Martin Plüss, wie bewerten Sie die Saison nach dem erneuten Aus im Spiel 7?
Martin Plüss (47): Ich würde sagen, es war eine enge Serie. Aber logisch hatten wir die Erwartung, dass wir diese gewinnen. Ich finde, dass wir über alle sieben Spiele zu wenig zwingend waren. Ich glaube aber auch, dass es zeigt, dass wir noch nicht dort sind, wo wir sein wollen. Es braucht einfach ein Fundament, das hält. Eine gewisse Fragilität war noch sichtbar. Die Diskrepanz zwischen gut und weniger gut war zu gross. Wenn das anders wäre, wären wir vielleicht eher weitergekommen. Aber ich muss mir auch das Gesamte anschauen und überlegen, wie wir nächstes Jahr besser sein können.
Muss man personell viel verändern oder hilft es der Mannschaft, wenn man nicht wieder zu viel eingreift und sie wachsen kann?
Das ist die Analyse, die wir machen müssen. Egal, was wir jetzt machen, es geht darum, dass wir nächstes Jahr besser sind. Wir müssen die Punkte finden, bei denen wir Handlungsspielraum haben. Ob das jetzt bei der Art ist, wie wir spielen, oder, dass wir mehr aus der Mannschaft herausholen können. Das ist ein breites Spektrum. Vielleicht gibt es auch Dinge, die uns noch fehlen. Aber dafür ist jetzt zu kurz nach dieser engen Serie.
Ist der Trainer ein Diskussionsthema?
Nein. Es gibt einen Grund, warum ich gesagt habe, dass wir zuerst das Fundament bauen müssen. Es ist wichtig, dass man das nüchtern analysiert und schaut, wie man Sachen justieren kann. Da muss man sich Zeit nehmen und schauen, was nötig ist, damit wir weitere Fortschritte erzielen können.
Als problematisch hat sich die Konstellation mit dem ausländischen Goalie, der dann in den entscheidenden Spielen auf der Tribüne sass, herausgestellt.
Ja, aber jetzt muss ich auch sagen, dass Adam Reideborn gut gespielt hat in den Playoffs. Ich finde, er war auch besser als in der Qualifikation. Es war dann einfach so, dass Verteidiger Hardy Häman Aktell wieder gesund war und man ihn einbauen wollte. Damit war klar, dass Philip Wüthrich spielt. Und er hat auch sehr gut gespielt. Wenn du so aufgestellt bist, ist es logisch, dass du Kompromisse bei den Ausländern machen musst. Ich glaube, dass wir keine andere Möglichkeit haben, als das so zu machen. Das hat Vor- und Nachteile.
Den Vertrag mit Reideborn hat man verlängert. Und für Wüthrich kommt Christof von Burg, der auf dieser Ebene noch unerprobt ist. Das macht es nicht einfacher.
Wir hatten zunächst zugewartet, um zu schauen, wie alle spielen und wie der Markt ist. Jeder sucht gute Schweizer Goalies. Aber wir sind mit unseren Goalies, die einen guten Job gemacht haben, auf den dritten Rang gekommen. Letztes Jahr waren wir auch in der Top 6. Ich würde mich jetzt hüten, das Ganze auf einzelne Teile herunterzubrechen. Das wäre nicht gerecht.
Sie hatten in den letzten zwei Jahren einen grossen Ausländerverschleiss unter Trainer Jussi Tapola. Müssten Sie ihn nicht enger führen und dafür sorgen, dass er mit den Ausländern arbeitet, die er hat?
Die Frage ist, wie viel Verschleiss wir hatten, nachdem Jussi gekommen war. Einige Ausländer waren noch vor ihm verpflichtet worden. Dann haben wir auch eine Leistungskultur. Dominik Kahun hat im ersten Jahr unter Jussi 50 Punkte gemacht. Er hat sich immer voll reingehängt. Dann hat es vielleicht am Schluss nicht mehr so gepasst. Aber ich fand nicht, dass wir in diesem Jahr einen grossen Verschleiss hatten. Wenn man sieht, wie es die Jahre zuvor aussah, war klar, dass man etwas neu aufbauen muss. Dann sind wir im ersten Jahr in den Top 6 gewesen und jetzt den Top 3. Also kann man sagen, es geht in die richtige Richtung. Und jetzt in den Playoffs sind wir gleich weit wie letztes Jahr, nüchtern betrachtet. Resultatmässig.
Auch leistungsmässig. Gegen Zug war es vor einem Jahr auch eine offene Serie.
Absolut. Die sechs Top-Mannschaften sind ja ohnehin auf einem ähnlichen Level. Aber wir sehen auch Dinge, die wir hätten besser machen können. Dort müssen wir den Hebel ansetzen.
Am meisten Spielraum gibt es bei den Ausländern, da Liga-Topskorer Austin Czarnik ja geht.
Ich habe das Gefühl, dass die Ausländer-Leistungen über die ganze Saison gut waren. Aber es ist die Frage, mit welchen Komponenten man die Mannschaft in Zukunft bauen will. Die Möglichkeit, mit zwei ausländischen Centern zu spielen, hatten wir leider nicht mehr. Es wäre interessant gewesen, zu sehen, welchen Effekt das gehabt hätte.
Klar, bei Ihnen ist Topskorer Austin Czarnik nach zwei Spielen ausgefallen. Fribourg hat mit Jacob De la Rose aber auch einen wichtigen Spieler verletzt verloren.
Um das klar zu sagen: Es geht mir nicht darum, zu sagen, dass wir wegen Czarniks Ausfall nicht gewonnen haben. Aber es wäre spannend gewesen, zu sehen, wie das funktioniert. Das Resultat ist, wie es jetzt ist. Unser Anspruch ist es, dass wir näher an die Spitze herankommen. Egal, ob wir jetzt in den Viertelfinals weitergekommen sind oder nicht. Das ist die Mannschaft dieses Jahres. Im nächsten Jahr ist es wieder eine andere Story.
Ärgert es Sie, dass Dominik Kahun in Lausanne wieder funktioniert und derzeit bester Skorer der Playoffs ist?
Nein, das ist auch keine Überraschung. Ich mag Dominik. Er ist ein guter Typ und ein guter Spieler. Es freut mich für ihn. Er hat viel für Bern gemacht. Aber man muss auch beurteilen, was bei uns war. Er hatte im Jahr davor mit dem gleichen Coach so viele Punkte gemacht und diese Saison sah es anders aus. Er war leider auch noch verletzt gewesen.