Darum gehts
Haben wir in der Königsdisziplin des Skirennsports nur noch Bettlerinnen? Fakt ist: Die Schweizer Abfahrerinnen stürzten in diesem Winter ab. Sie haben in sechs Rennen keinen Sieg, nur drei Podestplätze und im Schnitt 114 Punkte pro Rennen geholt. In der letzten Saison waren es (bei acht Rennen) zwei Siege, sechs Podestplätze und durchschnittlich 147 Punkte pro Rennen. Ein happiger Unterschied. Ob man das Bild beim Weltcupfinale in Sun Valley (USA) verbessern kann?
Trotz negativer Tendenz gab es in diesem Winter auch einen ganz besonderen helvetischen Farbtupfer: Malorie Blanc. Die 21-jährige Walliserin donnerte in St. Anton (Ö) mit Startnummer 46 auf Rang 2 – in ihrer allerersten Weltcupabfahrt, versteht sich. «Das war unglaublich. Und auch mit den Rennen danach bin ich zufrieden», sagt sie.
Tatsächlich schaffte es die Frohnatur aus Ayent VS in sieben von acht Speedrennen in die Punkteränge. Der Lohn? Blanc qualifizierte sich sowohl in der Abfahrt (25.) als auch im Super-G (18.) fürs Weltcupfinale. «Körperlich bin ich nicht so müde, aber mental haben die letzten Monate schon an meinen Kräften gezehrt. Nun will ich aber nochmals Gas geben.»
Blanc mag das Unbekannte
Blanc freut sich auf die Piste «Challenger», obwohl sie sie noch nie gefahren ist. Oder genau deshalb? Schmunzelnd sagt sie: «Niemand kennt die Strecke, weil es bislang in Sun Valley keine Speedrennen gab. So habe ich im Vergleich zu den arrivierten Fahrerinnen für einmal keinen Nachteil.»
Die Kunst- und Tier-Doku-Liebhaberin will in Sun Valley ihren hervorragenden Instinkt spielen lassen. «Normalerweise bin ich nicht so schlecht, wenn ich eine Piste nicht kenne. Hoffentlich auch diesmal.»
So oder so darf Blanc stolz auf ihre Saison sein. Der Kreuzbandriss, den sie kurz nach dem Gewinn ihrer zwei Goldmedaillen bei der Junioren-WM im Februar 2024 erlitt, liegt gefühlt weit zurück. Oder nicht?
Blanc verzichtete Ende Januar 2025 auf die Rennen in Garmisch (De), weil sie leichte Knieschmerzen spürte. «Es war wichtig, auf meinen Körper zu hören. Es ist auch ein Schutz, so zu planen – ich muss auch nett zu mir sein. Das Wichtigste ist die Gesundheit.»
Genau mit dieser Einstellung blickt Blanc in die Zukunft, die für das Speed-Talent so rosig scheint.