Namentlich will niemand genannt werden – zu heikel sind die Aussagen, die die Ärztinnen und Ärzte in der «NZZ am Sonntag» treffen. «Einige von uns haben den moralischen Kompass verloren», sagt ein Arzt im Bericht. Oder es heisst, dass viele Behandlungen ohnehin unnötig seien. Von «griechischen Zuständen» ist die Rede.
Klar wird: Einiges läuft schief. Die Ärzte und Mediziner, mit denen die Zeitung gesprochen hat, sind sich bewusst: Ein Teil der Kostenexplosion bei den Krankenkassen geht auf ihre Kappe. Insbesondere durch unnötige Behandlungen. Jeder zweite Untersuch sei unnötig, sagen der Herzspezialist und der Radiologe, mit denen die «NZZ am Sonntag» gesprochen hat.
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«Die Nachfrage nach Untersuchungen wie Magnetresonanztomografien (MRI) oder Computertomografien (CT) ist explodiert. Diese Bilder sind teuer, aber medizinisch oft unnötig», so der Radiologe. Man mache sie, weil man heute all die technischen Möglichkeiten habe.
Auch Hausärzte kriegen ihr Fett weg
Konkrete Beispiele gibt es zahllose: Mal liege die Überversorgung an den Hausärzten, die die Leute zu teuren Spezialisten schickten, statt sie selbst zu untersuchen, mal an den Patienten und Patientinnen, die alle möglichen Untersuchungen forderten, mal an den monetären Anreizen für die Behandelnden. «Wenn sich sogar die Ärzte darüber aufregen, muss es schlimm sein», sagt der Gesundheitsökonom Heinz Locher dazu.
Die Zeitung berichtet auch von Zusatzhonoraren zwischen 500 und 3500 Franken, die Grundversicherte teils zahlen, damit Ärzte Eingriffe vornehmen.