Rassismus-Debatte
Zürcher Kantonsrat lehnt Entfernung «rassistischer Kulturgüter» ab

Der Zürcher Kantonsrat hat sich deutlich gegen die Entfernung «rassistischer Kulturgüter» aus dem öffentlichen Raum ausgesprochen. Die Motionärinnen von SP und AL nannten etwa Büsten von Auguste Forel oder Alfred Escher.
Publiziert: 31.03.2025 um 18:22 Uhr
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Aktualisiert: 31.03.2025 um 22:19 Uhr
Zwei Zürcher Kantonsrätinnen forderten die Entfernung von «rassistischen Denkmälern» aus dem öffentlichen Raum. Dazu zählten sie auch Alfred Escher, weil sich dessen Familie durch Sklaverei bereichert habe. (Archivbild)
Foto: CHRISTIAN BEUTLER
Zwei Zürcher Kantonsrätinnen forderten die Entfernung von «rassistischen Denkmälern» aus dem öffentlichen Raum. Dazu zählten sie auch Alfred Escher, weil sich dessen Familie durch Sklaverei bereichert habe. (Archivbild)
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SDASchweizerische Depeschenagentur

Menschen, die sich wegen dem Kolonialismus bereicherten oder rassistische Ideologien verbreiteten, seien nicht mit Denkmälern zu ehren, lautete die Forderung. Expertinnen und Experten sollten die Kulturgüter überprüfen. Kritische Objekte sollten neu in einem geschlossenen Ausstellungsraum gezeigt werden. Dort würden sie «kontextualisiert».

Ein Denkmal sei kein Mahnmal, sondern würdige die Dargestellten, sagte Leandra Columberg (SP; Dübendorf). Statuen könnten verletzen und Menschen beleidigen. Rafael Mörgeli (SP; Stäfa) wies darauf hin, dass die Motion die Kulturgüter weiterhin öffentlich zugänglich belassen will, aber nicht im öffentlichen Raum.

Als «woke Vorlage» betitelt

Für Rochus Burtscher (SVP, Dietikon) war der Vorstoss «eine typische woke Vorlage der Linken». Sein Parteikollege Lorenz Habicher (Zürich) forderte mehr Respekt vor Personen wie Alfred Escher. Andere sprachen von «kopflosem Niederreissen» und forderten stattdessen eine Kontextualisierung vor Ort.

Sie habe viele typische Voten der Mehrheitsgesellschaft gehört, entgegnete Lisa Letnansky (AL, Zürich). Aber die Gesellschaft ändere sich und durch gewisse Denkmäler würden Menschen diskriminiert oder herabgewürdigt.

Der Regierungsrat sprach zwar davon, dass die kritische Auseinandersetzung mit Kulturgütern wichtig sei. Doch eine «undifferenzierte und flächendeckende Entfernung möglicherweise problematischer Kulturgüter ist abzulehnen.»

Baudirektor Martin Neukom (Grüne) zeigte Sympathien für das Anliegen, die kolonialistische Geschichte müsse auch in der Schweiz aufgearbeitet werden. Der Kanton besitze aber nur fünf kritische Denkmäler und diese stünden nicht im öffentlichen Raum.

Der Kantonsrat lehnte die Überweisung mit 122 zu 47 Stimmen ab.

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