Darum gehts
- Schlauchboot mit Familie kenterte am Samstag auf Reuss bei Mühlau AG
- Bub (5) wird nach Kollision mit Baum weiterhin vermisst
- Über 10 Rettungsteams und Drohnen suchten stundenlang ohne Erfolg
Mehr als 40 Stunden sind vergangen und noch immer ist der Bub (5), der am Samstagnachmittag bei Mühlau AG in der Reuss verschollen ist, nicht aufgetaucht. Die Kantonspolizei Aargau hat die Suche aber noch nicht aufgegeben, wie Mediensprecher Dominic Zimmerli am Montagmorgen zu Blick sagt. Die Einsatzkräfte wollen am Montag unter anderem beim Kraftwerk in Bremgarten schauen, ob das Kind dort ausfindig gemacht werden kann.
Aber: Die Bedingungen sind schwierig. «Die Strömung ist stark, das Wasser trüb», nennt Zimmerli die Herausforderungen für die Einsatzkräfte. Zudem könnten sich die oberflächliche Strömung und die Strömung unter Wasser stark unterscheiden. Man setzt verstärkt auf Boote, aus der Luft ist die Sicht einfach zu schlecht.
Unglücksbaum abtransportiert
Der Unfall ereignete sich gemäss Mitteilung der Kantonspolizei Aargau am Samstagnachmittag, um kurz vor 14 Uhr. Das Schlauchboot, in dem eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern im Alter von fünf und sieben Jahren sass, kollidierte mit einem im Fluss liegenden Baum und kenterte daraufhin. Die Eltern sowie das siebenjährige Mädchen konnten sich an Land retten.
Mehrere Stunden lang wurde im Wasser, aus der Luft sowie vom Ufer aus nach dem Knaben gesucht. «Leider konnte er noch nicht gefunden werden», hält die Kantonspolizei Aargau am Sonntagmorgen fest. Der Baum, der zum Unglück führte, wurde mittlerweile entfernt.
Die Familie des Buben ist am Boden zerstört, wie in einem Gespräch mit Blick klar wird. Der Vater des Fünfjährigen sagt mit Tränen in den Augen: «Ich hoffe, dass unser Sohn noch gefunden wird.» Die Hoffnung sterbe zuletzt.
Kapo-Sprecher: «Wir geben alles»
Dominic Zimmerli, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau, gibt Blick am Sonntagvormittag ein Update zur Suche. «Bis jetzt haben wir den Bub leider noch nicht finden können. Die Suchmassnahmen gehen heute aber weiter.» Man habe am Samstag bis in die Abendstunden hinein gesucht.
«Wir suchen jetzt noch mal das Flussgebiet ab», erläutert Zimmerli zu den weiteren Suchmassnahmen. «Wir geben alles, um den Bub zu finden!»
«Fliessende Gewässer haben immer eine gewisse Gefahr»
Beim Bub handle es sich um einen Schweizer, der eine Schwimmweste angehabt haben soll. Aufgrund der Strömung könne es aber auch sein, dass der Bub die Weste im Wasser verloren habe. Die Eltern werden aktuell psychologisch betreut.
«Fliessende Gewässer haben immer eine gewisse Gefahr», erklärt Zimmerli weiter. Spezielle Warnungen seitens der Polizei habe es am Samstag aber nicht gegeben. Der Kapo-Sprecher mahnt besonders bei starken Strömungen zur Vorsicht.
Grossaufgebot im Einsatz
Als Blick am Sonntagvormittag an der Unfallstelle ankommt, baden Menschen bereits wieder im Fluss. Auch Schlauchboote sind unterwegs.
An der Unfallstelle sind mehrere Angehörige des vermissten Buben erschienen. Einer sagt, er sei der Onkel des Buben. «Es geht uns gar nicht gut.»
Kapo-Sprecher Zimmerli sagt Blick, dass von der Unfallstelle bis runter zum Kraftwerk in Bremgarten gesucht werde. «Das ist ein langes Stück. Wir gehen nicht davon aus, dass er durch das Kraftwerk durchgekommen ist», fügt er hinzu. Ein Blick-Reporter beobachtet am Samstagmittag eine Suchaktion bei Rottenschwil AG. Polizeiboote fuhren auf dem Wasser.
An der Suche waren bislang zahlreiche Rettungs- und Einsatzkräfte beteiligt: Diverse Patrouillen der Regionalpolizeien Wohlen, Muri und Bremgarten sowie der Kantonspolizei Aargau, ein Rettungshelikopter der Schweizerischen Rettungsflugwacht, mehrere Drohnen der Polizei, die Flussrettungsgruppe der Regionalpolizei Brugg mit einem Boot, die Gewässerpolizei und Unfallgruppe der Kantonspolizei Aargau, Polizeitaucher der Kantonspolizei Zürich, eine Ambulanz, das Careteam des Kantons Aargau, die Feuerwehr Mühlau sowie ein Boot des Flusskraftwerks Bremgarten.
«Ich fühle mich absolut sicher»
Adrian Zobrist (48) ist regelmässig mit dem Stand-Up-Paddleboard auf der Reuss unterwegs. Der Hobby-Wassersportler aus Schafisheim AG sagt zu Blick: «Wenn man auf das Wasser geht, muss man bestimmte Gefahren kennen und sich überlegen, wie man auf das Wasser geht.»
Der Hauswart und dreifache Familienvater trägt immer eine Weste und hat ausreichend zu trinken dabei. Er merkt an, dass man mit dem Paddleboard gut ausweichen könne – anders als mit dem Schlauchboot.
René Röllin (49) geht am Sonntag mit dem Gummiboot auf die Reuss. Er wolle sich ein klein wenig Abkühlung verschaffen, sagt er zu Blick. «Jedes Gewässer birgt Gefahren. Man muss vorsichtig sein», so der Elektriker aus Cham ZG.
Eine Schwimmweste hat er nicht dabei. Er habe das schon einige Male gemacht und kenne sich gut aus. «Ich kann sehr gut schwimmen und habe Rettungsbojen dabei, die man um den Bauch binden kann, damit man Auftrieb hat», betont er. «Ich fühle mich absolut sicher.»