«Wir wollen in Zukunft 13 Modelle in die Schweiz bringen»
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BYD-Länderchefin Stella Li:«Wir wollen in Zukunft 13 Modelle in die Schweiz bringen»

Super-Akku und Skandale
So tickt der chinesische Tesla-Killer BYD

BYD hat sich in nur 30 Jahren zum wichtigen Player im Autobau gemausert. Der Aufstieg ist kometenhaft, die Technik teilweise bahnbrechend. BYD steht aber auch immer wieder wegen unwürdigen Arbeitsbedingungen, staatlicher Einmischung und Spionage im Fokus.
Publiziert: 01.04.2025 um 19:48 Uhr
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Aktualisiert: 02.04.2025 um 11:45 Uhr
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BYD hat 2024 4,25 Millionen Autos verkauft. Doch die Chinesen wollen mehr.
Foto: keystone-sda.ch
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Patrik BergerRedaktor Wirtschaft

Was für eine Entwicklung! 1995 produzierte BYD noch einfache Batterien in einem bescheidenen Industriequartier in der chinesischen Stadt Shenzhen. Heute ist BYD der weltweit grösste Hersteller von Elektrofahrzeugen und die Nummer 1 in der Produktion von Batterien aller Art. Der chinesische Mischkonzern hat sogar Tesla überflügelt. Und wird in deutschen Fachmedien ehrfürchtig «Tesla-Killer» genannt.

2024 verkauften die Chinesen 4,25 Millionen Autos, davon 1,76 Millionen reine Elektrofahrzeuge. Der Umsatz wuchs um 29 Prozent auf 95 Milliarden Franken. Beeindruckende Zahlen, doch der Hunger von BYD ist ungestillt. Das angepeilte Ziel fürs laufende Jahr entsprechend selbstbewusst: Weltweit zwischen 5 und 6 Millionen Autos verkaufen. Was zeichnet BYD aus? Wie ticken die Chinesen? Schnell wird klar, Licht und Schatten wechseln sich ab.

Chinesischer Wunderakku als Trumpf

BYD ist einer der wenigen Autobauer, die ihre Batterien selbst herstellen. Mit der Blade Battery hat BYD ein sicheres, kostengünstiges und robustes Akkusystem entwickelt – ein massiver Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Das baut BYD laufend aus. Mit der neusten Version lässt sich ein E-Auto in nur fünf Minuten für eine Reichweite von 400 Kilometern aufladen.

Zum Vergleich: Teslas Supercharger braucht 15 Minuten für eine Reichweite von rund 320 Kilometern. «Wir wollen das Aufladen von Elektrofahrzeugen so schnell zu machen wie das Betanken eines Benziners», so BYD-Präsident Wang Chuanfu (58), wie unter anderem CNBC berichtete. Damit wäre einer der wichtigsten Schwachpunkte der E-Autos im Vergleich mit Verbrennern beseitigt.

Keine Importzölle wegen Mega-Fabrik in Ungarn

BYD ist längst ein globaler Player, kein rein chinesischer Hersteller mehr. Er schielt deutlich auf Märkte wie Südamerika und Afrika. Und greift in Europa frontal an. So richtet BYD in Ungarn und in der Türkei beim Bau der Europa-Fabrik denn auch mit der grossen Kelle an. Im ungarischen Szeged soll die Produktion schon Ende Jahr starten – und nach zwei, drei Jahren die volle Kapazität erreichen.

10'000 Jobs sollen in Ungarn entstehen und jährlich 150'000 Autos gebaut werden. Das Werk ist zentral für BYD, weil die Chinesen so lokal produzieren und lästige Importzölle umgehen können. Zudem soll auch die Zusammenarbeit mit europäischen Zulieferern vertieft werden. Das zeigt eindrücklich: BYD ist gekommen, um zu bleiben.

Finanzierung ist nicht transparent

Die Regierung in Peking hat ein grosses Ziel, dem sie vieles unterordnet: China soll die Volkswirtschaft Nummer 1 werden, noch vor den USA. Schlüsselindustrien werden entsprechend gefördert. Und der Autohersteller BYD zeigt, wie sich das auszahlen kann. Er profitiert auf breiter Front von staatlichen Förderungen. Kritiker monieren seit Jahren, dass Peking so den globalen Wettbewerb verzerrt. Die EU ermittelt wegen unfairer Wettbewerbsvorteile chinesischer E-Autobauer. Der Name BYD fällt in diesem Zusammenhang immer wieder. 

Auch auf dem wichtigen Inlandmarkt wird BYD unterstützt. Chinesische E-Auto-Hersteller bekommen Subventionen von der Regierung. Es gibt Geld für die Ladeinfrastruktur, Rabatte für inländische Käufer. Zudem sind E-Autos oder Hybrid-Fahrzeuge von der Mehrwertsteuer befreit. Diese jahrelange direkte und indirekte Unterstützung hat den kometenhaften Aufstieg von BYD beschleunigt.

Verdacht auf Menschenhandel in Brasilien

BYD steht immer wieder wegen fragwürdiger Arbeitsbedingungen in der Kritik. In China berichten Mitarbeitende von extremen Schichten, fehlender Pausenzeiten und schlechter Belüftung in Batterie-Fabriken. 2022 protestierten wütende Anwohner in Changsha gegen gesundheitsschädliche Emissionen aus einem BYD-Werk. Kinder litten an Nasenbluten und Atemproblemen. Auch international steht BYD unter Beobachtung: In Brasilien meldeten Gewerkschaften 2023 mehrere Fälle von Mobbing, mangelnder Sicherheit und psychischem Druck in den Fabriken.

Zuletzt stand BYD im Dezember 2024 in den Schlagzeilen, wie der «Spiegel» berichtet. Der happige Vorwurf: Menschenhandel. Die Behörden haben 163 chinesische Arbeiter auf einer Baustelle von BYD im brasilianischen Bundesstaat Bahia entdeckt. Ein Video zeigt Wohnbereiche mit Betten ohne Matratzen und unzureichenden Kochgelegenheiten. Die Behörden sprechen von «Arbeitsbedingungen wie für Sklaven». BYD widerspricht den Vorwürfen vehement und organisiert Hotels für die Arbeiter.

E-Autos stehen unter Spionageverdacht

BYD steht unter Verdacht, Daten seiner Fahrzeuge könnten an staatliche Stellen weitergeleitet werden – wie andere chinesische Techfirmen auch. Die US-Regierung sieht in chinesischen Autos gar eine potenzielle Gefahr für die nationale Sicherheit, wie das «Wall Steet Jounal» berichtet. Kritiker befürchten, dass Sensoren und Software zur Datenerfassung und Überwachung missbraucht werden könnten. Auch in Europa wächst das Misstrauen, Beweise fehlen aber. Sicherheitsbehörden fordern dennoch strengere Regeln für den Umgang mit Fahrzeugdaten aus China – besonders bei vernetzten E-Autos wie denen von BYD.

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