Darum gehts
- Thermoplan-Chef diskutiert Zölle mit Starbucks-Zulieferern in den USA
- US-Zölle bedrohen Schweizer Kaffeemaschinenhersteller und Werkplatz Schweiz
- US-Markt nur schwer zu ersetzen
Noch während US-Präsident Donald Trump (78) am «Liberation Day» neue Zölle verhängt, reist Adrian Steiner (49) in die USA. Um sich dort am 3. April in Dallas mit den wichtigsten Zulieferern der Kaffeehaus-Kette Starbucks zu treffen. Der Termin des Thermoplan-Chefs steht schon länger, hat in den letzten Tagen aber an zusätzlicher Brisanz gewonnen. Denn so bietet sich die Möglichkeit, nicht nur die bisherigen, sondern auch die neuen Zölle zu diskutieren.
Seit 1999 beliefert Thermoplan Starbucks exklusiv mit Kaffeeautomaten für alle Filialen weltweit, auch McDonalds gehört zu den Kunden der Firma aus Weggis LU. «Es ist schon grotesk», sagt Steiner. «Wir liefern aus der Schweiz in Starbucks-Filialen in 85 Ländern ohne Probleme, nur beim 86. Land gibt es plötzlich Schwierigkeiten.»
Metall kostet viel Zoll
Und das schon bevor die nächste Zollrunde über die Weltwirtschaft hereinbricht. «Seit Anfang letzter Woche hängen Ersatzteile für Kaffeemaschinen am US-Zoll fest», erzählt Steiner. Thermoplan müsste nachweisen, wie hoch der Stahl und Aluminium-Anteil der Produkte ist, und woher die Metalle kommen. «Das ist aufwendig. Und falls wir den Nachweis nicht erbringen können, zahlen wir einen Zoll von 25 Prozent auf den Gesamtwert der Ersatzteile.»
Das ist erst der Anfang: Denn auch neue Kaffeeautomaten von Thermoplan haben einen hohen Metallanteil. «Wir sind in der Kunststoffverarbeitung nicht so stark, also haben wir auf Metall gesetzt.» Wie so viele andere Maschinenbauer in der Schweiz. Steiner warnt: «Das trifft den Werkplatz Schweiz hart.»
Zumal die USA für die Schweizer Tech-Industrie ein wichtiger Markt ist, der nur schwer zu ersetzen wäre. «Es gibt zwar Potenzial in Asien, die Kunden in den USA haben aber ein anderes Verständnis für Qualität und sind auch bereit, einen angemessenen Preis dafür zu bezahlen», erklärt der Thermoplan-Chef.
Schockstarre und Unsicherheit
Neue Märkte zu erschliessen, kostet Geld und drückt auf die Marge. Andererseits kommt kein amerikanischer Hersteller an die Qualität der Kaffeeautomaten aus Weggis heran, nicht umsonst hält die Partnerschaft von Thermoplan und Starbucks seit über einem Vierteljahrhundert.
Schon vor zwei Wochen war Steiner in den USA an einer grossen Gastronomiemesse in Atlanta: «Im Moment sind alle in einer Schockstarre. Die Unberechenbarkeit der Regierung Trump löst bei den Unternehmen grosse Unsicherheit aus», weiss Steiner. Er macht sich – und anderen Schweizer Firmen – aber auch Hoffnung: «Wir haben bis jetzt immer partnerschaftliche Lösungen gefunden.»
Danach sieht es auch jetzt aus: «Wir werden die Hälfte der Zölle selbst übernehmen müssen», glaubt der Thermoplan-Chef. Denn es sei im Moment keine Option, eine Produktion in den USA aufzubauen. «Jede Faser in meinem Körper sträubt sich gegen den Aufbau einer dezentralen Produktion.» Kommt dazu, dass der Bau einer neuen Fabrik in den USA Jahre beanspruchen würde, auch weil Thermoplan in den USA erst Fachkräfte und Zulieferer suchen müsste.
Zeche zahlt der US-Konsument
Ob das immer so bleibt, ist ungewiss, vielleicht wird Thermoplan einen Teil der Montage verlegen: «Wir werden wohl einen Teil der Wertschöpfungskette aufbrechen müssen. Aber dabei kann man nichts gewinnen. Das kostet nur Geld.» Wichtig sei etwas anderes: «Die Innovation und das Know-how müssen in der Schweiz bleiben.»
Das Rezept dafür: Eine weitere Fitnesskur, wie der Werkplatz wegen des starken Frankens schon unzählige durchgemacht hat. Das Problem: «Man kann nicht noch immer fitter werden, irgendwann droht die Übersäuerung», warnt Steiner.
Bleibt zu hoffen, dass der Thermoplan-Chef sich mit seinem Hauptkunden auf einen Deal einigen kann, mit dem beide leben können. Und dass US-Präsident Trump vielleicht irgendwann mit den Zöllen ein Einsehen hat. Denn die Zeche dürften als Erste die amerikanischen Konsumenten zahlen, weil sich viele Produkte verteuern werden – auch der Latte to go in der Starbucks-Filiale um die Ecke.