Darum gehts
- «Fischtürklingel»-Saison: Nutzer können online Fische in Utrecht beobachten und retten
- Virtueller Knopf alarmiert Stadtökologen
- Livestream von fast 3 Millionen Menschen im vergangenen Jahr angeschaut
«Also gut, keine Panik, aber ich wollte euch nur wissen lassen, dass endlich wieder Fischtürklingel-Saison ist, welche die schönste Zeit des Jahres ist.» Mit diesen Worten beginnt ein vom US-Wrestler Shiloh Hill (26) in den sozialen Medien gepostetes Video, dass allein auf der Plattform X mehr als 600’000 Mal aufgerufen wurde und auf Tiktok knapp 245’000 Likes sammelte.
«Fischtürklingel-Saison»? Ist das wieder einer dieser merkwürdigen Trends der Generation Z? Nein, viel besser.
Auf der Webseite visdeurbel.nl können Nutzer schon seit fünf Jahren über eine Unterwasserkamera verfolgen, ob sich gerade Fische vor einer Schleuse in der niederländischen Stadt Utrecht befinden. Diese ist im Winter und im Frühjahr monatelang geschlossen, weil kein Bootsverkehr stattfindet, was für die Fische zum Problem wird.
Tausende von ihnen ziehen durch die Grachten und kommen nicht weiter, wenn niemand die Schleuse mit der «Visdeurbel» (zu Deutsch: «Fischtürklingel») öffnet. Ein gefundenes Fressen für ihre natürlichen Feinde, etwa Hechte, Kormorane oder Haubentaucher.
«Eine der besten Seiten im Internet»
Mit einem virtuellen Knopf können die Zuschauer die Stadtökologen informieren, wenn sie Fische sehen. Wird der Knopf betätigt, gehen ein Screenshot und eine Meldung an die Zuständigen – und die Fische werden vor dem Tod bewahrt. Möglich ist die Betätigung des Knopfs per Mausklick zwischen Anfang März und Ende Mai. Andernfalls würden die Ökologen aufgrund des hohen Interesses der Netzgemeinde vermutlich verrückt werden.
«Meiner Meinung nach ist es eine der besten Seiten im Internet. Der Nervenkitzel, wenn man einen Fisch durchlässt, ist unvergleichlich», freut sich WWE-Wrestler Hill in seinem Video.
Es gibt einen Haken bei dem Livestream
«Sei frei, Kumpel», brüllt er, als er einen Fisch entdeckt und den roten Befreiungsknopf anklickt. Bei Hills Followern kommt die «Fischtürklingel» gut an. «Mein Fischfoto wurde vor ein paar Wochen veröffentlicht. Es macht so süchtig», schreibt ein Tiktok-Nutzer. «Ich finde es toll, dass du das gefunden hast!», kommentiert eine andere Nutzerin.
Der Hype um die «Fischtürklingel» soll schon so weit gegangen sein, dass sich menschliche Spassvögel ins Wasser stürzten, um «gemeldet» zu werden, schreibt die Deutsche Presse-Agentur (DPA). Es gibt aber auch noch einen anderen Haken bei der Sache: Nur rund 950 Menschen können den Livestream gleichzeitig anschauen und den rettenden Knopf anklicken. Sind es mehr, fehlt der Klingelknopf. Was oft vorkommt. Laut DPA schauten im vergangenen Jahr fast drei Millionen Menschen zu und hielten nach den Fischen Ausschau.