Das kommt jetzt doch überraschend: UBS-Chef Ralph Hamers (54) wird von seiner Vergangenheit bei ING eingeholt. Die niederländische Justiz rollt einen alten Geldwäsche-Fall wieder auf. Dieser war 2018 mit einem Vergleich beigelegt worden. Die Vorwürfe fielen in eine Zeit, als Hamers an der Spitze der niederländischen Bank stand.
Ein niederländisches Gericht habe angeordnet, dass die Staatsanwaltschaft Hamers Rolle in der Sache untersuche, meldet die UBS. Und schiebt nach: «UBS hat volles Vertrauen in die Fähigkeit von Ralph Hamers, UBS zu führen.»
ING musste 2018 wegen mangelnder Kontrolle von Kundenkonten umgerechnet eine Strafe von über 830 Millionen Franken zahlen. Es war die grösste Geldwäschestrafe in der niederländischen Geschichte.
Auch UBS-Präsident Axel Weber (63) stellt sich in einer Mitteilung an die Mitarbeiter hinter seinen neuen Konzernchef. Der Niederländer hatte im November den langjährigen UBS-Chef Sergio Ermotti (60) abgelöst. Die UBS habe im Rahmen ihrer Beurteilung von CEO-Kandidaten Hamers' Hintergrund umfassend überprüft.
Investoren waren mit Entscheid unzufrieden
Dazu habe auch eine Bewertung des Geldwäsche-Falls bei seinem früheren Arbeitgeber ING durch unabhängige Dritte gehört. «Wir waren mit den Ergebnissen dieser unabhängigen Beurteilungen und der damaligen Einschätzung des niederländischen Staatsanwalts vollauf zufrieden», so der UBS-Präsident.
Das Verfahren endete zwar mit einem Vergleich, doch ein niederländisches Gericht setzte die Untersuchung fort, weil ausgerechnet Investoren der Bank mit dem Entscheid nicht zufrieden waren.
Nun also wird das Verfahren neu aufgerollt. Im Visier der neue UBS-Boss: «Das Gericht hält es für wichtig, dass in öffentlichen Strafverfahren der Standard bestätigt wird, dass Manager einer Bank nicht ungestraft davonkommen, wenn sie tatsächlich für verbotenes Verhalten verantwortlich sind», erklärte das Berufungsgericht in Den Haag.
Die Anleger zeigen sich von der Nachricht unbeeindruckt: Die UBS-Aktien notierten am Mittag leicht im Plus.