Rafael Nadal (34) holt Roger Federer (39) bei der Anzahl Grand-Slam-Titel ein. Es steht 20:20. Wer ist nun der bessere, der grössere Tennis-Spieler? Noch denken sie nicht an einen Rücktritt – die Geschichtsbücher müssen Platz lassen für weitere Erfolgsgeschichten. Fakt ist jedoch: Spanien dreht nach Nadals 13. Titel in Roland Garros bereits jetzt durch. «Der Stolz Spaniens», schreibt die Sportzeitung Marca. Und wagt auf ihrem Titelblatt die Prognose: «Rafa, du bist der Grösste, den wir je sehen werden.»
Könnte sein. Vielleicht auch nicht. Wer weiss schon, was in 5, 10 oder 50 Jahren sein wird? Für Juan Gutierrez, Tennis-Journalist bei der zweiten grossen Sportzeitung Spaniens AS, ist der «Stier von Manacor» bereits jetzt unübertroffen. «Es ist offiziell. Nadal ist der Grösste», kommentiert er. Gutierrez betont zwar, dass Federer auf derselben Stufe sei, lässt aber nicht unerwähnt, dass der Schweizer vier Jahre älter ist.
Federer gratuliert Nadal
Währenddessen lässt die Frage nach dem GOAT («Greatest of all Time») die zwei Hauptprotagonisten Federer und Nadal ziemlich kalt. Der Baselbieter, der seine Rückkehr für die Australian Open 2021 plant, gratuliert Nadal via Twitter: «Ich glaube, wir haben uns gegenseitig dazu gepusht, bessere Spieler zu werden. Ich hoffe, die 20 ist nur ein weiterer Schritt auf der andauernden Reise für uns beide. Gut gemacht, Rafa. Du verdienst das.»
Nadal bedankt sich und betont, dass es ihm viel bedeutet, mit Federer den Rekord zu teilen. Gleichzeitig meint er: «Ich sage ganz ehrlich – es wäre wunderbar, eines Tages als Spieler mit den meisten Major-Titeln in die Geschichte einzugehen.» Er denke aber nicht stets daran, sagt Nadal. Er zieht einen Vergleich: «Du kannst nicht immer traurig sein, nur weil dein Nachbar ein grösseres Haus oder ein grösseres Boot hat.»
Eurosport-Experte Mats Wilander meint, dass Nadal die besten Chancen, um einst als Grössten der Geschichte bezeichnet zu werden. Für ihn ist Federer ein «Genie», so der Schwede. Aber: «Ich habe Zweifel, ob er immer noch ein Grand-Slam-Turnier gewinnen kann.»