 215 km/h), ist aber kein Spitzensportler. Zu üppig sind die Dimensionen (L/B/H = 4,83/1,93/1,62 m) und das Gewicht von über 2,4 Tonnen. Zudem bremst das ESP allfällig aufkommenden Fahrspass früh ein. Fix gehts dafür an der Ladesäule: In 24 Minuten wird am Schnelllader von 10 auf 80 Prozent geladen.

Der vom Schweizer BYD-Interieurdesignchef Michele Jauch-Paganetti wohnlich gestaltete und solide verarbeite Innenraum wird Premiumansprüchen gerecht. Dazu passt auch das komfortabel abgestimmte Fahrwerk und die äusserst leise Geräuschkulisse. Die Qualität der im Cockpit verbauten Bildschirme ist prima, das Zentraldisplay lässt sich horizontal oder vertikal nutzen. Dazu gibts ein Head-up-Display. Die Ledersitze sind sehr bequem, das Platzangebot für Mensch und Gepäck grosszügig.

Trotz des Gebotenen: Preislich ist der Sealion 7 in der Excellence-Ausführung ab 60’990 Franken alles andere als ein Schnäppchen. Ein grössenmässig vergleichbarer VW ID.5 GTX, auch mit 4x4, aber «nur» 286 PS , gibts ab 50’400 Franken. Und da sind Rabattaktionen, wie sie von der Amag derzeit angeboten werden, noch nicht berücksichtigt.

Den BYD Sealion 7 gibts mit Heck- oder Allradantrieb ab 49'990 bzw. 60'990 Franken.
Philippe Rossier

BYD will sich bei uns nicht mit Klein- oder Kompaktwagen in die Herzen fahren, sondern mit durchaus stattlichen Elektro-Limousinen und Plug-in-Hybrid-SUVs. Im Rahmen der grossen Eröffnungsshow in der Umwelt Arena Spreitenbach AG konnten wir den Sealion 7 fahren – ein coupéartiger E-SUV, der bei uns mit zwei Antriebsarten (Heck- oder Allradantrieb) und in drei Ausstattungsvarianten ab 49’990 Franken angeboten wird.

Wir fahren den top ausgestatteten Allradler mit je einem E-Motor vorne und hinten, total 530 PS (390 kW) Leistung und 82,5 kWh grossem Akku für Reichweiten von rund 500 WLTP-Kilometern. Der elegante Mix aus SUV und Coupé beschleunigt rasant (0–100 km/h in 4,5 s, Spitze 215 km/h), ist aber kein Spitzensportler. Zu üppig sind die Dimensionen (L/B/H = 4,83/1,93/1,62 m) und das Gewicht von über 2,4 Tonnen. Zudem bremst das ESP allfällig aufkommenden Fahrspass früh ein. Fix gehts dafür an der Ladesäule: In 24 Minuten wird am Schnelllader von 10 auf 80 Prozent geladen.

Der vom Schweizer BYD-Interieurdesignchef Michele Jauch-Paganetti wohnlich gestaltete und solide verarbeite Innenraum wird Premiumansprüchen gerecht. Dazu passt auch das komfortabel abgestimmte Fahrwerk und die äusserst leise Geräuschkulisse. Die Qualität der im Cockpit verbauten Bildschirme ist prima, das Zentraldisplay lässt sich horizontal oder vertikal nutzen. Dazu gibts ein Head-up-Display. Die Ledersitze sind sehr bequem, das Platzangebot für Mensch und Gepäck grosszügig.

Trotz des Gebotenen: Preislich ist der Sealion 7 in der Excellence-Ausführung ab 60’990 Franken alles andere als ein Schnäppchen. Ein grössenmässig vergleichbarer VW ID.5 GTX, auch mit 4x4, aber «nur» 286 PS , gibts ab 50’400 Franken. Und da sind Rabattaktionen, wie sie von der Amag derzeit angeboten werden, noch nicht berücksichtigt.

Bei einer kurzen Probefahrt im SUV-Coupé Sealion 7 (siehe Box), dem neuesten Fahrzeug der BYD-Flotte, wird schnell klar: Technik und Anmutung wirken grundsolide – besonders punkto Qualität hat BYD den Rivalen Tesla längst abgehängt. Doch gibt es auf dem Schweizer Markt eben nicht nur Tesla: Die bisher konkurrenzlos günstigen Modelle 3 und Y werden zunehmend auch von europäischen Stromern unter Druck gesetzt. Und so sind wir gespannt, ob die Schweizer Kunden – nicht zuletzt mit Blick auf die recht selbstbewussten BYD-Preise – nicht eher ein Elektromodell der bei uns etablierteren Marken wie VW, Renault oder Skoda wählen. Zumal eine Umfrage von Versicherer Axa im letzten Herbst zeigte, dass in der Schweiz China das mit Abstand unbeliebteste Autoherstellerland ist. Noch scheint hierzulande also kaum jemand von einem China-Stromer zu träumen.

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