Darum gehts
- Apple baut Siri komplett neu: eigene App, erfasst den Bildschirminhalt
- Start nur auf Englisch, Deutsch und weitere Sprachen folgen später
- Immerhin: Die Schweiz bekommt Siri AI, die EU geht leer aus
Siri wird zu Siri AI
Es ist der grösste Umbau seit 15 Jahren: Apple baut Siri von Grund auf neu – und liefert das, was es vor zwei Jahren bereits versprochen hat. Software-Chef Craig Federighi stellt nach dem Event vor Journalisten klar: «Wir sehen Siri nicht als separaten Chatbot, sondern als ein integrales, dialogorientiertes Werkzeug, das tief ins System integriert ist.» Siri AI wird zur eigenen App auf iPhone, iPad und Mac; Daten synchronisieren zwischen den Geräten. Dank «On-Screen-Awareness» erfasst Siri auch den Bildschirminhalt und versteht den Kontext, steuert Apps oder durchsucht Mails und Fotos, ohne dass der Nutzer lange Erklärungen liefern muss. Dabei betont Apple den Datenschutz. Einfache Befehle verarbeitet das iPhone lokal, nur knifflige Anfragen wandern in die Cloud. Die Daten sind verschlüsselt. Siri-Chef Mike Rockwell sagt: «Wir senden nur die in diesem Moment absolut notwendigen Fragmente an die Cloud. So bekommen wir die volle Power der Personalisierung, ohne die Privatsphäre zu riskieren.» Federighi ergänzt, dass Apples Server «hermetisch versiegelt» sind und die Daten nach der Beantwortung sofort wieder gelöscht werden. Für die Rechenpower im Hintergrund sorgt eine Partnerschaft mit Google: Apple versichert jedoch, dass Google zu keinem Zeitpunkt Zugriff auf die Daten der Apple-Nutzer erhält.
Tempo, auch für alte iPhones
Apple räumt auf: iOS 27 wird deutlich schneller, verspricht Apple: Apps öffnen bis zu 30 Prozent flotter, Fotos erscheinen 70 Prozent rascher in der Fotos-App, und Airdrop überträgt Dateien bis zu 80 Prozent zügiger. Dazu kommen kleine Helfer für den Alltag. Scheitert eine Nachricht beim Senden, versucht es iOS 27 automatisch erneut. Smart Reply wiederum lernt den eigenen Schreibstil. Die Antwortvorschläge klingen damit weniger nach Roboter und mehr nach dem Nutzer selbst. Mit Schweizerdeutsch dürfte diese Funktion aber wohl Mühe haben. Und auch das umstrittene Liquid-Glass-Design lässt sich neu zähmen. Ein Regler steuert, wie fest durchsichtig die Oberfläche wirkt. Wem die Glasoptik bisher zu unruhig war, dreht die Transparenz einfach herunter. Und die Support-Schwelle fällt milde aus. Sogar das iPhone 11 von 2019 erhält iOS 27. Wichtig: Für Apple Intelligence gilt weiterhin, dass es nur auf iPhones 15 Pro oder neuer läuft. Für Siri AI mit dem besten lokalen KI-Modell ist mindestens ein iPhone Air oder ein iPhone 17 Pro nötig.
Klang nach Geschmack
Airpods erhalten endlich einen eigenen Equalizer. Bisher war der Klang fix vorgegeben, künftig kann jeder selbst regeln, wie viel Bass oder wie klar die Höhen sein sollen. Es ist eine längst überfällige Funktion, die Apple nun als Update nachliefert. Mehr Details hat der Hersteller bisher nicht verraten. Unklar ist, ob alle Airpods den Equalizer erhalten oder nur neuere Geräte.
Sicherheit für Faule
Passwort1234 – wer ein solches Passwort hat, sollte seine Sicherheit überdenken. Oder künftig Apple die Arbeit überlassen. Apple Intelligence durchforstet neu die gespeicherten Logins, erkennt unsichere oder mehrfach genutzte Kennwörter und tauscht sie auf Wunsch gegen starke aus. Ein Klick genügt, den Rest erledigt das Gerät selbst. Damit fällt jene Hürde, an der die meisten scheitern: das mühsame Ändern alter Passwörter. Wer dies bisher aufschob, hat nun keine Ausrede mehr.
Werkzeug für Eltern
Bei der Kindersicherung legt Apple nach. Screentime ist ein Dauerbrenner in Familien. Eltern erhalten hier mehr Kontrolle. Statt jede App mühsam einzeln zu deckeln, gibt es Zeitlimiten neu für Kategorien: Spiele, Unterhaltung, Social Media. Für Schultage und Wochenende lassen sich getrennte Limiten festlegen, mit Vorschlägen je nach Alter des Kindes. Neu greift das iPhone auch bei groben Inhalten ein. Erkennt es in Nachrichten oder Facetime-Anrufen Gewalt oder Blut, macht es die Bilder bei Minderjährigen automatisch unscharf. Bisher galt das nur für Nacktaufnahmen. Und bevor ein fremder Kontakt das Kind anschreiben kann, müssen die Eltern zustimmen.
Keine Hardware
Vor dem Event überschlugen sich die Spekulationen zu neuer Hardware: ein faltbares iPhone, Apples erste Datenbrille, neue Macs, ein frischer Homepod mini. Auf der WWDC-Bühne kam nichts davon. Apple zeigte kein neues Gerät. Die WWDC blieb eine reine Software-Show. Der Grund dürfte bei Siri liegen. Viele der erwarteten Geräte hängen am neuen Assistenten, und der ist noch nicht startklar. Gut möglich also, dass beim nächsten Apple-Event ein regelrechtes Hardware-Feuerwerk gezündet wird.
Siri nur Englisch und mit Wartefrist
Die neue Siri kann viel, nur kein Deutsch. Zum Start versteht und spricht der KI-Assistent ausschliesslich Englisch, weitere Sprachen folgen «später». Einen Termin nennt Apple nicht. Und: Aktuell kann man Siri AI noch gar nicht ausprobieren, wer es auf dem iPhone aktivieren will, hat nur die Möglichkeit, einer Warteliste beizutreten. Die Systeme iOS, iPadOS und macOS 27 kommen ab Juli als öffentliche Beta, fertig sind sie im Herbst mit dem nächsten iPhone. Siri AI kommt noch «dieses Jahr». Immerhin: Die Schweiz erhält Siri AI überhaupt. Ganz leer gehen die Nachbarn aus. In der EU bleibt Siri AI auf iPhone und iPad gesperrt, eine Folge des Digital Markets Act, das Gesetz der EU für Tech-Giganten.