Auf dem Werbeplakat des Sauna-Clubs Sex-Park in Oberentfelden AG steht in grossen Buchstaben geschrieben, was am 21. Mai 2022 ab 15 Uhr stattfinden wird: Die «Blas-Meisterschaft», der «grösste Blowjob-Contest der Schweiz». Auf dem Flyer werden potenzielle Gäste direkt angesprochen: «Teste unsere 8 Top-Bläserinnen völlig gratis!» Danach könne man seine Bewertung abgeben und damit die «Miss Blowjob 2022» wählen.
Das Plakat, das im Internet die Runde macht, dürfte die möglichen Gäste freuen. Doch beim Gemeinderat sind etliche Protestmails eingegangen. Laut «Aargauer Zeitung» unter anderem aus Liechtenstein und vom deutschen Netzwerk Ella. Das ist eine Aktionsgruppe von Frauen aus der Sexarbeit-Branche, die in Deutschland das «nordische Modell» fordert. Dabei wird, wer sexuelle Dienstleistungen anbietet, nicht bestraft, wer sie hingegen in Anspruch nimmt, also Freier, machen sich strafbar.
«Eine öffentliche Demütigung von Frauen»
Auch in der Schweiz wächst die Wut über den Event in einem der grössten Bordelle der Schweiz. «Diese Meisterschaft ist eine Schande! Ein Skandal. Eine öffentliche Demütigung von Frauen», sagt Christina Bachmann-Roth (38), Präsidentin Die Mitte Frauen Schweiz, zu Blick. «Es ist ungeheuerlich, dass solch ein Event schon seit über zehn Jahren durchgeführt wird.»
Der Mitinhaber vom Sex-Park und Mitorganisator der «Blas-Meisterschaft» winkt ab. «Wir führen den Sex-Park seit zwölf Jahren und es gab noch nie eine Reklamation von Anwohnern oder der Gemeinde. Es gab auch noch nie einen negativen Vorfall», so Sven T.* (50) zu Blick. Auch die «Blas-Meisterschaft» hätten sie schon mehrmals durchgeführt – «ebenfalls ohne irgendwelche negativen Reaktionen».
Es soll alles «völlig legal» über die Bühne gehen
Dass sich nun eine deutsche Organisation kritisch äussere, würden sie zur Kenntnis nehmen, sagt Sven T. Sie hätten jedoch «keine negative Reaktion aus der Schweiz» erhalten. «Es ist auch unnötig, denn die Frauen machen dies freiwillig – es hätten sogar noch mehr mitmachen wollen als die acht, die am 21. Mai mit von der Partie sind.»
Zudem gehe alles «völlig legal» über die Bühne, sagt Sven T. «Die Frauen sind ganz normal als Arbeiterinnen angemeldet und bezüglich Krankheiten auch getestet.» Sie würden, wie die Kunden, Eintritt bezahlen und wenn sie mit einem Herrn aufs Zimmer gehen, «dann ist es ihre Sache, was sie dann noch an Geld verlangen». Am 21. Mai würden die Frauen natürlich, weil die «Blas-Meisterschaft» im Bar- und Wellnessbereich stattfindet, etwas vom Gesamteintritt bekommen.
«Zirka 50 Männer» beim letzten Event
«Völlig gratis» ist es dann also doch nicht. Wie auf dem Flyer ganz unten zu lesen ist, kostet der Eintritt 90 Franken – nichtalkoholische Getränke und Buffet inklusive. Wegen der Pandemie hat der letzte Event dieser Art 2019 im Club stattgefunden. «Bei der letzten Blas-Meisterschaft kamen zirka 50 Männer», sagt Sven T.
Für Christina Bachmann zu viel des Guten. «Stellen wir uns vor, diese Frauen wären unsere Töchter. Ganz schrecklich», sagt sie. «Wir dürfen auf keinen Fall zulassen, dass Frauen in Oberentfelden so gedemütigt werden.»
Bachmann erwartet, dass Gemeinde Veranstaltung verbietet
Sven T. kontert: «Kritik, dass wir sexistisch oder frauenfeindlich wären, lassen wir nicht zu – auch nicht zur Wortwahl auf unserem Plakat.» Denn: «Solche Wörter sind sogar auf einem Schulhof bei Zehnjährigen gang und gäbe.» Bezüglich des ältesten Business der Welt müssten sie sich sicher nicht verteidigen, «weil praktisch jeder Mann schon mal im Netz einen Porno gesehen hat oder in einem solchen Club war – wenn auch nur als Zuschauer, der nebenbei noch etwas Essen und Trinken möchte.»
Für Christina Bachmann geht das Problem aber tiefer. «Wir müssen aufhören, in der Frauenpolitik nur privilegierte Frauen zu berücksichtigen», sagt sie. «Vielleicht kümmern wir uns zu sehr um Gendersternchen und Frauenquoten in Verwaltungsräten, während wir zulassen, dass diese Frauen einen Blowjob-Wettbewerb durchführen müssen, um zu überleben.» Bachmann ist überzeugt: «Wer Frauenrechte fordert, muss bei den ärmsten Frauen anfangen.» Darum rufe sie auf Twitter und Facebook dazu auf, dem Gemeindeammann Mails zu schreiben. Und sie sagt ganz klar: «Ich erwarte, dass der Gemeinderat von Oberentfelden diese Veranstaltung verbietet.»
Gemeindeammann: «Es ist ganz legale Arbeit»
Der Gemeindeammann bestätigt die bösen Mails. Aber: «Wir hatten in den letzten Jahren absolut keine Beanstandungen», sagt Markus Bircher (60) zu Blick. Man könne «natürlich» diskutieren, was bei dem Anlass abgehe. «Auf der anderen Seite ist es ganz legale Arbeit, der diese Frauen nachgehen», so Bircher. «Da können wir wirklich keinen Einfluss nehmen. Von dem her ist das sicher vertretbar.»
Zur Wortwahl «Blas-Meisterschaft» auf dem Club-Plakat sagt Bircher: «Das ist jedem seine eigene Sache und halt aufgebauschte Werbung. So holt man die Leute.» Er selber habe im Übrigen noch nie bei einem solchen Event zugeschaut.
* Name geändert