Vor anderthalb Monaten beschäftigte sich Rafael Nadal noch mit einem möglichen Rücktritt. Am Sonntag strahlt er über beide Backen mit der Trophäe der Australian Open in den Armen. Nebst den Erfolgen des Spaniers zieht sich seine lange Verletzungsliste wie ein roter Faden durch seine Karriere. Dass er mit 35 Jahren noch auf der Tour ist – geschweige denn einen Major-Titel abräumt – ist unglaublich.
Auf Nadals Verletzungsgeschichte angesprochen, sagt Sportarzt Walter O. Frey: «Bei den alpinen Sportlern sehen wir gewisse Verletzungen und medizinische Probleme, wo der normale Mensch froh sein muss, wenn er wieder geradeaus laufen kann. Wenn ein Athlet oder eine Athletin aber über ein professionelles Umfeld verfügt und mit einem unendlichen Willen dahinter geht, können Berge versetzt werden.»
Besonders die Art von Nadals Rückkehr auf dem Court imponieren dem mehrfachen Olympia-Mediziner: «Beim 21. Grand Slam ist klar zu sehen, dass er alles drauf gesetzt hat. Es ist verrückt, wie schnell er angefangen hat, zu spielen und zu gewinnen.»
Verletzungsodyssee beginnt früh
2004 beginnt seine lange Verletzungsodyssee mit einem Ermüdungsbruch im Fuss, die ihn von der ersten French-Open-Teilnahme abhält. Doch ein Jahr später krönt er sein Debüt mit dem ersten Major-Titel.
Danach folgt ein Rückschlag, der seine Karriere ins Wanken bringt. Beim Mallorquiner wird eine degenerative Erkrankung am linken Fuss diagnostiziert. Heilbar ist die Krankheit nicht. Nadal besinnt sich von da an darauf, die Schmerzen in Schach zu halten – bis heute.
Blessuren kommen mit dem Erfolg
Rafa lässt sich nicht unterkriegen und beginnt Titel zu hamstern. 2008 holt er Olympia-Gold in Peking, 2010 macht er den Golden Slam perfekt. 13 seiner 21 Grand-Slam-Titel gewinnt er in seinem Wohnzimmer Roland Garros. Parallel mit dem Erfolg kommen aber weiter neue gesundheitliche Hürden auf, die Nadal zu meistern hat: Probleme an Handgelenk, Knie, Rücken, Hüfte und Bauchmuskeln, um einige zu nennen.
So hat Rafa stets einen Kampf mit seinen Gegnern und auch mit sich selbst führen müssen. Ungeachtet dessen hält sich der erfolgreichste Patient seit über 800 Wochen durchgehend in der Top 10 der Weltrangliste – 196 davon als Nummer 1.